ADAC: Kleine Unfälle, hohe Reparaturkosten

ADAC-Studie zu Reparaturkosten
Kleine Unfälle, große Kostenfallen

Eine ADAC-Markterhebung belegt stark gestiegene Werkstattkosten bei typischen Unfallschäden. Selbst baugleiche Modelle zeigen deutliche Preisunterschiede – mit Folgen für Versicherte und Fuhrparks.

Werkstatt 2026
Foto: LeMusiqueGettyImages@viaCanva

Steigende Werkstattkosten bei Unfallschäden

Schon kleine Blechschäden können bei modernen Autos überraschend teuer werden, wie eine aktuelle Markterhebung des ADAC zeigt. Die Werkstattkosten steigen nicht nur insgesamt, sondern unterscheiden sich je nach Marke selbst bei technisch identischen Fahrzeugen teils deutlich.

Drei Schadenfälle im Markenvergleich

Für die Untersuchung ließ der Automobilclub bei 21 Modellen drei typische Schadenfälle kalkulieren: einen Parkrempler vorne links, einen Heckrempler rechts sowie den Austausch der Windschutzscheibe. Ein Sachverständiger erstellte Kostenvoranschläge für Autos verschiedener Marken mit branchenüblicher Software, wie sie auch Vertragswerkstätten einsetzen.

Windschutzscheibe: Kalibrierung treibt Kosten

Besonders deutlich wird der Kostensprung beim Scheibentausch: Was früher oft mit einigen hundert Euro erledigt war, liegt heute fast immer im vierstelligen Bereich. Hauptgrund ist die oft notwendige Kalibrierung von Kameras für Assistenzsysteme wie Spurhaltung oder Fernlichtautomatik. Am oberen Ende der Skala lag der VW Golf mit mehr als 2.400 Euro. Unter der 840-Euro-Marke (alle Preise netto) blieb einzig der Kompaktstromer MG4. Kaum nachvollziehbar: Obwohl der Suzuki Swace und der Toyota Corolla baugleich sind, kostet das Ersatzteil Frontscheibe beim Suzuki über 168 Euro mehr.

Frontschaden: Scheinwerfer als Preistreiber

Noch größer fallen die Unterschiede bei einem Frontschaden aus, bei dem Stoßfänger und Scheinwerfer ersetzt werden müssen. Kostentreiber ist hier die Lichttechnik. Während der Fiat 500 mit knapp 2.520 Euro vergleichsweise moderat bleibt, summiert sich der Schaden beim Plug-in-Hybrid BMW 330e auf fast 6.720 Euro. Größter Preistreiber ist der für neue BMWs nicht mehr bestellbare Laser-Scheinwerfer, der als Ersatzteil rund 3.000 Euro kostet. Mit 5.042 Euro ebenfalls sehr teuer ist die Reparatur des Volvo XC60.

Heckrempler: Sensorik und Steuergeräte

Teuer kann ein Heckrempler sein, bei dem der ADAC den Tausch von Stoßfängern mit Sensoren vorsieht. Da Tesla hinten auf zusätzliche Sensorik verzichtet und stattdessen Kameradaten nutzt, bleiben die Kosten für diese Maßnahme mit etwa 2.350 Euro vergleichsweise niedrig. Ein teures Beispiel liefert hier wiederum der VW Golf, unter anderem weil immer gleich beide Steuergeräte à 674 Euro ersetzt werden müssen, selbst wenn nur eines beschädigt ist.

Hersteller-Vorgaben verteuern Reparaturen

Ein weiterer Kostentreiber ist, dass viele Hersteller Reparaturen an Stoßfängern untersagen und stattdessen aus Sorge vor Fehlfunktionen der Sensorik durch unterschiedliche Lackschichtdicken den Kompletttausch vorschreiben. Paradox dabei ist, dass auch Ersatzstoßfänger anschließend lackiert werden müssen.

Unnötige Mehrkosten

Der ADAC moniert die oft unnötig hohen Mehrkosten, die sich etwa durch reparaturfreundlichere Konstruktionen vermeiden ließen. Der Club fordert deshalb robustere und nachhaltigere Fahrzeugkonzepte, etwa mit austauschbaren Scheinwerferabdeckungen. Das könnte den oft kompletten Tausch der Lichteinheiten verhindern.

Folgen für Versicherungsbeiträge und Fuhrparks

Für Autofahrer sind steigende Reparaturkosten jedenfalls wenig erfreulich, denn diese schlagen sich am Ende auch in den Versicherungsbeiträgen nieder. Der ADAC rät Verbrauchern deshalb, nach Unfällen mehrere Kostenvoranschläge einzuholen. Gerade bei den Stundenverrechnungssätzen gibt es große Unterschiede. Ein Vergleich auch mit Freien Werkstätten kann sich daher lohnen.