Übermüdung am Steuer

So beugen Sie vor

drink and drive (cars on highway) Foto: ©sp4764 - stock.adobe.com

Schläfrigkeit ist eine vermeidbare Gefahr im Straßenverkehr. Fuhrparkleiter können Übermüdung bei Dienstwagenfahrern aber präventiv entgegenwirken.

Während der Morgendämmerung eines ­Sommertags 2017 kommt in Pleidelsheim bei ­Ludwigsburg ein Fahrzeug von der Straße ab. Das Auto überschlägt sich und landet in einem Regenbecken. Der Beifahrer ertrinkt, der Fahrer kann sich an nichts mehr erinnern. Ein Dekra-Gutachter stellt fest, dass es auf dem Grasstreifen weder Brems- noch Lenkspuren gibt. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist der Fahrer eingeschlafen. Er wird vom Amtsgericht Ludwigsburg wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung durch Übermüdung verurteilt.

Kein Einzelfall. 1.940 Übermüdungsunfälle zählte das Statistische Bundesamt 2017. Und die Zahl steigt. Zudem gibt es eine enorme Dunkelziffer. Oft wird Übermüdung als Unfallursache nicht erkannt. Vor allem auf der Autobahn, bei monotoner Fahrt, steigt das Risiko. Bei Tempo 130 reicht schon eine Sekunde Unaufmerksamkeit für 36 Meter Blindflug. "Viele Fahrer unterschätzen die Gefahr der Übermüdung", warnt Schlafforscher Roland Popp vom Bezirksklinikum Regensburg. Laut einer Studie des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums ist fast jeder fünfte Unfall auf Übermüdung zurückzuführen. Nachts seien sogar an 42 Prozent der Unfälle übermüdete Autofahrer beteiligt.

Genauso wie Alkohol schränkt Müdigkeit die Fahrtauglichkeit stark ein. Autofahrer können sich schlechter konzentrieren, reagieren langsamer und überschätzen sich selbst. Vermeintliche Tricks wie frischen Fahrtwind durchs offene Fenster wehen lassen, laut Radio hören oder viel Tee und Kaffee trinken wirken nur für einen kurzen Augenblick, können starke Schläfrigkeit und vor allem den Sekundenschlaf aber nicht effektiv bekämpfen.

Assistenzsysteme So funktioniert der Müdigkeitswarner

Für Müdigkeit am Steuer gibt es ganz unterschiedliche Ursachen. Eine schlaflose Nacht etwa. Lange, monotone Autofahrten und Nachtfahrten erhöhen ebenfalls das Einschlafrisiko. Auch Krankheiten können schläfrig machen. Und wenn es nicht die Krankheit selbst ist, die müde macht, dann sind es eventuell die Medikamente, die der Patient einnehmen muss.

"Müdigkeit am Steuer lässt sich durch langfristige Planungen verhindern. Gerade auf längere Fahrten sollte man sich nur ausgeruht begeben und genügend Zeit für regelmäßige Regenerationspausen einplanen", rät Dr. Walter Eichendorf, Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrats. Hier steht auch der Fuhrparkleiter in der Verantwortung. Er trägt für das Fahrpersonal die Verantwortung für die Einhaltung der Arbeits-, Lenk-, Schicht- und Ruhezeiten sowie für eine entsprechende Dokumentation – wenn die Geschäftsführung die Personalverantwortung an ihn delegiert hat. Zudem muss er nach den gesetzlichen Unfallverhütungsvorschriften (UVV) seine Mitarbeiter im Umgang mit Dienstfahrzeugen unterweisen. Dazu gehört auch sicheres Verhalten. Die Unterweisung muss mindestens einmal pro Jahr erfolgen. Bei Unfällen kann der Flottenmanager sonst in Haftung genommen werden.

Fahrer sitzen oft länger als erlaubt hinterm Steuer

Verstöße des Fuhrparkverantwortlichen gegen die Vorschriften des Arbeitszeitgesetzes können mit einem Bußgeld von bis zu 15.000 Euro geahndet werden. Wird die Gesundheit eines Arbeitnehmers gefährdet, droht sogar eine Freiheitsstrafe. Der Arbeitgeber muss stichprobenhaft überprüfen, ob der Fuhrparkchef seinen Pflichten aus dem Arbeitszeitgesetz nachkommt.

Von der Zulassung bis zur Fahrzeugrückgabe Unfallverhütungs-Vorschriften UVV Dienstwagen richtig übergeben

Strenge Lenk- und Ruhezeiten und ihre Dokumentation sind in Deutschland nur für Fahrer vorgeschrieben, die Güter in einem Fahrzeug mit über 2,8 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht oder mehr als neun Personen befördern. Trotzdem dürfen auch Dienstwagenfahrer nicht stundenlang am Steuer sitzen. Für Mitarbeiter, die regelmäßig mit dem Dienstfahrzeug unterwegs sind, gilt die Fahrzeit ebenfalls als Arbeitszeit.

Grundsätzlich muss der Dienstwagenfahrer spätestens nach sechs Stunden eine 30-minütige Pause machen. Bei einer Arbeitszeit von über neun Stunden beträgt die Pausenzeit 45 Minuten. "Das beste Mittel gegen Müdigkeit ist tatsächlich ein Schlaf von 20 oder 30 Minuten", so Experte Popp. Wer länger ruhe, riskiere, dass der Kreislauf runtergehe, weil man in ein tieferes Schlafstadium komme.

Auch Fahrerassistenzsysteme können hilfreich sein. Ein intelligenter Müdigkeitswarner schlägt beispielsweise Alarm, wenn Lenkbewegung und Fahrzeugposition stark von den Normalwerten abweichen. Ein Spurhalteassistent hält den Wagen aktiv auf der Fahrbahn. Und ein Notbremsassistent verhindert – oder mildert zumindest – den Aufprall auf den Vordermann. Laut Bosch könnte allein der Spurhalteassistent bis zu 26 Prozent aller Unfälle mit Verletzten und Getöteten verhindern. Unfallforscher des Allianzzentrums für Technik (AZT) sind hingegen skeptisch. Ihrer Einschätzung nach kann kein System den Moment des tatsächlichen Wegnickens vorhersehen. Die beste Prävention lautet daher: Müdigkeit durch ausreichend Schlaf vorbeugen. Dafür gilt es, Firmen und ihre Fuhrparkleiter genauso zu sensibilisieren wie die Fahrer.

Warnzeichen für Übermüdung

• Es fällt schwer, die Spur zu halten.

• Unabsichtliches Überfahren der Randstreifen.

• Die Straße wird gefühlt immer enger.

• Starrer Blick auf die Fahrbahn.

• Fehlende Erinnerung an die letzten Kilometer.

• Unabsichtliches Beschleunigen und Bremsen.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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