Mobilitätspaket setzt kleine Fuhrparks unter Druck

Tachographenpflicht für Transporter kommt
Viele kleine Fuhrparks sind nicht bereit

Neue EU-Vorgaben, kurze Frist, teure Nachrüstung: Eine Kienzle-Umfrage zeigt, dass viele kleine Fuhrparks noch erstaunlich unvorbereitet sind. Was zu tun ist und wie lange noch Zeit bleibt.

Reihe moderner Transporter einer Unternehmensflotte, relevant für neue Technikpflichten, CO2-Kosten und gesetzliche Vorgaben ab 2026.
Foto: IndustrialPhotograph@viaCanva

Für viele Speditionen und Transportunternehmen endet jetzt die Schonfrist. Mit dem Mobilitätspaket I wird der intelligente Tachograph der zweiten Generation für Fahrzeuge über 2,5 bis einschließlich 3,5 Tonnen im grenzüberschreitenden gewerblichen Verkehr Pflicht. Doch eine Kienzle-Umfrage zeigt: Fast jeder dritte Fuhrpark hat noch keine Maßnahmen ergriffen. Vor allem für kleine und mittlere Betriebe kann das teuer werden, denn bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 4.500 Euro. Ausnahmen sind laut Kienzle nur in Einzelfällen möglich.

Kleine Fahrzeuge, große Wirkung

Was lange wie ein Spezialthema für schwere Lkw wirkte, rückt damit nun auch bei leichteren Nutzfahrzeugen in den Alltag von Fuhrparkverantwortlichen. Betroffen sind Fahrzeuge, die grenzüberschreitend gewerblich unterwegs sind und bislang in vielen Betrieben eher unter dem Radar liefen. Genau das macht die neue Pflicht so brisant: Sie trifft nicht nur klassische Speditionen, sondern auch kleinere Transportfirmen, Kurierdienste, Handwerksbetriebe oder Dienstleister mit internationalem Verkehr.

Kienzle-CEO Jan Kaumanns
Kienzle Automotive

Kienzle-CEO Jan Kaumanns rät den betroffenen Unternehmen, jetzt strukturiert zu planen, um die Tachographenpflicht einhalten zu können.

Viele Fuhrparks sind noch nicht so weit

Die Kienzle-Umfrage legt nahe, dass die Vorbereitung in vielen Betrieben noch lückenhaft ist. Fast jeder dritte Fuhrpark hat demnach noch keine konkreten Maßnahmen zur Umsetzung eingeleitet. Noch ernüchternder: Rund ein Drittel der befragten Unternehmen plant keine Schulungen für Fahrer oder Disponenten. Gleichzeitig fühlt sich nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Befragten umfassend informiert. Das ist heikel, weil die neue Pflicht eben nicht mit dem Einbau eines Geräts erledigt ist. Wer den Tachographen nutzt, muss auch wissen, wie die Technik funktioniert, welche Daten erfasst werden und welche Pflichten im Alltag daraus folgen.

Die größten Probleme sitzen nicht nur in der Werkstatt

Für viele Unternehmen geht es dabei längst nicht bloß um einen zusätzlichen Termin im Servicebetrieb. Die Umfrage zeigt, dass vor allem drei Punkte drücken: Kosten, unübersichtliche Regeln und technische Nachrüstung. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen nennt die Umrüstungskosten als größte Herausforderung. Hinzu kommt die Unsicherheit, wie einzelne Vorgaben konkret auszulegen sind und welche Fristen im Detail gelten. Gerade kleinere Betriebe ohne eigene Compliance- oder Rechtsabteilung tun sich damit naturgemäß schwerer als große Logistikgruppen.

Besonders kleine Betriebe geraten unter Druck

Dass ausgerechnet kleinere und mittlere Unternehmen besonders gefordert sind, überrascht kaum. Wer nur wenige Fahrzeuge betreibt, hat weniger Spielraum bei Werkstattterminen, Budget und Personal. Fällt ein Transporter wegen Nachrüstung aus oder müssen Fahrer kurzfristig geschult werden, schlägt das im Alltag deutlich stärker durch als in großen Flotten. Dazu kommt: Mehrere tausend Euro pro Fahrzeug sind für kleine Betriebe kein Nebengeräusch, sondern ein spürbarer Eingriff ins Investitionsbudget.

Bußgelder machen das Thema akut

Richtig unerquicklich wird die Sache beim Blick auf mögliche Sanktionen. Laut Kienzle können in einzelnen EU-Staaten Bußgelder von bis zu 4.500 Euro pro Verstoß fällig werden. Je nach Land drohen darüber hinaus weitere Konsequenzen, etwa Fahrzeugstilllegungen oder zusätzliche Verfahren. Damit wird das Mobilitätspaket I für betroffene Fuhrparks nicht nur zum Technik- und Organisationsthema, sondern zu einem echten Haftungs- und Kostenfaktor.

Vertagen ist keine gute Strategie mehr

Für Fuhrparkleiter heißt das: Wer mit Fahrzeugen dieser Gewichtsklasse grenzüberschreitend unterwegs ist, sollte das Thema jetzt nicht mehr auf später schieben. Es geht um Nachrüstung, Schulung, Disposition und saubere Prozesse. Der intelligente Tachograph der zweiten Generation ist keine Formalie, die man irgendwann nebenbei abhakt. Er wird kurzfristig zur Pflicht – und für viele kleinere Betriebe zur unangenehmen Nagelprobe. Die Kienzle-Zahlen sind zwar nicht repräsentativ, als Warnsignal taugen sie aber allemal.