Alles über Renault Kangoo Z.E. Dauertest
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Dauertest Renault Kangoo Z.E.: Neun Monate und nichts gewesen

War da was? Neun Monate und über 6.000 Kilometer weit hat uns der Renault Kangoo Z.E. nun begleitet. Zeit für eine Zwischenbilanz.

Ist sie frei oder womöglich besetzt? Noch zwei Kilometer bis zur nächsten Ladesäule und der Bordcomputer des Kangoo zeigt eine Reichweite von drei Kilometern an. Elektroauto fahren kann spannend sein. Ist der Saft alle, bleibt man liegen. Dann hilft kein Überbrückungskabel, sondern nur noch das Abschleppseil.

Reichweitenproblem? Niemand blieb mit leerem Akku liegen

Und wie oft sind wir in den vergangenen neun Monaten mit unserem Stromer liegen geblieben? Niemals. Die ganze Hysterie, dass E-Autos zu wenig Reichweite haben, verpuffte einfach. Zum einen kann man sich auf die Anzeige des Kangoo verlassen. Zum anderen hat die EnBW in Stuttgart über 300 öffentliche Ladestationen aufgestellt. Fast an jeder Ecke leuchtet einem eine der blau-silbernen Säulen entgegen.

Das Risiko besteht eher darin, dass sie einfach zugeparkt sind. Doch nicht erst seit dem Urteil von Hamm geht die Polizei in Stuttgart konsequent gegen Falschparker vor. Auch auf diese Weise können E-Autos also ins allgemeine Bewusstsein vordringen.

Mangelnde Reichweite ist jedenfalls nicht das Problem unseres Renault. Er schafft zwar nur zwischen 100 und 115 Kilometer und damit deutlich weniger als beispielsweise ein Renault Zoe oder VW Up, doch für den Alltagsgebrauch im Großraum Stuttgart genügt das völlig. Und weil man sich auf die Verbrauchsanzeige verlassen kann, wird sogar eine Einkaufsfahrt in die 40 Kilometer entfernte Outlet-City Metzingen oder gar ein Wochenendtrip auf die Schwäbische Alb nicht zur Zitterpartie.

Schnellladefunktion fehlt

Zumal das Auto für Handwerker konzipiert ist, die sowieso deutlich kürzere Strecken zurücklegen und das Auto über Nacht an der Wallbox wieder laden können. Soviel Zeit muss man ihm lassen, denn eine Schnellladefunktion fehlt dem Renault, eines der wenigen Mankos. Apropos lange Strecken: Auch auf die Landstraße oder Autobahn kann man sich gut mit dem Kangoo trauen. Dauertempo 120 schafft er spielend, allerdings geht dann der 22 kWh große Akku schneller in die Knie.

Auf unserer Standard-Verbrauchsrunde im Stadtverkehr mit entsprechend viel Stopp and Go verbrauchte der Stromer 18,2 kWh/100 km. Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 30 ct brutto kosten 100 Kilometer also 5,50 Euro. Wobei der Verbrauch auf bis zu 13 kWh sinkt, sobald der Lieferwagen gleichmäßig rollt und nicht an jeder Ampel anhalten muss.

Der tägliche Umgang mit dem Auto gestaltet sich also so problemlos wie mit einem Benziner oder Diesel. Abgesehen von der Tatsache, dass die elektrische Klimatisierung des Stromers langsamer heizt oder kühlt. Bei Regen beschlagen die Scheiben etwas schneller, im Winter sollte man mit warmer Jacke ins Auto steigen und bei heißem Wetter sorgt eben der Fahrtwind durchs offene Fenster für Kühlung. Nur einmal versagte er den Dienst, wollte partout seine Batterie nicht laden. Ein kurzes Update bei der Renault-Niederlassung brachte die gesamte Elektronik auf Vordermann und seitdem klappt alles.
Dass der Kangoo trotzdem zweitweise ungenutzt in der Garage steht, liegt an dem fehlenden Vertrauen der Kollegen in die Technik. Wer noch nie mit einem E-Auto unterwegs war, findet nicht nur das fast lautlose Fahren als ungewohnt. Schaffe ich es bis nach Hause? Gibt es einen Kurzschluss, wenn das Auto im Regen aufgeladen wird und das Kabel nass wird? Solchen Kollegen kann man nicht einfach den Schlüssel in die Hand drücken, man muss sie einweisen und die Angst vor der Technik nehmen.

Ein Auto für Überzeugungstäter

Nein, wer ein E-Auto wie den Renault Transporter in seinen Fuhrpark aufnimmt, tut dies aus Überzeugung. Oder aus dem Druck heraus, dass er nur elektrisch bestimmte Regionen anfahren darf. Doch solange es keine Förderungen gibt, rechnen sich der Stromer nicht. Kurze Vergleichsrechnung: Der Kangoo Rapid mit 75 PS starkem Dieselmotor verbraucht rund 6,5 Liter in der Stadt. Das spart auf 100 Kilometer zwar rund drei Euro an Kraftstoff. Doch der Elektro-Lieferwagen kostet 20.300 Euro netto und damit 6.000 Euro mehr als der Diesel. Dazu kommt die Batteriemiete, die bei 10.000 km/Jahr beispielsweise 73 Euro pro Monat kostet. Da helfen selbst günstigere Wartungskosten sowie billigere Versicherung und Steuer nicht: Wirklich Geld sparen kann man mit einem E-Auto nicht.

Autor

Foto

Jacek Bilski

Datum

13. August 2014
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