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Foto: Carglass

Steinschlag in der Windschutzscheibe

Reparieren oder austauschen?

Ein Steinschlag in der Windschutzscheibe lässt sich leicht wieder reparieren. Wann sich eine Instandsetzung lohnt, wie sie funktioniert und wann ein Austausch Pflicht ist.

Wer kennt das nicht: Vom vorausfahrenden Fahrzeug wird ein Steinchen hochgeschleudert und schießt genau in die Windschutzscheibe des Dienstwagens. Ein kleiner Treffer, der große Folgen haben kann. Denn wird der Glasbruch nicht gleich repariert, kann sich die beschädigte Stelle immer weiter ausdehnen und im schlimmsten Fall sogar reißen. Ein Austausch der Windschutzscheibe ist unumgänglich. Und der kann teuer werden.
Für ein gängiges Firmenfahrzeug wie den VW Passat kostet eine einfache getönte Windschutzscheibe 341 Euro, in der Top-Ausführung inklusive

Windschutzscheibenheizung und Wärmedämmung sind dafür 574 Euro fällig. Darin ist der rund 400 Euro teure Arbeitslohn noch nicht enthalten, da sich die Kosten für den dreistündigen Scheibentausch  regional von Händler zu Händler stark unterscheiden. 1.000 Euro können also schnell zusammenkommen. Ist das Fahrzeug mit einer Selbstbeteiligung versichert, muss ein Eigenanteil zwischen 150 und 500 Euro hinzu gezahlt werden. Besteht dagegen nur eine Haftpflicht, bleibt der Fahrzeughalter auf den Gesamtkosten sitzen.

Der komplette Austausch der Scheibe ist jedoch in den seltensten Fällen nötig, da die meisten Schäden kleine sternförmige Krater oder marginale Risse sind und ohne größeren Aufwand instand gesetzt werden können. In der Regel übernimmt die Teilkasko die Kosten der Reparatur. Für Fuhrparks, die ihre Fahrzeuge nur mit einer Haftpflicht absichern, bieten Glasspezialisten wie etwa der Branchenriese Carglass Sonderverträge an, die den Schadenfall regulieren

Teilkasko übernimmt die Kosten

Die Steinschlagreparatur wird nach einem patentierten Verfahren mit durchsichtigen Harz durchgeführt. Oftmals bieten die Glasspezialisten neben ihren Servicebetrieben auch einen mobilen Dienst an, der die Reparatur vor Ort übernimmt. Die Vorgehensweise ist hierbei immer gleich: Ein mit einem Saugnapf versehener Spiegel wird auf der Innenseite der Windschutzscheibe befestigt, damit der Monteur während des gesamten Reparaturvorgangs einen Blick in das Schadenfeld hat. Als Erstes wird die Steinschlagstelle mit einem Spezialwerkzeug geweitet und anschließend mit einer Bürste gründlich gereinigt.

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Der Primer dient als Grundierung und ist gleichzeitig Haftmittel für das anschließende Harz.

Im nächsten Schritt kommt ein Haftgrund (Primer) auf die beschädigte Stelle.

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Ist die Reparaturglocke auf der Scheibe fixiert, fließt das Harz mit Überdruck in die beschädigte Stelle ein.

Dann setzt der Monteur eine Reparaturglocke über den Steinschlag. Darin befindet sich eine Kapsel, die eine exakt dosierte Menge Harz enthält. Ein Schlauchanschluss erzeugt ein Vakuum, damit die Reparaturglocke während des Vorgangs nicht verrutscht.

Manchmal ist ein Tausch unumgänglich

jetzt beginnt der eigentliche Reparaturvorgang. Der Kolben der Glocke wird gedreht und das durchsichtige Harz fließt in den Steinschlag hinein. Gleichzeitig wird ein Überdruck von 4 bar erzeugt, damit das Harz auch kleinste Risse ausfüllt. Anschließend nimmt der Monteur die Glocke wieder ab und härtet die Reparaturstelle unter UV-Licht aus. Nach dem Härtevorgang entfernt der Monteur überschüssige Harzreste an der reparierten Stelle mit einer scharfen Klinge. Abschließend wird die Oberfläche noch mit einer Politur glatt geschliffen. Fertig. In der Regel lohnt es sich, darauf zu warten, bis die Reparatur fertig ist, sie dauert nicht länger als 30 Minuten. Zudem gewähren Betriebe wie Carglass eine 30-jährige Garantie auf die Dichtheit und Haltbarkeit der Reparatur.

Kleine Risse oder Krater lassen sich auf diese Weise einfach und schnell beseitigen. Manchmal ist ein Austausch der Windschutzscheibe aber unvermeidbar, da die Reparaturmethode Grenzen hat. Bei größeren Glasschäden etwa. Darüber hinaus darf ein Steinschlag oder Riss im direkten Sichtfeld des Fahrers nicht ausgebessert werden. Eine Aufarbeitung mit durchsichtigem Harz ist nachher zwar kaum noch sichtbar, doch hinterlässt sie trotzdem kleinste, lichtbrechende Spuren. Die könnten den Blick des Fahrers, insbesondere bei Sonneneinstrahlung, Regen oder in der Nacht, beeinflussen.
Moderne Fahrzeuge sind zudem mit etlichen Fahrerassistenzsystemen wie City-Notbremse, Spurhalter oder Verkehrszeichenerkennung bestückt. Sie arbeiten mit Videokameras und anderen Sensoren, die oberhalb der Windschutzscheibe verbaut sind. Wird dieser Bereich von einem Steinschlag beschädigt, ist eine vollständige Funktion der elektronischen Helfer nicht mehr gewährleistet. Die Folge: Die Systeme arbeiten nicht mehr hundertprozentig und der Scheibenaustausch wird noch teurer, weil die Neukalibrierung der Fahrerassistenzsysteme zeitaufwendig und arbeitsintensiv ist.

Wer die Kosten trägt

Wer lediglich eine Haftpflichtversicherung hat, der bleibt auf den Kosten für die Reparatur oder den Austausch der Scheibe sitzen. Bei einer Teil- oder Vollkaskoversicherung mit oder ohne Selbstbeteiligung besteht grundsätzlich Anspruch auf eine neue Scheibe, sprich den teuren Austausch. Dann wird aber in jedem Fall ein vereinbarter Selbstbehalt fällig. Man wird in der Versicherung aber nicht höher gestuft. Kann die Scheibe noch repariert werden, übernehmen die Versicherungen meist die vollen Reparaturkosten, weil die Ersparnis zum teureren Scheibentausch recht groß ist.

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Zum Schluss wird die reparierte Stelle unter UV-Licht ausgehärtet, überschüssige Harzreste mit einer scharfen Klinge entfernt und die Oberfläche glatt poliert.

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Datum

3. Januar 2018
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