Alexa, Google, MBUX, Siri

Sprachassistenten im Test

Sprachsteuerung Mercedes A-Klasse MBUX Foto: Mercedes/firmenauto

Nach Apple Siri und Android Auto drängt mit Amazon Alexa ein weiterer Sprachassistent ins Auto. Mercedes kontert mit dem eigenen, besonders aufs Auto ausgelegten Dienst MBUX. Wer gehorcht am besten?

Von Liebe auf das erste Wort kann bei der Sprachbedienung im Auto nun wirklich keine Rede sein. Obwohl die Entwicklung schon in den 1980er-Jahren begann, redeten Mensch und Maschine lang aneinander vorbei. Mehr als schlichte Navi-Adressen oder Telefonnummern verstand die einfache Auto-Hardware bis vor Kurzem meist nicht.

Die Sprachassistenten der drei großen Internetkonzerne laden Kommandos hingegen auf ihre Server, wo sie von leistungsfähigen Rechnern analysiert werden. Dies versetzt sie in die Lage, natürliche Sprache zu verstehen, ohne dass Anwender an Schlüsselbegriffe oder konkrete Formulierungen denken müssen. Über ein gekoppeltes Handy funktionieren Apple Siri und Google Assistant auch im Fahrzeug und ­lassen die Eingabesysteme der meisten Autobauer ziemlich alt aussehen. Jetzt drängt mit Amazon ein weiteres IT-Schwergewicht ins Fahrzeug, und Seat gelang es als erstem Hersteller, Amazons Assistentin Alexa zu integrieren.

Mercedes MBUX

Doch die Autobauer wollen Sprachassistenten nicht mehr länger anderen überlassen. Beim Infotainment-System MBUX, das in der A-Klasse debütierte, nutzt Mercedes ebenfalls das Cloud-Prinzip. Autohersteller haben prinzipiell den Vorteil, die Sprach­assistenz mit Fahrzeugfunktionen koppeln zu können, um auch Heizung oder Bordcomputer zu steuern.

Mercedes, A-Klasse, MBUX Foto: auto motor und sport
Ohne zusätzlichen Installationsaufwand startet der Sprachassistent von Mercedes auch ohne Knopfdruck auf den Befehl »Hey, Mercedes«.

Das funktioniert zum Teil prima. So genügt es, »Hey, Mercedes, wie viel Sprit ist im Tank?« zu sagen, und schon nennt die Assistentin die Restreichweite in Kilometern. Selbst Nebensächliches wie »Stell das Ambientelicht auf Rot« setzt das System ohne Nachfrage um. Zudem ist das zusammen mit Nuance entwickelte System in der Lage, logische Zusammenhänge zu erkennen: »Mir ist kalt« deutet MBUX als Aufforderung, die Heizung ein Grad höher zu schalten. Infotainment-Eingaben wie Navigationsadressen versteht MBUX ebenfalls mit hoher Trefferquote. Um mit der A-Klasse sprechen zu können, muss mindestens das Basis-Navigationspaket für 1.140 Euro bestellt werden, das mit einer SIM-Karte zum Datenaustausch ausgestattet ist.

Mercedes, A-Klasse, MBUX Foto: auto motor und sport
Die Erkennungsqualität war sehr ordentlich, obwohl nicht alle Befehle ausgeführt werden konnten. Hier gibt es noch sehr viel Luft nach oben.

Doch zu hohe Erwartungen sollte man nicht hegen: Mit »Fahr mich zur günstigsten Tankstelle« fing das System nichts an, obwohl auf dem Bordmonitor die Spritpreise umliegender Zapfsäulen angezeigt werden. Bei »Navigiere mich zu einem Bäcker auf meiner Route« wurden auch Bäckereien genannt, die abseits davon liegen. Und die für Mietwagenfahrer interessante Frage »Auf welcher Seite ist der Tankdeckel?« führte zu kompletter Verwirrung.

Mercedes teilt hierzu auf Nachfrage mit, dass das System am Anfang seiner Entwicklung stehe und nach und nach mit weiteren Funktionen versehen werde. Dafür punktet MBUX auf zwei anderen Gebieten: Da die klassische Onboard-Sprach­steuerung parallel zur Cloud-Variante eingebaut wird, lassen sich viele Sprachfunktionen auch im Funkloch nutzen. Und wer lieber mit Assistenten aus Fleisch und Blut redet, ruft einfach den Concierge-Service an.

Plus: Einfache Bedienung, auch offline nutzbar
Minus: Funktionsumfang ausbaufähig

Amazon Alexa

Zudem funktioniert MBUX auf Anhieb, was man von Alexa im Seat nicht behaupten kann: Um den Dienst im Kompakt-SUV Ateca zum Laufen zu bekommen, muss zunächst Seats Media-Control-App aufs Handy geladen werden. Das Smartphone wird dann per Bluetooth gekoppelt, anschließend auch noch als WLAN-Hotspot, um überhaupt eine Internetverbindung aufbauen zu können.

Amazon Alexa Foto: auto motor und sport
Amazon Alexa: Trotz Integration in die Ateca-Elektronik ließen sich nur wenige Fahrzeugfunktionen steuern, dafür umso mehr Dienste, die nichts mit Autofahren zu tun haben.

Doch was die Steuerung von Fahrzeugfunktionen betrifft, lohnt sich der Aufwand nur bedingt: Beim Test ließen sich zwar Radiostationen und Navigationsadressen eingeben, doch Anfragen zum Spritvorrat oder zu Sonderzielen entlang der Route verliefen ergebnislos. Auch die Klimaanlage ließ sich nicht einstellen. Kurios endete die Frage nach Staus, worauf im Handy-Display eine Internetseite mit der aktuellen Verkehrslage erschien – in winziger Schrift.

Amazon Alexa Foto: auto motor und sport
Alexa unterstützt inzwischen über 50.000 Skills. So heißen die vernetzten Dienste, mit denen sich die smarte Technik verschiedenster Hersteller steuern lässt.

Bei Funktionen, die nichts mit dem Auto zu tun haben, stellte sich der Dienst wesentlich besser an: Den nächsten Termin im Kalender nannte Alexa umgehend. Zudem greift sie bei entsprechendem Abo auf Millionen Songs von Amazon Music zu oder nimmt Bestellungen der Versandhaus-Mutter entgegen, sofern die 1-Click-Option eingestellt wurde. Auch vernetzte Heimgeräte lassen sich so steuern. Doch all dies funktioniert auch mit der Alexa-App auf dem Handy, der Mehrwert durch die Verbindung mit der Autoelektronik hält sich in überschaubaren Grenzen.

Plus: Viele allgemeine Funktionen
Minus: Fummelige Installation, Smartphone wird als Modem benötigt

Siri und Google Assistant (Android Auto)

Die Assistenten von Apple und Google sind ohnehin ans Handy gebunden, sie lassen sich jedoch auch im Fahrzeug nutzen, sofern das eingebaute Infotainment-System Apple Car Play oder Android Auto unterstützt. Das Reisen machen die Systeme komfortabler, weil sie Restaurants am Zielort per Sprachsuche finden, die Wetteraussichten kennen oder sich Whatsapp-Nachrichten diktieren lassen, ohne dass die Hände vom Lenkrad genommen werden müssen. Wird ein Radiosender gewünscht, öffnet Google die Internetradio-App Tune In, während Apple auf den UKW-Tuner im Auto schaltet und den zuletzt eingestellten Sender spielt – immerhin.

Apple Siri, Smartphone, Foto: auto motor und sport
Um Siri über die Car-Play-Oberfläche zu nutzen, genügt ein USB-Kabel, bei einigen BMW- und Audi-Modellen sogar Bluetooth und WLAN.

Wer die Navigationsfunktion des Handys nutzt, kann zudem Zieladressen aufsprechen oder sich zu Geschäften und Sonderzielen entlang der Route führen lassen. Sich Staus auf der ­Strecke durchsagen zu lassen, funktionierte jedoch in beiden Fällen nicht, obwohl Google Maps und Apple-Karten diese detailliert einzeichnen und die Behinderungen daher kennen müssten. Dafür lassen sich die unterstützten Musik-Apps wie Spotify per Sprache steuern.

Apple Siri, Seat Foto: auto motor und sport
Dann lassen sich ausgewählte Apps wie Whatsapp, Spotify oder die Navi-App-Karten per Sprache steuern.
Apple Siri, Smartphone, Seat Foto: auto motor und sport
Navi-Karten werden übersichtlich dargestellt. Sonderziele entlang der Route findet Siri jedoch nicht.

Zudem begeistern beide Systeme mit ihrer hohen Erkennungsrate bei den Sprachansagen. Google hatte hier die Nase vorn und schnitt von allen vier Assistenten am besten ab. Selbst lange und undeutlich dahingenuschelte Befehle wurden fast immer korrekt verstanden.

Android Auto, Google Assistant, Smartphone Foto: auto motor und sport
Über ein per Android Auto gekoppeltes Handy macht sich Googles Assistant unterwegs nützlich. Nutzer kennen das System eher als Android Auto. Wer Google Maps nutzt, kann sich während der Zielführung von vielen praktischen Sprachdiensten unterstützen lassen. Allerdings können nur Apps gesteuert werden, die kompatibel mit Android Auto sind.

Siri Plus: Problemlose Installation, pfiffige Dienste, gute Erkennung
Siri Minus: Keine Verbindung zur Fahrzeug­elek­tronik, keine Offline-Funktionen

Android Auto Plus: Beste Erkennungsqualität im Test, viele allgemeine Funktionen
Android Auto Minus: keine Auto-Anbindung, Bluetooth- und USB-Verbindung erforderlich

Fazit

Die Alexa-Integration im Seat Ateca enttäuscht durch die komplizierte Anbindung und den begrenzten Funktionsumfang bei Fahrzeugdiensten. Obwohl beides bei Mercedes besser gelöst ist, spürt man deutlich, dass sich das System am Anfang seiner Karriere be­findet. Mercedes muss schnell nachlegen, um es lebendig zu halten. Wie komplex das Thema ist, zeigt sich daran, dass selbst bei den Software-Profis Apple und Google nicht alles rundläuft.

Sprchassistenten Test firmenauto Ergebnis Foto: firmenauto
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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