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Vergleich Audi E-tron und Mercedes EQC

Was die Elektro-SUV können

Audi E-tron 2019 und Mercedes EQC 2020 Foto: Audi, Mercedes 11 Bilder

Bisher fehlten deutschen Herstellern langstreckentaugliche Elektroautos. Jetzt kommen Audi E-tron und Mercedes EQC. Wir sagen, was Flottenmanager von den neuen Modellen erwarten können.

Seit über sechs Jahren schon gibt es den Tesla Model S. Anfangs von der deutschen Konkurrenz wegen Verarbeitungsmängeln und Fahrkomfort belächelt, kann sich der Markterfolg der Amerikaner mittlerweile sehen lassen. Die deutschen Hersteller haben dem langstreckentauglichen Tesla wenig entgegenzusetzen, beließen es bei einzelnen Modellen wie BMW i3 (2013), Mercedes B-Klasse (2014) oder VW E-Golf (2014). Keiner schaffte mehr als 200 Kilometer. Derweil brachte Tesla nach reichlichen Anlaufschwierigkeiten 2015 den Model X, der den trendigen SUV-Markt um ein Elektroauto mit über 400 Kilometer Reichweite erweiterte.

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Genau in diese Nische wollen jetzt auch die deutschen Premiumhersteller. Audi macht mit dem 4,90 Meter langen E-tron den Anfang. Die Produktion in Brüssel läuft schon, und bald werden die ersten Exemplare bei den Kunden vorfahren – bestückt mit zwei insgesamt 408 PS starken Elektromotoren. Man muss jedoch wissen, dass E-Autos die beeindruckende Maximalleistung nur für ganz kurze Zeit bereitstellen. Doch für brachiale Fahrleistungen sollten auch ein paar PS weniger reichen. Ist es Zufall, dass Mercedes mit dem EQC ein exakt gleich potentes Auto in der Pipeline hat? Anders als der Audi wird der Mercedes jedoch erst im Laufe des nächsten Jahres bei den Händlern ankommen. Bei der Akkukapazität gibt es wieder mehr Ähnlichkeiten. 95 kWh hat der Audi, 80 kWh kann der Mercedes bieten. Der Audi soll so nach WLTP 400 Kilometer weit kommen. Mercedes gibt noch 450 Kilometer an, allerdings gemessen im veralteten und weniger anspruchsvollen NEFZ-Test. Im Alltag sollten hier wie dort um die 350 Kilometer übrig bleiben, wahrscheinlich mit leichten Vorteilen für den Audi.

Der Audi bietet mehr Platz im Inneren.

Beide Modelle bauen auf ihren Verbrennerkollegen auf, und das bringt einige Kompromisse mit sich. Während Tesla Model X und Jaguar I-Pace mit riesigen Innenräumen überzeugen, leiden die beiden deutschen Premiumprodukte unter ihrer klassischen SUVForm. Beide Hersteller verstauen ihre Akkupakete im Unterboden. Audi hat die Plattform aber mehr an die Elektrobedürfnisse angepasst; Mercedes nutzt die bekannte Plattform des GLC. Verbrennungsmotor samt Getriebe stabilisieren bei einem Unfall die Karosserie. Da sie im E-Auto fehlen, müssen massive Stahlkäfige für Stabilität sorgen. Deshalb bringen beide SUV mächtig Kilos auf die Waage. Beide wiegen gut 2,4 Tonnen, woran natürlich auch die Akkus mit 650 (Mercedes) und 700 Kilogramm (Audi) ihren Anteil haben. Nicht nur die Batteriezellen wiegen schwer, beide Hersteller schützen die empfindliche Chemie mit massiven Metallgehäusen. Für die Fahrdynamik ist der dadurch tiefe Schwerpunkt vorteilhaft, und auch beim Zurückgewinnen von Bremsenergie hilft das hohe Gewicht. Innen merkt man dem Audi an, dass er 14 Zentimeter länger ist. Er hat mehr Platz für Passagiere und Gepäck, außerdem ist der Akku besser im Unterboden versteckt. Im Mercedes sorgt das hinten dickere Akkupack speziell im Fond für angewinkelte Beine.

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Die Kofferräume sind hier wie da eben und gut nutzbar, die Bedienung kennt man von herkömmlich angetriebenen Modellen. Auffälligste Neuerung an Bord des Audi sind die digitalen Außenspiegel mit zwei Displays in den Türen. Sie helfen, den Luftwiderstand zu reduzieren. So schafft der Audi Tempo 200, während Mercedes schon bei 180 Sachen den Saft abdreht. Dafür hängt der EQC den Ingolstädter im Sprint auf Landstraßentempo mit 5,1 Sekunden um sechs Zehntel ab. Im Alltag werden beide Modelle mit elektrotypischem spontanen Ansprechverhalten überzeugen können. Apropos Alltag: Die dicken Schiffe dürfen jeweils 1,8 Tonnen schwere Anhänger an den Haken nehmen. An der heimischen Steckdose gehen die Zahlenspiele weiter: Der Audi hat optional zwei Anschlüsse für Wechselstrom und lädt so mit 22 Kilowatt, während der Mercedes maximal 7,4 Kilowatt verträgt.

An einer Schnellladestation mit Gleichstrom reduziert Mercedes zugunsten der Akkuhaltbarkeit auf 110 Kilowatt, während der Audi mit 150 Kilowatt nachlädt. Ein ausgeklügeltes Kühlsystem ermöglicht es laut Audi, die Batterie bis zu 80 Prozent mit der hohen Leistung aufzuladen. Das bringt natürlich nur dann etwas, wenn auch die richtige Ladesäule am Straßenrand steht. Während der Aufbau der Infrastruktur gerade in recht schnellem Tempo vorangeht, machen es sich Audi und vor allem Mercedes auf den ersten Blick mit ihrer Plattformstrategie etwas zu leicht. Abzuwarten bleibt, wie sich die Autos unterwegs schlagen.

Beide Hersteller haben schon bei Plug-in Hybriden gezeigt, dass sie die Antriebssteuerung bei E-Autos beherrschen. Intelligente Rekuperationssysteme und verschiedene Fahrprogramme lassen auf ein gutes Fahrerlebnis hoffen, die üppige Leistung wird ein Übriges tun. Immerhin haben Mercedes und Audi jetzt den Anschluss an Tesla geschafft. Preislich und von den Abmessungen sortieren sich beide knapp unterhalb ein: Den Audi gibt es ab 56.300 Euro netto, während der Mercedes etwas günstiger werden dürfte. Der Audi sollte ursprünglich schon Ende des Jahres die ersten Kunden erreichen, ein Softwareproblem verhindert jetzt aber die Zulassung der ersten Autos. Laut Audi soll die Auslieferung mit einem Monat Verspätung starten. Der Mercedes ist für Mitte 2019 geplant, kommt also rund ein halbes Jahr nach dem Ingolstädter Konkurrenten auf den Markt.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
FA 12 2018 Titel
12/2018 16. November 2018 Inhalt zeigen
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