Siemens BT und Spedition Bezold

Streetscooter im Praxistest

Der E-Transporter mit Spezialaufbau 
kostete unter 60.000 Euro. 15 Street-scooter sind bei Bezold im Einsatz Foto: SYSTEM

Elektrotransporter in Flotten sind selten, mit Spezial-aufbau noch rarer. Siemens BT und die Spedition Bezold setzen Streetscooter mit Kofferaufbau ein.

An den Anblick eines Street­scooters im Stadtverkehr haben wir uns mittlerweile gewöhnt. Schließlich produziert die Tochterfirma der Deutschen Post DHL mit Sitz in Aachen aufgrund der hohen Nachfrage Fahrzeuge am laufenden Band. Doch das Modell, das seit Ende März in Nürnberg unterwegs ist, sticht nicht nur wegen der türkisen Farbe hervor. "Es handelt sich dabei um den ersten Streetscooter, der für den klassischen Einsatz bei Speditionen taugt", erklärt Andreas Metko, Lager- und Transport­manager bei der Siemens-Divi­sion Building Technologies (BT), zu Deutsch: Gebäudetechnik, eine von insgesamt acht Siemens-Divisionen. Das Besondere an diesem E-Transporter ist der spezielle Aufbau von Humbaur. Dieser erlaubt rund 800 Kilogramm Zuladung und verfügt über Möglichkeiten zum Festzurren der Ware sowie eine Portaltür.

"Die Portaltür ermöglicht uns die Beladung per Gabelstapler", erklärt Metko. Entsprechend größer kommt der eigens angefertigte Streetscooter daher, der auf dem Modell Work L basiert. Das Fahrzeug transportiert im Nürnberger Stadtverkehr Produkte für die Gebäudetechnik wie zum Beispiel Brandschutzmelder.

Der Streetscooter startet seine tägliche Tour, die etwa 80 Kilometer beträgt, an einem Siemens-BT-Lager, das die Spedition Bezold betreibt, und fährt diverse Stopps in Nürnberg an. Danach geht es wieder zurück zum Lager. Die Spedition Bezold investierte für den Street­scooter unter 60.000 Euro. Beim Wechsel zum E-Fahrzeug seien in diesem Fall die gleichen Durchschnittskosten wie bei einem konventionellen Fahrzeug angefallen.

Bezold-Fahrer Sven Ziegler fährt den Streetscooter, den die Verantwortlichen auf den Namen Greenliner tauften, am häufigsten. "Beim Ausliefern werde ich oft gefragt, wie er sich fährt", erzählt er. Ziegler findet ihn für den Stadtverkehr perfekt, auf der Landstraße mache sich die Höchst­geschwin­dig­keit von 85 km/h aber bemerkbar. Der Ladevorgang auf dem Speditionshof und die beschränkte Reichweite bereiten ihm dagegen keine Probleme.

Das Fahrzeug befindet sich derzeit noch in der Testphase. Verläuft diese erfolgreich, kann sich Metko auch die Ausweitung der Belieferung per Streetscooter vorstellen. Momentan deute einiges darauf hin. Von den Kunden komme positives Feedback, viele Medien berichteten über das einzig­artige Fahrzeug, das auch für die Stadt Nürnberg Vorbildcharakter hat: Es ist der erste Streetscooter, der dort ausliefert. Die Deutsche Post selbst zog erst Anfang Mai nach.

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Ein Erfolg für Siemens BT – und doch "nur" Teil eines größeren Projekts, das die Sparte gemeinsam mit der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg seit eineinhalb Jahren betreibt. Beim sogenannten Innovationsmeeting, an dem viermal jährlich Mitarbeiter von Siemens und FAU teilnehmen, kam die Idee zu einem Projekt rund ums Thema Elektromobilität auf den Tisch. Das Team um Projektleiter Metko und Tobias Meyer vom Lehrstuhl für Supply Chain Management an der FAU enttarnte dabei drei mögliche Ansätze: Lastenräder in der Innenstadtbelieferung, einen E-Lkw für den Werkverkehr zwischen zwei Standorten im schweizerischen Zug und eben den Einsatz eines Elektrofahrzeugs im Nahverkehr.

Beim Thema Lastenrad meldet Siemens BT Vollzug. In Stuttgart beliefern seit Dezember 2017 E-Bikes des Lieferdienstes Velocarrier die Kunden, München soll als zweite deutsche Stadt folgen. Doch die Pläne reichen weiter als Deutschland: "In Stockholm planen wir die Zusammenarbeit mit einem weiteren Dienstleister", erklärt Metko. Schweden sei einer der Kernmärkte und das große Siemens-Lager in Arlandastad nur rund 40 Kilometer von der schwedischen Hauptstadt entfernt.

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Der Werkverkehr dagegen ist zumindest vorerst auf Eis gelegt. Die Kosten für den elektrischen 40-Tonner, der dafür zum Einsatz kommen müsste, seien aktuell zu hoch. Dieses Problem bestand laut Tobias Meyer von der FAU auch bei den Überlegungen für den Einsatz eines E-Lkw im Nahverkehr. "Wir haben verschiedene Hersteller verglichen und überlegt, welches Fahrzeug zu Siemens passt." Die Wahl fiel schließlich auf Street­scooter. "Wegen des großen Erfahrungsschatzes und des vergleichsweise niedrigen Preises", erklärt Metko. Ein weiterer Faktor war die relativ kurze Lieferzeit.

Im November 2017 ging bei Streetscooter die Bestellung ein, im Februar stand das Fahrzeug auf dem Hof der Spedition Bezold. Die Inbetriebnahme des Streetscooters feierten die Verantwortlichen Ende März. Seitdem kurvt Sven Ziegler mit dem Greenliner durch Nürnberg – und wird dabei die Blicke noch eine Weile auf sich ziehen.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
FA 12 2018 Titel
12/2018 16. November 2018 Inhalt zeigen
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