Fahrbericht Mercedes-Benz V-Klasse

Van mit Pkw-Genen

Mercedes, V-Klasse, Van Foto: Daimler AG 9 Bilder

Aus dem Viano wird die Mercedes V-Klasse. Der Name deutet es schon an: In dem großen Van steckt jetzt viel mehr Pkw-Technik. Etliches davon stammt sogar aus C-, E- und S-Klasse.

Einfach auf die Rückbank fläzen und andere fahren lassen? Das riecht bei einem Auto-Redakteur stark nach Arbeitsverweigerung. Aber nein, wir streiken nicht. Mercedes hat uns den Platz sogar wärmstens empfohlen. Schließlich soll die neue V-Klasse auf dem Gewerbemarkt vorwiegend Shuttle-Unternehmen ansprechen – und da spielt eben hinten die Musik. Also suchen wir uns einen der vier serienmäßigen Chefsessel hinter den getönten Schiebetüren aus.

Weich gefedert und gut gedämmt

Während der Fahrer von uns unbemerkt den 2,1-Liter-Vierzylinder-Diesel anwirft, lehnen wir uns entspannt in den weichen Nappaleder-Sitzen zurück, legen die Arme auf den Seitenlehnen ab und studieren die morgendliche Zeitung. Lesen beim Fahren und dann noch gegen die Fahrtrichtung? Unserem sonst so nervösen Magen bekommt die Spazierfahrt in der V-Klasse überraschend gut. Selbst als unser Chauffeur mit 150 Sachen Richtung Hotel braust, ist auf der Rückbank davon weder etwas zu hören noch zu spüren. Gut gedämmt und mit adaptiver Dämpfung weich gefedert, fegt der 2,1-Tonner scheinbar schwerelos über die Autobahn.

Schade, dass uns kein Fahrer eines aktuellen Viano begleitet. Er würde in der feinen Aufmachung der neuen V-Klasse Bauklötze staunen. Vom Nutzwertcharme des Vorgängers ist im Innenraum nichts mehr zu sehen. Die edlen Holzdekore ziehen sich vom Cockpit bis in den hinteren Fondbereich. Leuchtleisten darunter sorgen für angenehmes Licht. Die Füße stehen auf flauschigem Teppich.

Das anstehende Pressegespräch mit den Daimler-Experten könnten wir gerne in den Van verlagern. Nur allzu groß sollten die Damen und Herren bitte nicht sein. In Vis-à-vis-Sitzstellung stoßen wir uns sonst die Knie – nur mit versetzten Schuhen würden wir uns nicht ins Gehege kommen.

Die Sitze lassen sich leicht ausbauen

Wenn alle in Fahrtrichtung schauen, wäre doch das Platzproblem gelöst. Doch das verlangt nach mehr als nur einer einfachen Hebelbewegung. Um die 28 Kilo schweren Sessel zu drehen, müssen sie vorher ausgebaut werden. Das klingt mühsam, geht in der Praxis aber erstaunlich leicht von der Hand. Gut so, schließlich will man doch auch mal die maximal fünf Kubikmeter Ladevolumen ausnutzen. Die Vordersitze rotieren ohne Ausbau. Allerdings kostet der Spaß je 248 Euro Aufpreis.

In der V-Klasse finden maximal acht Personen Platz. Mercedes bringt den Van in drei Längen (4,89 bis 5,37 Meter) auf den Markt, der Sitzraum im Fond ist dabei immer gleich bemessen – nur das Kofferraumvolumen variiert zwischen 510 bis 1.110 Litern. Das Heckabteil unserer mittleren, 5,14 Meter langen Variante (1.030 Liter) steckt vier große Reisekoffer problemlos weg.

Im Wlan-Hotspot der V-Klasse surfen, sich von der Burmester-Soundanlage beschallen lassen und am Ausklapp-Tischchen Karten zocken: klingt nach einem verlockenden Arbeitsalltag. Langsam kribbelt es uns aber in den Fingern. Wir schicken unseren Chauffeur in den Feierabend und übernehmen selbst das Steuer.

Fahrerwechsel

Den freistehenden 8,4-Zoll-Display im geschwungenen Armaturenträger kennen wir bereits von der neuen C-Klasse. Über den altbewährten Drehdrücksteller klicken wir uns schnell durch Navi, Musik und die zahlreichen Apps. Das neue Touchpad verlangt uns zunächst schon mehr Aufmerksamkeit ab. Nach ein paar Durchläufen wischen und ziehen wir uns aber auch hiermit fließend durchs Menü.

Ein eingespieltes Team sind die Siebengang-Automatik und der in drei Leistungsstufen (136 bis 190 PS) erhältliche Vierzylinder-Diesel. Der Automat schaltet souverän, die beiden von uns getesteten stärkeren Diesel-Versionen schieben den Mercedes-Klotz problemlos an. Wozu die Ingenieure der V-Klasse aber Schaltpaddel und einen Sportmodus für verschärfte Lenkung und Gasannahme spendieren, bleibt deren Geheimnis. Die elf Assistenzsysteme aus E- und S-Klasse nehmen wir dafür gerne mit. Ganz so entspannt wie auf der Rückbank ist es für den Fahrer deshalb noch nicht, aber kein Vergleich zum Vorgänger. Aus dem Transporter-Ableger wurde nun tatsächlich ein feiner Großraum-Van.

Technische Daten
Mercedes V 200 CDI Mercedes V 220 CDI Mercedes V 250 Bluetec
Motor/Antrieb
Kraftstoff Diesel Diesel Diesel
Preis
Gundpreis ohne MwSt. 36.050 Euro 36.900 Euro 41.330 Euro
Abmessungen/Gewichte/Reifen
Außenmaße(Länge x Breite ohne Spiegel x Höhe) 5.140 x 1.928 x 1.880 mm 5.140 x 1.928 x 1.880 mm 5.140 x 1.928 x 1.880 mm
Radstand 3.200 mm 3.200 mm 3.200 mm
Zuladung 725 kg 725 kg 655 kg
Fahrleistung und Verbrauch
CO2-AusstoßHerstellerangabe WLTP 159 g/km 149 g/km 157 g/km
Effizienzklasse A A A
Slnr-Nr 57069 57070 57071
Betriebskosten
Mercedes V 200 CDI Mercedes V 220 CDI Mercedes V 250 Bluetec
Basisdaten
Preis ohne MwSt. 36.050 Euro 36.900 Euro 41.330 Euro
Teuerung während der Nutzungsdauer 5.742 Euro 5.877 Euro 6.583 Euro
Gebundenes Kapital 26.814 Euro 27.431 Euro 30.752 Euro
Feste Kosten pro Jahr
Abschreibung 5.125 Euro 5.248 Euro 5.765 Euro
Kfz-Steuer 337 Euro 317 Euro 333 Euro
Typklasse HP/TK/VK 21/23/25 21/23/25 21/23/25
Unterstellung/Garage 541 Euro 541 Euro 541 Euro
Summe feste Kosten/Jahr 12.926 Euro 13.081 Euro 13.893 Euro
Summe feste Kosten/km 64,6 ct 65,4 ct 69,5 ct
Variable Kosten
Kraftstoff 10,3 ct 10,5 ct 10,9 ct
Reifen 1,9 ct 1,9 ct 3,1 ct
Wartung und Reparatur 12,4 ct 12,5 ct 13,1 ct
Summe variable Kosten/km 24,6 ct 24,9 ct 27,1 ct
Gesamtkosten
Gesamtkosten pro km 89,2 ct 90,3 ct 96,6 ct
Quellenangabe Betriebskosten
Daten berechnet von Dekra Dekra Dekra
Stand 3/2014 3/2014 3/2014
Versicherung Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung. Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung. Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung.
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