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Toyota bei Olympia 2020

Mobilität in Tokio

Toyota Concept Foto: Toyota 9 Bilder

Bei den olympischen Spielen in Tokio 2020 ist Toyota Hauptsponsor. Gelegenheit um zahlreiche Mobilitätskonzepte zu zeigen.

Am Flughafen begrüßt der Lorbeerkranz die Besucher schon beim Aussteigen aus dem Flieger. Jedes Tokio-Taxi trägt das Banner. Und an den Doppeltürmen des Rathaus-Wolkenkratzers kleben gleich vier der weißen Symbole auf schwarzem Grund. Die Olympischen Spiele scheinen schon morgen bevorzustehen - dabei sind es noch fast zwei Jahre, bis das Feuer im Stadion entfacht wird.

Bei Toyota brennt es auch schon ziemlich kräftig: "Wir arbeiten mit Hochdruck an der Optimierung unserer elektrischen Antriebe", sagt Akihiro Yanaka. Der Druck auf den Chefingenieur dürfte von ganz oben kommen. Schließlich hat Firmenchef Akio Toyoda vor drei Jahren einen viele Millionen Euro schweren Vertrag als Hauptsponsor mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) geschlossen. Bei drei Sommer- und Winterspielen von Olympia und Paralympics werden die Japaner sich als Hauptsponsor präsentieren dürfen. Der wichtigste Schauplatz ist dabei natürlich die Hauptstadt des Heimatlandes – in zwei Jahren.

Yanakas Mannschaft arbeitet darum noch etwas länger als in Japan ohnehin schon üblich; also eigentlich immer. Denn so früh der VW-Rivale um die Weltmarktführung bei den Hybridantrieben präsent war, so zögerlich zeigte er sich lange bei rein batteriegetriebenen Autos. Toyota stand sogar lange an der Spitze der Batterie-Ignoranten.

Jetzt soll die Marke nach Toyodas Willen von der Zuschauertribüne gleich zum Olympiasieg stürmen. Zehn batteriegetriebene Fahrzeuge werden in den nächsten Jahren auf den Markt kommen. An der grundsätzlichen Überzeugung hat sich aber eigentlich gar nicht so viel geändert, wie die Techniker betonen: Für Kurz- bis maximal mittlere Reichweiten seien die schweren Energieträger für Toyota akzeptabel; darüber sind auch zu den Olympischen Spielen keine solchen Autos des Herstellers auf Tokios Straßen zu erwarten.

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Dafür eine ganze Mannschaft von Brennstoffzellen-Modellen.
Mehr als 100.000 Athleten, Betreuer und Funktionäre wollen schließlich einen Monat lang kreuz und quer durch die Region mit ihren 37 Millionen Einwohnern bewegt werden - eine Dauer-Werbesendung unter den Augen der Welt. Und sicher auch vieler neidischer Tokioter. Für die dürften die chronisch verstopften Highways der Metropolregion von der 10-fachen Größe Berlins nämlich noch ein wenig enger werden, wenn die IOC-Granden auf ihren Sonderfahrspuren über die dauergrüne Welle surfen. Dafür hat die Firma sogar die Logistik aus ihrem Produktionssystem auf Tokios Straßen angewandt, um freie Fahrt für freie IOC-Granden zu garantieren. Die 15 Millionen Besucher sollen natürlich gut vorankommen.

Mit fünf Fahrzeugtypen wollen die Japaner sich bei Tokio 2020 profilieren - die wichtigsten sind dabei per Batterie unterwegs. Zum einen soll der vollverkleidete zweisitzige i-Road Tausende Helfer ultramobil machen. Das Kleinstfahrzeug kann sich wie ein Motorrad in die Kurve legen, ist bis zu 60 km/h schnell und mit dem weiten Einschlagwinkel seines Hinterrades extrem wendig. Vorn sitzen zwei Räder, nah beieinander und mit Elektro-Radnabenmotoren angetrieben. Die 60 Kilometer Reichweite sollten die Helfer über den Tag bringen - und der Welt die neue Fahrzeugklasse vielleicht doch noch schmackhaft machen. Modellversuche in Tokio und Grenoble haben nämlich noch nicht zur Entscheidung für die Massenfertigung geführt. Finanzielle Wagnisse gehen Japaner schließlich ungern ein. Vielleicht kann Olympia massenhaft Kundeninteresse generieren? "Wir zielen mit dem Konzept auch auf Städte ab, die ihre City weitgehend autofrei machen wollen", beschreibt Yanaka die Strategie. Für die letzte Meile sollen dann i-Road oder der E-Roller i-Walk zur Verfügung stehen. Bei Olympia bekommen sie ihre große Showtime.

Toyota Century
Toyotas Antwort auf Maybach und Co.

Beim zweiten Konzept stehen die Chancen schon besser, dass es zügiger auch Deutschlands Straßen erreichen wird: Die weit über 10.000 Athleten werden 2020 auf einer eigenen Insel in der Bucht von Tokio ihre olympische Kleinstadt bekommen - und auf der sollen vollautonome Elektrobusse für Mobilität sorgen. Die rollenden Glaskästen mit ihren jeweils ein Dutzend Stehplätzen ist etwas unsportlich e-Palette getauft. Die Bezeichnung trifft allerdings den Kern der Sache: Die Plattform auf Rädern kann die verschiedensten Aufbauten in drei Größen tragen. Nach Olympia werden die mobilen Paletten dann auch für Paketdienste, mobile Restaurants oder Krankhaus-Transporte eingesetzt werden. In der alternden Gesellschaft Japans und vieler anderer Industrieländer auch aus einem ganz banalen Grund wichtig. "Es gehen uns ja tendenziell die Busfahrer aus", sagt Ingenieur Yanaka.

Toyota Concept Foto: Toyota
Hybrid-Taxis sind in Tokio schon heute unterwegs.

Für die Wasserstoff-Fahrzeuge bei Olympia sind diese aber noch gefordert. Mit dem weltgrößten Einsatz der Technik wollen die Japaner belegen, dass sie die Nase vorn haben. Dazu hat der Staat mit Milliardenaufwand ein Tankstellennetz aufgebaut, damit den Bussen und Mirai-Pkw auf der Fahrt zu entfernteren Wettbewerbsorten nicht der Öko-Sprit ausgeht. Schon jetzt gehören die Wasserstofftankstellen in Tokio zum Stadtbild. Seit wenigen Jahren ist zudem eine dreistellige städtische Busflotte mit Brennstoffzellenantrieb im Dauereinsatz. Erste Exemplare des "Sora" sind auch schon nach Europa geliefert, wo Toyota bisher nicht als Busanbieter aktiv war. Die Japaner setzen auch deshalb auf diese Technik, weil sie den Wasserstoff als Energiespeicher für Sonne und Wind nutzen wollen. Zudem sind die Busse in dem erdbebengepĺagten Land auch als rollende Notstromaggregate für Schulen, Krankenhäuser oder Feuerwehr unterwegs - so wie das bei Pkw im privaten Heim gedacht ist. "Wir denken da konsequent", sagt Yanaka nüchtern. Und während er das sagt, zittert wie zur Bekräftigung doch tatsächlich der Boden.

Ein bisschen Spaß darf aber bei aller Effizienz und Notfallversorgung im Mobilitäts-Olympia doch nicht fehlen: Die ein oder anderen VIPs dürfen in Tokio wohl auch mal im Concept-I durch die Straßen von Shinjoku oder Ginza gleiten. Die futuristische Elektro-Limousine soll sozusagen der Tesla von Toyota werden und vollautonom fünf Passagiere über exakt vermessene Straßen zu den Spielstätten surren lassen. In der Windschutzscheibe kann dabei dreidimensional eine Stadtführung virtuell in die Umgebung projiziert werden. Und mit Sensoren erfasst das 4,50 Meter lange Auto sogar das Stresslevel seiner Passagiere - wer knapp an der Medaille vorbeischrammt, könnte danach mit einem frischen Duft, fröhlicher Beleuchtung und antreibender Musik wieder für den nächsten Wettkampf munter gemacht werden.

Die Fahrleistungen des Concept-I werden wie Beschleunigung oder Kurvendynamik dank kräftiger Elektromotoren bis in zwei Jahren wohl ebenfalls für einen Podestplatz gut sein. Noch ist der Motor aber im Geheimtraining - wie eine Vielzahl von Komponenten für die Mobilitäts-Angebote der Japaner. Akihiro Yanaka und seine Kollegen werden darum wohl noch viele Nächte durcharbeiten müssen.

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