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Fahrbericht Mercedes Vito: Kostenbewusst und vielseitig

Der Vito soll aus dem Windschatten des T5 herausfahren. Jahrelang verkaufte VW in der Mittelklasse fünf-, sechsmal so viele Transporter und Kombis wie die Marke mit dem Stern. Jetzt aber wollen die Schwaben angreifen und den neuen Vito sogar erstmals nach Nord- und Lateinamerika exportieren.

Dazu hat Mercedes die Baureihe deutlich erweitert: Zwei Radstände, drei Längen, vier Gewichtsklassen, zusätzlich zum Frontantrieb Versionen mit Heck- und Allradantrieb – Mercedes will die neue Transporter-Familie bewusst breit aufstellen.

Seitenwindassistent serienmäßig

Stand der Vito bisher immer ein wenig im Schatten des Mercedes Sprinter so soll er nun vom größeren Bruder profitieren und bekommt ein Gros der dort verbauten Fahrerhilfen mit auf den Weg. Ein Seitenwind-Assistent etwa ist serienmäßig an Bord, ebenso der Müdigkeitswarner, der den Fahrer mit einer dampfenden Kaffeetasse im Display zu einer Pause animieren soll. Zusätzlich kann der Käufer seinen Vito mit bis zu acht Airbags, Parkautomatik radargestütztem Abstandswarner, Spurhaltehelfer und Totwinkelwarner aufrüsten, sofern es das Budget hergibt. "Bei der Sicherheit machen wir keine Kompromisse", sagt Produktionsleiter Frank Klein.

Damit arbeitet sich der Mercedes auf gutes Pkw-Niveau hoch, was angesichts der breiten Modellpalette nur logisch ist. Schließlich wird der Vito nicht nur als Kastenwagen, sondern auch als Kombi angeboten. Damit er möglichst für alle Anwendungen gewerblicher Käufer passt, wird er gleich in drei Versionen angeboten. Die pflegeleichte und spartanische Base-Ausstattung passt für harte Arbeitseinsätze, beispielsweise auf der Baustelle. Das Gegenstück bildet der Tourer Select. Mit verschiebbaren Einzelsitzen, Teppichboden und Klimaautomatik sieht Mercedes ihn als Hotel-Shuttlebus oder Taxi. Oder als kostengünstige Alternative für alle, die sich die teurere V-Klasse nicht leisten wollen.

Fahr- und Federungskomfort auf höchstem Niveau

Selbst wenn der Vito nicht ganz den Abroll- und Federungskomfort der mit einem aufwändigeren Fahrwerk ausgerüsteten V-Klasse erreicht: Wie der Mercedes Schlaglöcher oder Querrillen nimmt, hat für Transporter eine ganz neue Qualität. Nicht nur die polternden Achsen des Vorgängers sind nun passé, das neue Modell federt auch sehr viel weicher. In Verbindung mit den bequemen, vielfach verstellbaren Sitzen beschert das einen hohen Wohlfühleffekt an Bord. Dazu trägt auch die hörbar bessere Geräuschdämmung bei. Mercedes behauptet sogar, der neue Vito sei innen 50 Prozent leiser als der Vorgänger.

Viele sinnvoll in der Fahrerkabine verteilte Staufächer und Ablagen zeugen von den Bemühungen, es dem Fahrer so angenehm wie möglich zu machen. So ist die Trennwand leicht zum Laderaum hin ausgebeult, damit der Fahrer den Sitz weiter nach hinten schieben kann. Für den Tachograph haben die Ingenieure einen DIN-Schacht in der Mittelkonsole vorgesehen, USB- und Aux-Anschlüsse fürs Smartphone sitzen direkt neben der Handy-Ablage. Dass Mercedes einen Kleiderhaken vergessen hat, darf da als Petitesse durchgehen. Nur die umständlich zu bedienende und viel zu spät ansagende Becker-Navigation mit ihrem pixeligen Display passt nicht so recht ins Bild.

Motoren sind auf Euro 6 vorbereitet

Mit dem Modellwechsel bringt Mercedes Motorisierungen, die wesentlich wirtschaftlicher arbeiten sollen als bisher. Die Normverbräuche jedenfalls sind im Schnitt um 20 Prozent gesunken, während Mercedes die Wartungsintervalle von 30.000 auf 40.000 Kilometer verlängert hat. Noch ist Euro 5b+ Standard, doch alle Aggregate sind bereits auf Euro 6 vorbereitet.

Als neuer Einstiegsmotor für die Modelle mit Frontantrieb dient der von Renault gelieferte 1,6-Liter-Diesel mit 88 oder 114 PS. Weniger Hubraum bedeutet weniger Gewicht. Da auch der Vorderradantrieb abgespeckt hat, sinkt das Leergewicht des mittellangen Kastenwagens auf 1.761 Kilo. So kann der Fahrer bis zu 1.289 Kilo laden.

Für den Einsatz im Vito wurde der Motor neu abgestimmt. Er ist kein Dynamiker, aber laufruhig und leise. So passt er für die Kurz- und Mittelstrecke sowie für kostenbewusste Flottenbetreiber. Denn mit dem kleinen Vierzylinder sinkt der Einstiegspreis in die Vito-Welt auf 17.990 Euro. Allerdings gibt es dafür nur das zeitlich unbegrenzte und etwas abgespeckte Sondermodell Worker. Er ist erste Wahl für alle, die keine Gimmicks wollen. Denn Assistenzsysteme, Sonderlackierungen und viele andere Extras gibt es nur für den etwas besser ausgestatteten Standard-Transporter, der als 109 CDI bei 23.800 Euro startet. Der Tourer ist ab 25.310 Euro zu bekommen.

Beim 190-PS-Vito ist die Automatik Serie

Weiter im Programm bleibt der bekannte Vierzylinder mit 2,2 Liter Hubraum, der sich für schwere Lasten oder Fahrten mit Hänger empfiehlt. Auch er wird mit einem Sechsganggetriebe geliefert, das aber etwas präziser und leichter schaltet als das des 1,6-Liter-Motors. Noch komfortabler, speziell mit Hänger, fährt sich der Vito mit der unauffällig agierenden Siebengang-Automatik. Für die Version mit 136 oder 163 PS kostet sie 2.100 Euro, während sie beim 190 PS starken Vito 119 Bluetec zum Standardumfang gehört.

Was es nicht gibt Vito? Motoren mit sechs Zylindern. Vier Töpfe müssen künftig genügen. Auch auf Versionen mit Hochdach oder ein reines Fahrgestell werden Kunden vergebens warten. Interessenten verweist Mercedes an den Sprinter.

Daimler viel getan, um seinen Mittelklasse-Transporter breiter aufzustellen und ihn vor allem auch kostenbewussten Fuhrparkbetreibern schmackhaft zu machen. Die technische Basis stimmt. Doch die Konkurrenz schläft nicht. Schon für 2015 hat VW den T6 angekündigt. Erst dann entscheidet sich, wer vorneweg fährt.

Autor

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Daimler

Datum

10. Oktober 2014
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