Test Mazda 6 Kombi, Opel Insigna Sports Tourer

Gepflegter Auftritt

Mazda 6 Kombi 2018 und Opel Insignia Sports Tourer 2017 Foto: Hans-Dieter Seufert 31 Bilder

Drei Facelifts in sechs Jahren erlebte der Mazda 6. Nun kommt er mit kleinen Design-Änderungen, neuen Assistenzsystemen und überarbeitetem Interieur. Reicht das, um es mit dem Opel Insignia Sports Tourer aufzunehmen?

Mitunter sind ja in Zulassungsstatistiken erstaunliche Details zu entdecken. Etwa jenes, dass bis Juli dieses Jahres rund fünfmal so viele Opel Insignia wie Mazda 6 in Deutschland verkauft wurden, nämlich genau 16.282 gegenüber 3.050. Damit liegen diese Modelle auf Platz 16 und 152 der Verkaufshitliste.

Womit man bei Opel recht zufrieden sein kann. Bei Mazda möglicherweise weniger, obwohl der 6 mit ­diesem Ergebnis immerhin der meistverkaufte Mittelklassewagen aus Japan ist. Er kommt jedenfalls frisch von der Modellpflege zum Vergleichstest, der dritten seit dem Debüt 2012.

Erkennbar ist das unter anderem am neuen Grill oder den nun strenger blickenden LED-Augen. Möglicherweise wichtiger ist der auf 184 PS erstarkte 2,2-Liter-Skyactiv-Diesel. Entsprechend tritt der Opel mit 170 PS starkem Zweiliter-Diesel an. Den Insignia gäbe es zudem mit dem 210 PS starken Biturbodiesel, doch der ist nur mit Allradantrieb verfügbar.

Der Mazda ist sparsamer

170 gegen 184 PS also, jeweils mit Schaltgetriebe. Immerhin gibt es diese Option bei beiden noch, viele Konkurrenten in dieser Klasse bieten die Top-Motoren nur noch mit automatisch schaltenden Getrieben an. Die gibt es bei Mazda 6 und Insignia ebenfalls; 1.764 Euro Aufpreis kostet das bei Opel, 1.596 Euro bei Mazda.

Da wir nun schon von Aufpreisen reden: Der Mazda mit der Sports-Line-Ausstattung ist das teurere Auto, obwohl der Opel über den ebenfalls recht üppigen Business-Innovation-Trimm verfügt. Mindestens 30.466 Euro kostet so ein Insignia Sports Tourer, fast 2.400 Euro weniger als der Mazda 6 Kombi (32.848 Euro).

Mazda 6 Kombi 2018 Foto: Hans-Dieter Seufert
Das Triebwerk wurde überarbeitet.

Der Testwagen kommt sogar mit dem Sports-Line-Plus-Paket für zusätzliche 2.899 Euro. Es bietet neben dem hübschen braunen Nappaleder und dem Holz­dekor im Interieur sowie dem schwarzen Dachhimmel wenig Habhaftes, ist also durchaus verzichtbar. Denn die wesentlichen Ausstattungsfeatures bringt der Sports-Line bereits von Haus aus mit: 19-Zoll-Räder, schlüssellosen Zugang, Bose-Soundsystem, City-Notbremsassistent und Matrix-LED-Licht, um nur einige zu nennen.

Einige weitere Assistenzsysteme und Zugaben sind bereits in den preiswerteren Versionen ­serienmäßig dabei, etwa Head-up-Display, Navigationssystem, Abstandsregeltempomat oder Spurhalte- und Spurwechselassistent. Da fällt einem gar nicht mehr so viel ein, um den Kombi mit aufpreispflichtigen Extras zu pimpen; vielleicht mit der Lackierung in Magmarot für 756 Euro wie beim Test­wagen auf diesen Seiten.

Mehr Laufkultur im Opel

So viel schlechter steht jedoch der Insignia Sports Tourer als Business Innovation gar nicht da. Abstandsregeltempomat und ­Matrix-LED-Scheinwerfer bringt er ebenfalls mit, dazu Lederausstattung, Navi, Head-up-Display sowie die elektrisch aktivierte Heckklappe, die bei Mazda nicht verfügbar ist.

Sparfüchse werden womöglich dem etwas teureren Mazda den Vorzug geben. Nicht etwa wegen der umfangreicheren Ausstattung, sondern weil er im Schnitt rund 0,7 Liter weniger Dieseltreibstoff je 100 Kilometer verbraucht. Das macht freilich bei einer Jahresfahrleistung von 10.000 Kilometern und dem heutigen Preisniveau kaum mehr als 100 Euro aus. Immerhin kommt der Skyactiv-Diesel im Mazda auch um 9 PS erstarkt von der Modellpflege. Dazu wurde das Triebwerk überarbeitet. So erhielt die größere der beiden Abgasturbinen variable Schaufeln und die Einspritzanlage neue Mehrlochinjektoren.

Zu merken ist das beim Fahren kaum; wer das Vorgängermodell kennt, wird vom neuen Mazda 6 mit dem großen Diesel kaum überrascht. Das Leistungsplus zum Insignia macht sich allerdings in etwas flotteren Fahrleistungen bemerkbar: Der Mazda ist beim Beschleunigen auf 100 km/h und Durchzug von 80 bis 120 jeweils eine gute halbe Sekunde fixer. Den drehfreudigeren und geschmeidigeren Eindruck hinterlässt allerdings das Opel-Triebwerk, es scheint leiser und ruhiger zu laufen. Ein Tipp noch zum Antrieb: Die aufpreispflichtigen Automatikgetriebe empfehlen sich bei beiden Kombis. Im Opel mit Schaltgetriebe stört der dicke und zu weit hinten platzierte Schaltknüppel, beim Mazda sind es die recht hohen Betätigungskräfte und das knochige Schaltgefühl. Zudem wirken die Schaltgetriebe in so teuren und kräftigen Diesel­kombis mit allerlei Assistenzsystemen etwas aus der Zeit gefallen. Überarbeitet wurde beim Facelift ebenso das Fahrwerk des Mazda – jedoch so vorsichtig, dass sich die Unterschiede zum Vorgänger kaum offenbaren.

Agiler Insignia

Handlicher und fahraktiver wirkt der Insignia Sports Tourer, obwohl er einen annähernd acht Zentimeter längeren Radstand besitzt und 18 Zentimeter länger ist. Der Opel biegt williger ein, und seine Lenkung ist ebenso präziser wie rückmeldungs­freudiger. Deutlich bessere Zeiten beim Standardslalom und beim doppelten Spurwechsel unterstreichen den subjektiven Eindruck.

Opel Insignia Sports Tourer 2017 Foto: Hans-Dieter Seufert
Beim Fahrkomfort hat der Opel leicht die Nase vorn.

Beim Fahrkomfort liegt der Opel ebenfalls leicht vorn, da sind die Unterschiede jedoch nicht so auffällig. Und er profitiert in dieser Disziplin von seinen guten Sitzen. Die sind auch in der zweiten Reihe besser als jene im Mazda. Als Familienkombi ist der Sports Tourer also etwas talentierter, obwohl er überraschenderweise kaum mehr Platz bietet als der deutlich kleinere Mazda.

Die Laderäume der beiden sind praktisch gleich groß, nur die etwas opulentere Beinfreiheit in der zweiten Reihe spricht hier für den Sports Tourer. Besser und einfacher bedienbar ist dagegen der Mazda 6: Mit Drehsteller in der Mitte und Touchscreen lassen sich die meisten Funktionen rascher und sicherer aufrufen als beim Insignia.

Allerdings gibt es auch im Falle des Mazda Ungereimtheiten. So lassen sich die Parkpiepser per Knopfdruck deaktivieren, sie bleiben dann jedoch ausgeschaltet – auch nach einem Neustart. Und die Auto-Hold-Funktion der Parkbremse stellt, obwohl eingeschaltet, immer mal wieder den Dienst ein. Zum Teil sorgen die Assistenzsysteme für Verdruss, etwa der aktive Spurassistent, dessen Lenkeingriffe recht spät und harsch erfolgen. Oder das Head-up-Display, dessen Projektionsfenster sich vor allem bei Nachtfahrten sehr hell in der Windschutzscheibe spiegelt.

Das alles funktioniert im Opel reibungsloser, bei ihm stören dafür die zum Teil wirre Menüführung und die Unübersichtlichkeit der ausladenden Karosserie. Dennoch liegt er am Ende dieses Vergleichs klar vorn. Die Chancen stehen also gut, dass er auch am Ende des Jahres in der Verkaufshitliste ein paar Plätze vor dem Mazda landet.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
FA Titel 01 2019
01/2019 14. Dezember 2018 Inhalt zeigen
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