Automarkt 2025 zwischen Transformation und Zurückhaltung
Zwischen ambitionierten politischen Zielen, hohen Investitionen der Industrie und einer weiter verhaltenen Nachfrage hat sich der deutsche Automarkt 2025 im Spannungsfeld der Transformation bewegt. Aus Sicht von Branchenexperten blieb der Durchbruch der Elektromobilität aus, auch wenn sich der Markt spürbar dynamisierte.
E-Auto-Zulassungen legen deutlich zu
Die Marktentwicklung unterstreicht diese Einschätzung. Von Januar bis November wurden in Deutschland 490.368 rein elektrische Pkw neu zugelassen. Das entspricht einem Zuwachs von 41,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Marktanteil lag mit 18,8 Prozent bei knapp jedem fünften Neuwagen, nachdem er 2024 noch bei 13,5 Prozent gelegen hatte.
Experten sehen Dynamik statt Zäsur
Diese Entwicklung ordnet Professor Stefan Bratzel als Jahr der Bewegung, nicht der Zäsur ein. "Wir haben eine deutliche Dynamisierung und mittlerweile einen moderaten Markthochlauf. Die Technologie ist gesetzt, aber der Massenmarkt ist noch nicht erreicht", sagt der Leiter des Center of Automotive Management. Auch aus Sicht des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) blieb der Durchbruch aus.
CO₂-Ziele und politische Impulse
VDIK-Präsidentin Imelda Labbé verweist auf weiterhin verfehlte CO₂-Flottengrenzwerte, sieht aber Potenzial durch Fördermaßnahmen, Steuervorteile und Infrastrukturprogramme.
Industrie kritisiert Rahmenbedingungen
„Die Nachfrage bleibt hinter den politischen Zielen zurück“, sagt Hildegard Müller, Präsidentin des Verband der Automobilindustrie. Hohe Strompreise, Defizite bei der Ladeinfrastruktur sowie Unsicherheiten bei Restwerten wirken bremsend.
Politische Unsicherheit als Kaufhemmnis
Stark gewichtet wird die politische Verunsicherung. Die Debatte um das Verbrenner-Aus und mögliche Flexibilisierungen verstärke laut Bratzel die Zurückhaltung der Verbraucher, ohne die Marktrealität wesentlich zu verändern.
Kritik an zusätzlicher EU-Regulierung
Imelda Labbé kritisiert zusätzliche regulatorische Anforderungen aus Brüssel, etwa zu Flottenzielen, europäischer Fertigung oder E-Fuels. Diese seien realitätsfern und förderten den Wettbewerb nicht.
VDA mahnt verlässliche Planungssicherheit an
Aus Sicht des VDA kann eine Anpassung der europäischen Vorgaben zwar grundsätzlich zur gewünschten Planungssicherheit beitragen. VDA-Präsidentin Hildegard Müller warnt jedoch davor, dass dieses Ziel bislang verfehlt werde. "Die EU hatte versprochen, sich die Realitäten anzuschauen, zu analysieren und darauf aufbauend Flexibilisierungen und Anpassungen vorzunehmen. Das ist nicht passiert – Brüssel enttäuscht mit seinem vorgelegten Entwurf."
Günstige Einstiegsmodelle als Schlüsselfaktor
Ein breiter Konsens besteht bei der Bedeutung günstiger Einstiegsmodelle. Bratzel sieht Fahrzeuge unterhalb der Preisschwelle von 25.000 Euro als entscheidenden Hebel für den Massenmarkt. Auch Labbé betont, dass bezahlbare Modelle der Elektromobilität Schwung verleihen könnten – allerdings nur, wenn Ladeinfrastruktur und Strompreise mitziehen. Professor Paolo Tumminelli stimmt dem Grundsatz zu, gewichtet die Bedeutung kompakter, stadttauglicher Fahrzeuge jedoch stärker und verweist auf die bislang fehlende Passung vieler Modelle zum privaten Nutzungsalltag.
Chinesische Hersteller gewinnen an Bedeutung
Unterschiedlich fallen die Einschätzungen zur Rolle chinesischer Marken aus. Tumminelli sieht sie strategisch auf langfristiges Wachstum ausgerichtet, Bratzel rechnet kurzfristig mit steigenden Marktanteilen im E-Segment. Verstünden europäische Hersteller die Lockerung der europäischen Vorgaben als Einladung, wieder stärker auf Verbrenner zu setzen, drohe ein Zeitverlust bei der Elektromobilität, warnt Bratzel. "China bleibt konsequent elektrisch – das ist der eigentliche strategische Unterschied." Der VDA ordnet die Entwicklung zurückhaltender ein und betont die Bedeutung offener Märkte und gleicher Wettbewerbsbedingungen.
Strategischer Blick auf 2026
Für das Jahr 2026 rechnen die Experten überwiegend mit einer leichten Erholung des Gesamtmarkts. "Für das kommende Jahr rechnen wir mit einem Anstieg der Neuzulassungen für E-Autos, wenn die Bundesregierung auf die vom VDIK geforderten Nachbesserungen am Förderrahmen eingeht", sagt Imelda Labbé. Der VDA prognostiziert für 2026 rund 2,90 Millionen Pkw-Neuzulassungen und damit ein leichtes Plus. Für Elektro-Pkw (BEV) erwartet der Verband 693.000 Neuzulassungen, was einem Zuwachs von 30 Prozent entspräche – allerdings nur bei zügiger und transparenter Umsetzung der angekündigten Förderung.
Nutzung statt Kauf stärker fördern
Andernfalls drohe ein Abwarten vieler Käufer. Hingegen meint Tumminelli: "Die nun beschlossene Prämienregelung ändert nichts. Nicht der Kauf, sondern die tatsächliche Nutzung von E-Fahrzeugen sollte gefördert werden."









