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Stadtwerke Neumünster Bis 2030 nur noch elektrisch

VW e-UP 2021 Foto: Stadtwerke Neumünster

Die Stadtwerke Neumünster (SWN) drücken aufs Elektro-Gas: Geschäftsführer Michael Böddeker stellt den Fuhrpark um, die Mitarbeiter können E-Autos privat über ihren Arbeitgeber leasen, und anderen Unternehmen wird beim E-Einstieg tatkräftig geholfen.

Für viele der 750 Mitarbeiter war es wie ein Sechser im Lotto, als ihnen die Stadtwerke Neumünster (SWN) im vergangenen Jahr ein äußerst attraktives Angebot machten: Sie konnten für den Privatgebrauch einen oder mehrere VW e-Up im Komplett­paket mit Versicherung und Wartungsvertrag für rund 70 Euro monatlich leasen, kostenfreies Laden an einer der 140 SWN-Ladepunkte inklusive. Einzige Voraussetzungen: Mindestalter 18 Jahre, Führerschein, Festanstellung bei SWN. Die Kosten werden direkt über die Lohnabrechnung abgezogen. "Neue Technologien und nachhaltige Mobilität müssen einfach und zu fairen Preisen zugänglich gemacht werden", gab Geschäftsführer Michael Böddeker als Fahrtrichtung vor.

"Da waren viele Kollegen erst mal skeptisch, aber dann gingen täglich bis zu 20 Buchungen ein«, erinnert sich Vertriebsleiter Christian Hauschild an die zeitlich begrenzte Aktion, die SWN aufgrund von damals aktuellen günstigen Konditionen von VW Leasing ins Leben gerufen hatte. In einer zweiten Welle nahm das Unternehmen günstige Konditionen von Opel mit und reichte sie an die Mitarbeiter weiter.

Michael Böddeker 2021 Foto: Stadtwerke Neumünster
Michael Böddeker Geschäftsführer der Stadtwerke Neumünster Die 1899 gegründeten Stadtwerke Neumünster Beteiligungen (SWN) sind ein kommunaler Konzern für Energie, Telekommunikation, Wasser, Mobilität und Freizeit mit 750 Mitarbeitern. Beim Fuhrpark haben sie sich der Nachhaltigkeit und Innovationen verschrieben. Derzeit umfasst er 57 Pkw und 46 Lkw, die meisten angeschafft im Rahmen einer Multi-Supplier-Leasingstrategie.

Mittlerweile fahren 200 Mitarbeiter und damit rund ein Viertel der Belegschaft elektrisch. Leasingnehmer bleiben die SWN, die Fahrzeuge werden über eine Mitarbeiterüberlassung zur Verfügung gestellt. Sobald Hauschild neue Angebote sichtet, soll die Aktion weitergehen. Immerhin würden laut einer Mitarbeiterbefragung 150 weitere Kollegen zuschlagen.

Parallel haben die SWN die Ladeinfrastruktur ausgebaut. In nur einem halben Jahr kamen zu den älteren 13 öffentlichen Ladesäulen im Stadtgebiet an vier Standorten 140 22-kW-Ladepunkte. Ohne Förderung, sondern finanziert über den Umweltbonus des Bundes. Dort laden alle Mitarbeiter kostenfrei. Doch das Unternehmen denkt darüber nach, die Säulen ab 18 Uhr der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Die allerdings soll den Strom bezahlen. "Je nach Bedarf könnten wir die Infrastruktur in zwei Monaten verdoppeln", denkt Hauschild voraus.

Verbrenner werden nicht mehr angeschafft

Auch im eigenen Fuhrpark wird die elektrische Revolution forciert. "Seit 2019 schaffen wir möglichst keine neuen Verbrenner mehr an", berichtet Fuhrparkchef Michael Rieper. 103 Fahrzeuge umfasst die Flotte inklusive Pkw, Lkw und Sonderfahrzeugen, ein Drittel davon Poolfahrzeuge. 17 Prozent fahren elektrisch, bei den Pkw liegt der Anteil bei 31 Prozent, Tendenz steigend. "Auch ohne entsprechende Car-Policy wählen 50 Prozent der Führungskräfte Elektromodelle", sagt Rieper. Das Ziel: Bis Ende 2023 soll die Quote der E-Pkw bei stolzen 93 Prozent liegen.

Der Glaube an die neue Technik ist groß. "Durch das ständig wachsende Modellangebot, die För­derungen und die Kosten-Nutzen-Analyse lässt sich die Elektromobilität nicht mehr aufhalten", ist sich ­Hauschild sicher. In wenigen Jahren seien Probleme beim mobilen Stromzapfen dank geplanter Schnellladeparks und immer mehr privater und betrieblicher Lademöglichkeiten passé. "Elektromobilität ist ein wichtiges Geschäftsfeld der Zukunft."

Davon überzeugt und vom innerbetrieblichen Erfolg bestärkt, wollten Hauschild und sein Team das Konzept des E-Leasings auch am Markt etablieren. Unter dem Namen Nonoxx entwickelten sie dafür vor einem Jahr ein Online-Leasingportal für jedermann und damit ein neues Geschäftsfeld für die SWN. Auf der Plattform fungieren die Stadtwerke als Vermittler zwischen Automobilherstellern und ­bundesweiten Endkunden, die attraktive Leasingverträge abschließen. Im Gegensatz zum Mitarbeiterleasing sind die Kunden dann selbst ­Leasingnehmer.

Die Bedingung: Kunden beziehen Ökostrom über die SWN, optional auch Wallboxen. 200 E-Autos wurden über Nonoxx bisher vermittelt, und auch die Ladetechnik kommt gut an, vor allem wegen der aktuellen Förderprogramme. "Wir bestellen ständig nach. Im März und April haben wir 200.000 Euro mit den Wallboxen über Nonoxx umgesetzt", resümiert Hauschild. Dienstwagenfahrer erhalten bei Bedarf auch Wallboxen, die kWh-genau abrechnen, sodass es keine Diskussionen um den geldwerten Vorteil gibt.

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Aber auch das reichte den Neumünsteranern noch nicht. Vielmehr wollen sie Unternehmen und Kommunen bei ihrem E-Engagement unterstützen. "Die meisten E-Autos werden zu Hause oder im Betrieb geladen", sagt Hauschild. "Wir sehen daher großes Potenzial in der Etablierung von betrieblichen E-Konzepten." Das Unternehmen plant die Ladeinfrastruktur und bietet auf Wunsch ein Rundumpaket fürs Mitarbeiterleasing samt Beratung, Landingpage und Vertragsmuster. Auch eine professionelle Förderberatung gehört zum Service, denn den Beratungsaufwand für die Mitarbeiter dürfe man nicht unterschätzen.

"Unternehmen steigen häufig mit ein, zwei Ladesäulen für die Geschäftsführung in die Elektromobilität ein", berichtet der Vertriebsleiter. "Das ist ein guter Anfang, aber wir beraten, wie der Hochlauf aussehen kann." Bauen die SWN die Infrastruktur für eine Kommune oder ein Unternehmen, bieten sie auch deren Betrieb und Abrechnung an, egal, ob als Dienstwagenabrechnung oder mit kostenlosem Laden für Mitarbeiter.

Hauschild selbst fährt schon lange elektrisch. Rieper schlug bei der zweiten Welle des Mitarbeiterleasings zu und wird demnächst einen Opel Mokka-e zu Hause stehen haben. In Schleswig-Holstein liegt die Zulassungsquote für vollelektrische Fahrzeuge schon jetzt bei 15 Prozent. "Ich gehe davon aus, dass 2030 bei den bundesweiten Neuzulassungen 90 Prozent Elektrofahrzeuge ausmachen", glaubt Hauschild. Und Rieper prognostiziert für den SWN-Fuhrpark: "2030 werden wir bis auf ein paar Sonderfahrzeuge wohl zu 98 Prozent elektrisch fahren."

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