E-Mobilität im Fuhrpark richtig umsetzen

Elektrifizierung von Fuhrparks in Unternehmen
Wie Flotten die Antriebswende erfolgreich umsetzen

Die Elektrifizierung von Fuhrparks ist mehr als ein reiner Fahrzeugtausch. Warum Ladeinfrastruktur, IT und Organisation über Erfolg oder Misserfolg entscheiden, erklärt Experte Marc-Oliver Prinzing.

Mann bedient mit einem Smartphone den Ladevorgang eines Elektroautos an einer Wallbox in einer Tiefgarage
Foto: Eon

Antriebswende zwischen Klimazielen und Praxisproblemen

Kaum ein Thema fordert Fuhrparkmanager derzeit so sehr wie die Elektrifizierung der Flotten. Zwischen Klimazielen, Ladeinfrastruktur, IT-Schnittstellen und rechtlichen Stolperfallen wird die Antriebswende schnell zur Mammutaufgabe – und zur Chance, Mobilität im Unternehmen neu zu denken.

TCO-Betrachtung entscheidet über Wirtschaftlichkeit

Wer Ladeinfrastruktur, Abrechnung und rechtliche Fallstricke unterschätzt, zahlt später drauf. Erst eine ehrliche TCO-Betrachtung zeigt, was E-Mobilität im Fuhrpark wirklich kostet – und warum Mobilitätsmanager plötzlich zu Schlüsselfiguren der Energiewende werden.

Ladeinfrastruktur als strategischer Engpass

Vor allem bei der Ausstattung von Firmenstandorten mit Ladeinfrastruktur zeigt sich, wie komplex der Wandel ist. Einfach einige Ladepunkte aufzubauen, reicht nicht. Es muss weit mehr bedacht werden als die Zahl der Wallboxen. Ganz am Anfang steht die Frage nach der Stromversorgung und den Besitzverhältnissen an Firmenstandorten. Stromversorgung und Netzanschluss sind oft der Flaschenhals.

Zwei Elektrofahrzeuge stehen an einer Schnellladestation auf einem Unternehmensparkplatz vor einem Bürogebäude
Nicole Holzer

Elektrofahrzeuge laden an einer Schnellladestation auf einem Unternehmensstandort. Der Aufbau betrieblicher Ladeinfrastruktur ist ein zentraler Baustein der Fuhrpark-Elektrifizierung.

Lastmanagement verhindert teure Nachrüstungen

Schon ein Ausbau von fünf auf zwanzig E-Fahrzeuge kann die bestehende Infrastruktur überfordern. Ohne intelligentes Lastmanagement drohen kostspielige Nachrüstungen am Netzanschluss. Solche Systeme verteilen automatisch die verfügbare Leistung auf die angeschlossenen Fahrzeuge – im Idealfall abhängig davon, wer zuerst wieder auf die Straße muss. Wer dieses Thema vernachlässigt, muss später teuer in die Erweiterung des Netzanschlusses investieren.

Organisation und Kostenverteilung neu denken

Die technische Seite ist nur die halbe Miete. Auch die interne Organisation verändert sich: Kosten müssen präzise zugeordnet werden – an Fahrzeuge, Fahrer und Abteilungen. Gerade in Unternehmen mit mehreren Standorten oder komplexen Firmenstrukturen müssen die Verantwortlichen transparent regeln, wie Kosten intern verrechnet werden. Was früher über Tankkarten und eindeutige Kostenstellen problemlos möglich war, verlangt jetzt moderne, IT-gestützte Lösungen.

Abrechnung bei Poolfahrzeugen und mehreren Standorten

Denn wenn Poolfahrzeuge, wechselnde Fahrer und mehrere Standorte ins Spiel kommen, droht Abrechnungschaos. Die Lösung: automatisierte Systeme, die jeden Ladevorgang eindeutig erfassen und dem Fahrzeug sowie dem Fahrer direkt zuordnen. RFID-Karten, Lade-Apps oder intelligente Ladekabel schaffen Transparenz, verringern Verwaltungsaufwand und vermeiden Konflikte zwischen Abteilungen.

Heimladen rechtssicher und fair gestalten

Immer mehr Unternehmen fördern das Laden beim Mitarbeitenden zu Hause. Das spart Wege, reduziert Standzeiten und erhöht die Effizienz. Doch die gesetzliche Pauschale von 30 oder 70 Euro monatlich deckt kaum den realen Strombedarf. Abhilfe schaffen MID-konforme Wallboxen mit genauer Verbrauchsmessung, die an das Fuhrparkmanagementsystem angebunden sind. Klare Regelungen im Dienstwagenvertrag sichern zudem Haftungs- und Wartungsfragen ab.

IT und Datenschutz gewinnen an Bedeutung

Mit der Elektrifizierung wächst die Bedeutung der IT-Abteilung. Fuhrparksoftware, Ladeinfrastruktur und Buchhaltungssysteme müssen miteinander kommunizieren. Datenschutz und IT-Sicherheit spielen eine zentrale Rolle, sobald Ladevorgänge personenbezogen erfasst und verarbeitet werden. Das macht betriebswirtschaftliche Steuerung nicht einfacher.

Fuhrparkmanagement wird zur Schlüsselfunktion

Die Elektrifizierung macht den Fuhrpark nicht nur komplexer, sondern auch strategisch wichtiger. Fuhrparkverantwortliche steuern heute einen zentralen Teil der Unternehmens-Transformation: die Umsetzung der Energiewende im Alltag. Damit rücken sie ins Zentrum unternehmerischer Entscheidungen – und werden zu Schlüsselfiguren nachhaltiger Mobilität.

Fünf zentrale Learnings für die Praxis

  1. Ladeinfrastruktur braucht frühzeitige Planung und intelligentes Lastmanagement.
  2. IT-gestützte Abrechnungssysteme verhindern Chaos und schaffen Transparenz.
  3. Heimladen erfordert klare rechtliche und technische Regeln.
  4. TCO-Berechnungen müssen auch System- und Organisationskosten berücksichtigen.
  5. Interdisziplinäre Zusammenarbeit. Erfolgreiche Elektrifizierung gelingt nur im Zusammenspiel von Fuhrpark, IT, Finanzwesen und Datenschutz.

Fuhrparkverantwortliche als Treiber der Energiewende

Fuhrparkverantwortliche sind nicht länger nur Verwalter, sondern aktive Treiber der Energiewende im Unternehmen. Ihre Rolle wandelt sich hin zu strategischen Gestaltern nachhaltiger Mobilität.