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Sitzprobe Ford Focus 2018

Erste Eindrücke vom kompakten Kölner

Ford Focus 2018 Foto: ford 3 Bilder

Der Ford Focus ist branchenweit das einzige wirklich funktionierende Weltauto. Trotzdem oder gerade deswegen fällt die neue Generation ziemlich europäisch aus.

Das Weltauto ist der Traum jeden Automanagers – aber seltener der des Kunden. Wo ersterer von Gleichteilestrategien und Kostenvorteilen träumt, fürchtet letzterer stilistische Indifferenz und preisoptimierte Charakterarmut. Das einzige Auto, dem das Weltauto-Sein bislang dauerhaft gelang, ist der Ford Focus. Und auch in der neuen Generation scheint der Kompaktwagen nicht in die Falle internationaler Beliebigkeit zu laufen.

Deutlich mehr Platz im Innenraum

Bei der ersten Sitzprobe während der Vorstellung der vierten Auflage in London jedenfalls fühlt sich der Focus ziemlich europäisch an, obwohl er in kaum veränderter Form auch in den USA und China angeboten wird. Die Designer haben auf Extreme verzichtet, die Karosserie nüchtern genug gestaltet, um dem hiesigen Geschmack zu entsprechen, ohne die amerikanische und asiatische Vorliebe für Ornamentik komplett zu vernachlässigen. Das gelingt nicht zuletzt durch das breit gespreizte Programm an Designlinien, die mal verspielt-verchromt wie das Edelmodelle "Vignale", mal eher technisch wie in der "Titanium"-Variante daherkommen. Außerdem wird das Angebot an Karosserievarianten den regionalen Vorlieben angepasst. Die kürzlich in China präsentierte Stufenhecklimousine wird es hier nicht geben, im Gegenzug muss das Reich der Mitte auf den Kombi verzichten.

Ford Focus 2018 Foto: ford
Auf der Rückbank genießen Fahrgäste mehr Beinfreiheit als früher.

Einen klaren Gewinn gegenüber dem Vorgänger gibt es beim Platzangebot im Fond. Weil die neue, modulare Fahrzeugarchitektur die Achsen weiter an die Fahrzeugenden rücken lässt (Radstand: plus 5,3 Zentimeter), sitzt man trotz insgesamt nur moderatem Längenwachstum vor allem im Fond ungemein luftig (Beinfreiheit: plus 7,8 Zentimeter). Auch, weil die Dachlinie nicht mehr so stark abfällt wie beim Vorgänger – und als Nebeneffekt das Fensterchen vor der C-Säule größer ausfällt. Zum guten Raumempfinden trägt auch das erstmals angebotene Panorama-Glasdach bei, das sich bis über die Fondbank zieht. Auf den vorderen Sitzen schränkt es allerdings die Kopffreiheit spürbar ein. An anderer Stelle sind Fahrer und Beifahrer hingegen besonders gut vor unangenehmem Kontakt mit der automobilen Hardware geschützt: Die Mittelkonsole ist mit aufgeschäumtem Kunststoff gepolstert, um das Knie bequem abzustützen.

Kofferraum klappt nach Fußschwenk elektrisch auf

Der Kofferraum ist gegenüber dem Vorgänger leicht gewachsen. Wichtiger aber ist der verbesserte Zuschnitt. Die Laderaumbreite hat vor allem beim Turnier genannten Kombi kräftig zugelegt, das Gepäckabteil ist großzügiger. Keine Radkästen oder Seitenverkleidungen stören das Beladen. Beim Kombi, dessen Klappe auf Wunsch per Fußtritt unter den Stoßfänger öffnet, gibt es zudem ein praktisches Stausystem für das handlicher gewordene Gepäckraumrollo. Insgesamt fasst der Turnier 1.635 Liter Gepäck, 40 Liter mehr als zuvor. Beim Fünftürer gibt es immerhin noch ein Plus von 25 auf 341 Liter. Mit umgeklappten Rücksitzen sind es 1.354 Liter, 92 mehr als bisher.

Ob die Weltauto-Strategie wirklich aufgeht, muss der Focus ab September auf der Straße zeigen (Basispreis: 18.700 Euro). Bislang allerdings hat das gut geklappt: Rund 16 Millionen Einheiten hat Ford seit dem Start vor 20 Jahren weltweit verkauft. Andere Weltautos wie der Vorgänger des aktuellen Nissan Micra oder der Toyota Corolla konnten zumindest das anspruchsvolle europäische Publikum nicht immer überzeugen. Und selbst Ford gelingt das nicht mit Selbstverständlichkeit: Der vornehmlich in den USA entwickelte aktuelle Mondeo etwa fällt vielen Kunden zu amerikanisch aus. Dem Focus könnte dieses Urteil erspart bleiben. Auch, weil er anders als sein großer Bruder unter deutscher und europäischer Federführung entwickelt wurde. Und das sieht man.

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