Nutzungsprofil entscheidet über die passende Option
Kaufen, leasen oder gebraucht übernehmen – diese Grundsatzfrage stellt sich bei der Entscheidung für ein Elektroauto aktuell zugespitzt: Viele neue Modelle kommen auf den Markt, Autohäuser und Hersteller werben mit günstigen Leasingangeboten; gleichzeitig ist die Entscheidung weiterhin geprägt von Unsicherheiten gegenüber dem rasanten technischen Fortschritt. Interessenten sollten sich dabei an verschiedenen Faktoren orientieren.
Ladeverhalten und Fahrleistung als Schlüsselfragen
Bevor es um Vertragsarten geht, lohnt ein Blick auf das Nutzungsprofil. Wie oft lade ich, wie häufig bin ich unterwegs, und brauche ich langfristig eher Flexibilität oder Planbarkeit? Die Antworten entscheiden mit darüber, ob ein neues Modell sinnvoll ist, ein Leasingvertrag ausreicht oder ob ein Gebrauchtwagen die vernünftigste Lösung sein kann.
Neuwagen punkten mit Technik und Garantie
Wer ein Elektroauto neu kauft, erhält in der Regel den aktuellen Stand der Technik – von großer Reichweite über höhere Ladeleistungen bis zu modernen Assistenzsystemen. Die Batterie ist meist für acht bis zehn Jahre garantiert, und die THG-Quote (2026: ca. 140-230€/Jahr brutto) (118 - 193 Euro/Jahr netto) lässt sich beim eigenen Fahrzeug selbst einlösen. Wer zeitnah ein Auto benötigt, könnte sich jedoch an mitunter langen Lieferzeiten stören.
Hoher Preis und schneller Wertverlust
Dem stehen hohe Anschaffungskosten gegenüber. Trotz sinkender Differenz bleiben neue E-Modelle teurer als vergleichbare Verbrenner; im Schnitt waren es im Oktober laut CAR-Institut rund 1.600 Euro (1.345 Euro netto) Unterschied. Zudem fallen E-Autos in den ersten Jahren besonders stark im Wert: Laut einer Auswertung der Deutschen Automobil-Treuhand erreichen dreijährige Stromer im Schnitt nur rund die Hälfte des einstigen Listenpreises. Bei drei Jahre alten Benzinern liegt der Restwert dagegen bei 63 Prozent, bei Dieselmodellen bei 62 Prozent.

Weil sich der Akkuzustand für Laien kaum beurteilen lässt, empfiehlt sich ein Batterietest.
Technischer Fortschritt als psychologischer Faktor
Damit einher geht die Sorge, aufgrund des schnellen technischen Fortschritts bei Reichweiten und Ladegeschwindigkeiten schnell ein vermeintlich veraltetes Modell zu besitzen. Allerdings bieten viele moderne Elektroautos eine alltagstaugliche Reichweite; im Schnitt lag 2024 die durchschnittliche Kilometerzahl bei vollem Akku bei 478 Kilometern (Quelle: Ariadne-Projekt).
Leasing als risikoarmer Einstieg
Einen risikoarmen Einstieg bietet Leasing für alle, die zunächst testen wollen, ob ein E-Auto zum eigenen Mobilitätsverhalten passt. Kleine Modelle wie Dacia Spring, Fiat 500e oder Renault Twingo sind teils schon für unter 150 Euro (126 Euro netto) im Monat zu haben. Größere Fahrzeuge tauchen ebenfalls immer wieder als befristete Angebote auf den großen Plattformen auf.
Kein Restwertrisiko, aber kein Eigentum
Der entscheidende Vorteil: Wer least, trägt kein Restwertrisiko – ein Punkt, der bei Elektroautos aus oben genannten Gründen besonders relevant ist. Zudem lässt sich im Alltag schnell feststellen, ob ein Stromer wirklich passt: Fehlt eine eigene Lademöglichkeit oder erweist sich das häufige Laden am Straßenrand als unpraktischer als gedacht, endet das Experiment einfach mit der Rückgabe des Fahrzeugs. Nachteil bleibt, dass kein Eigentum aufgebaut wird; ein gekaufter Wagen kann nach der Abzahlung kostengünstig weiter genutzt werden.
Gebrauchte Stromer profitieren vom Leasingmarkt
Der Markt für gebrauchte Elektroautos profitiert derzeit vom hohen Anteil ehemaliger Leasingfahrzeuge. Viele Modelle kommen gepflegt und mit nachvollziehbarer Historie auf den Gebrauchtwagenmarkt. Auch besteht oft noch eine Garantie auf Batterie oder Antrieb (abhängig von Alter und Laufleistung). Der größte Wertverlust liegt im Gebrauchtmarkt meist schon hinter dem Fahrzeug.

Polestar stattet den Polestar 2 aus dem Gebrauchtwagenprogramm mit einem Batterie-Zertifikat aus.
Akkuzustand bestimmt den Fahrzeugwert
Da Elektroautos keine klassischen Verschleißteile wie Auspuff oder Kupplung besitzen und der E-Motor vergleichsweise wartungsarm ist, bestimmt der Zustand des Akkus maßgeblich den Fahrzeugwert. Unter anderem spielt hierfür das Ladeverhalten eine Rolle: Häufiges Schnellladen beispielsweise kann die Lebensdauer einer Lithium-Ionen-Batterie beeinträchtigen.
Batterietest schafft Transparenz
Weil sich der Akkuzustand für Laien kaum beurteilen lässt, empfiehlt sich ein Batterietest. Dabei wird die verbleibende Kapazität ermittelt, der sogenannte State of Health (SoH). Grober Richtwert: Viele Hersteller sichern bei ihren Modellen im Rahmen der Batteriegarantie mindestens 70 Prozent Restkapazität zu. Am bequemsten ist es, wenn Hersteller oder Händler bereits ein Zertifikat zur Verfügung stellen, das mit einer prozentualen Angabe der nutzbaren Batterie für Gewissheit sorgt. Polestar stattet beispielsweise den Polestar 2 aus dem Gebrauchtwagenprogramm mit einem Batterie-Zertifikat aus. Auch immer mehr Händler bieten E-Autos mit zertifiziertem SOH-Check an. Auch über Prüforganisationen wie GTÜ, TÜV Nord, Dekra oder den ADAC lassen sich Batterietests durchführen. Zudem gibt es einen Heimtest von Anbieter Aviloo (Kostenpunkt: ab ca. 100 Euro).








