BEV-Remarketing: Schlüssel für nachhaltige Flotten

Gebrauchte E-Autos im Leasingmarkt
Warum BEV-Remarketing entscheidend wird

Der Gebrauchtmarkt wird zum Prüfstein der Elektromobilität. Katharina Wagner von Arval zeigt, warum professionelles Remarketing bei BEV-Rückläufern über Restwerte und Wirtschaftlichkeit entscheidet.

Symbolisches Einkaufswagensymbol mit Prozentzeichen vor unscharfen Elektrofahrzeugen, Darstellung von Preisentwicklung im Gebrauchtwagenmarkt.
Foto: pixelshot_ AndreyPopovGettyImages@viaCanva

Batterieelektrische Fahrzeuge sind im Fuhrparkalltag etabliert – mit den ersten Leasing-Rückläufern rückt nun die wirtschaftliche Bewährungsprobe der Elektromobilität in den Fokus. Im Expertenbeitrag erläutert Katharina Wagner, Manager Remarketing bei Arval, warum professionelles Remarketing über Restwerte, Akzeptanz und die nachhaltige Weiterverwendung gebrauchter BEVs entscheidet. Im Zentrum stehen Batteriequalität, digitale Prozesse und der Umgang mit dem gesamten Lebenszyklus von E-Flotten.

BEV-Rückläufer verändern den Gebrauchtwagenmarkt

Seit Anfang 2024 rollt die erste große Welle batterieelektrischer Leasingfahrzeuge zurück auf den Gebrauchtwagenmarkt. Das sorgt für ein deutlich größeres Angebot an jungen Gebrauchten – und für Preisdruck. Was für Käufer:innen erfreulich ist, stellt Händler und Leasinggesellschaften vor neue Herausforderungen: Der technologische Fortschritt führt dazu, dass neue Modelle mit höherer Reichweite oder besseren Softwarefunktionen immer schneller auf den Markt kommen. Damit steigt die Obsoleszenz älterer Generationen – und die Restwertprognose wird zunehmend komplex. Intelligente Remarketingstrategien sind deshalb entscheidend, um den Wert gebrauchter BEVs transparent und marktfähig zu halten.

Batteriequalität entscheidet über Vertrauen

Der entscheidende Aspekt einer intelligenten Remarketingstrategie ist die Batterie eines Elektrofahrzeugs. Sie ist dessen Herzstück und entscheidet über Vertrauen und Akzeptanz und somit über den Erfolg auf dem Gebrauchtmarkt. Kunden fragen heute nicht mehr nur nach der Laufleistung, sondern vor allem: Wie fit ist die Batterie?

Batteriezertifikate schaffen Transparenz

Hier liefern Batteriezertifikate Transparenz. Gemeinsam mit Partnern wie AVILOO führt Arval unabhängige Tests durch, die den sogenannten State of Health (SOH) der Batterie in Prozent objektiv belegen. Die Testdaten von über 24.000 Fahrzeugen zeigen, dass die gebrauchten Batterien viel besser sind als ihr Ruf: Nach rund 70.000 Kilometern liegt die durchschnittliche Restkapazität bei rund 93 Prozent. So wird die „Black Box Batterie“ zur berechenbaren Größe – ein Gamechanger für den Gebrauchtmarkt.

Digitalisierung als Hebel für TCO und Restwerte

Transparenz über den Batteriezustand ist ein wichtiger Baustein – doch die eigentliche Hebelwirkung entsteht durch Digitalisierung. Leasingunternehmen verfügen über enorme Datenmengen, die eine datenbasierte Fahrzeugbewertung und automatisierte Rücknahmeprozesse ermöglichen.

Fahrzeugrücknahme als strategischer Prozess

In der Praxis wird die Fahrzeugrücknahme oft nur als administrativer Schritt betrachtet. Tatsächlich ist sie ein zentraler Bestandteil der Total Cost of Ownership (TCO).

Eine digital gestützte Rücknahme reduziert Standzeiten, senkt Logistikkosten und erleichtert die Bewertung. Wenn der Fahrzeugzustand und die Batteriedaten digital vorliegen, lassen sich Weiternutzungspotenziale und Wiederverkaufswerte präziser prognostizieren.

Mehrfachnutzung verlängert den BEV-Lebenszyklus

Digitalisierung schafft nicht nur Effizienz, sondern auch ökologische Vorteile. Die umfassende Auswertung der Daten ermöglicht eine präzise Steuerung der Rückläufer in passende Vermarktungskanäle. Das Fahrzeug ist am Ende des Leasingvertrags nicht abgeschrieben; es beginnt vielmehr die Phase der Multi-Cycle-Nutzung. Basierend auf der digitalen Datenhistorie können fundierte Entscheidungen über die Wiederverwertung der Fahrzeuge getroffen werden – sei es Re-Lease oder die Vermarktung über den Gebrauchtmarkt. Damit wird nicht nur Kapital besser genutzt, sondern auch der CO₂-Fußabdruck der Flotte reduziert.

Datenbasierte Vermarktung stabilisiert Restwerte

Über eine digitale Plattform können Fahrzeuge gezielt und datengestützt an unterschiedliche Zielgruppen vermarktet werden – an Händler, Flottenkunden oder Privatkäufer. Das beschleunigt den Abverkauf, stabilisiert die Restwerte und schafft Transparenz. Wer die Nutzungshistorie

Händlerkompetenz als Vertrauensfaktor

So digital der Prozess auch ist: Die persönliche Erfahrung und Beratung bleiben entscheidend. Der Gebrauchtwagenhandel fungiert als zentraler Vertrauensanker, um Elektromobilität im Alltag erlebbar zu machen. Noch stehen viele Händler am Anfang eines Lernprozesses. Es gilt, Batteriedaten zu interpretieren, Softwarefunktionen zu erklären und Kunden sicher durch den Ladealltag zu begleiten.

Wissenstransfer im Gebrauchtwagenhandel

Initiativen wie der Arval Remarketing Day zeigen, wie Wissenstransfer gelingen kann. Händler, Flottenbetreiber und Experten tauschen sich aus, testen Fahrzeuge und diskutieren praxisnah über Restwerte, Reichweiten und Kundenerwartungen. Nur wer informiert ist, kann von gebrauchter E-Mobilität überzeugen.

Professionalisierung des BEV-Remarketings

Der Markt für gebrauchte Elektrofahrzeuge steht an der Schwelle zur Professionalisierung. Digitale Bewertungsverfahren, Batteriezertifikate und automatisierte Rücknahmeprozesse werden zum Standard. Remarketing wird damit vom Endpunkt zum Start eines neuen Lebenszyklus.

Kreislaufdenken statt Einmalnutzung

Gleichzeitig etabliert sich ein Kreislaufdenken: Leasing, Re-Lease und Second-Life-Anwendungen für Batterien wachsen zu einer integrierten Wertschöpfungskette zusammen – ökonomisch effizient und ökologisch sinnvoll. Elektromobilität wird sich dauerhaft nur dann durchsetzen, wenn auch die zweite und dritte Nutzungsphase überzeugt.