Um 10:15 Uhr ist der Diesel am billigsten, um halb eins am teuersten. Dazwischen liegen im Schnitt 14,5 Cent pro Liter. Die meisten Firmenflotten tanken trotzdem zu großen Teilen am Nachmittag. Das zeigt eine Auswertung des Flottenspezialisten Shiftmove, der dafür 181.620 Tankvorgänge deutscher Fuhrparks aus den vergangenen 90 Tagen analysiert hat.
90 Tage, 90-mal teurer am Nachmittag
Seit dem 1. April gilt an deutschen Tankstellen die 12-Uhr-Regel. Die Betreiber dürfen ihre Preise nur noch einmal am Tag erhöhen, und zwar mittags. Senken dürfen sie jederzeit. Ein halbes Jahr später ist das Ergebnis aus Sicht der Flotten eindeutig: In den Tankdaten lag der Nachmittagspreis an jedem einzelnen der 90 Tage über dem Vormittagspreis. Beim Diesel betrug der Aufschlag im Schnitt 3,81 Prozent, beim Benzin 4,43 Prozent.

Am günstigsten ist Sprit zwischen 9:45 und 11:45 Uhr. Nach dem Sprung um 12 Uhr sinken die Preise am Nachmittag wieder, an die Tiefstwerte vom Vormittag kommen sie im Schnitt aber nicht mehr heran. Ausgewertet wurden 90 Tage Preisdaten von Tankstellen abseits der Autobahn.
„Es geht nicht darum, weniger zu tanken, sondern früher“, sagt Katharina Fritsch, Director Customer Experience bei Shiftmove. Viele Flotten ließen diesen Hebel ungenutzt, weil sie ihre eigenen Tankdaten nicht kennen.
Mittelstand tankt nur zu 39 Prozent am Vormittag
Wie groß das Potenzial ist, hängt stark von der Flottengröße ab. Shiftmove hat 126 Unternehmen mit 80 bis 120 Fahrzeugen ausgewertet, also typische Fuhrparks im Mittelstand. Bei 83 von ihnen entfallen nur 39 Prozent der Betankungen auf den Vormittag. Pro Flotte und Jahr ließen sich hier etwa 2.000 Euro sparen. Acht Unternehmen haben klare Tankregeln und kommen auf eine Vormittagsquote von rund 76 Prozent. Bei ihnen liegt das verbleibende Sparpotenzial nur noch bei etwa 1.000 Euro. „Eine einfache Tankregel halbiert die vermeidbaren Kosten“, sagt Fritsch.
Großflotten: sechsstellige Summen
Bei Großflotten mit 1.000 bis 4.000 Fahrzeugen geht es um ganz andere Summen. Manche tanken nur rund die Hälfte am Vormittag. Je nach Größe könnten sie laut Auswertung zwischen 119.000 und 209.000 Euro im Jahr sparen, wenn sie die Tankstopps vom Nachmittag in den Vormittag verlegen.
Feste Touren, hohe Vormittagsquote
Dass es klappen kann, zeigen einzelne Flotten. Ein Lebensmittel-Verteiler mit 110 Fahrzeugen tankt 83 Prozent vor 12 Uhr, ein Energieversorger mit knapp 100 Fahrzeugen 75 Prozent. Große Zustell- und Serviceflotten mit festen Routen erreichen Vormittagsquoten zwischen 74 und 85 Prozent. Gemeinsam ist ihnen, dass die Touren gut planbar sind.
Was zwischen 10:15 und 12:30 Uhr passiert
Wo genau der Aufschlag entsteht, zeigt ein zweiter Teil der Auswertung. Dafür hat Shiftmove die Preise von Tankstellen abseits der Autobahn 90 Tage lang im 15-Minuten-Takt erfasst und jeweils mit dem Preis um Mitternacht verglichen. Über den Vormittag sinken die Preise langsam. Der Diesel erreicht um 10:15 Uhr sein Tagestief, im Schnitt 5,5 Cent unter dem Mitternachtspreis. Ab 12 Uhr steigt er um 14,5 Cent und ist um 12:30 Uhr am teuersten. Benzin springt zur selben Zeit um 10,8 Cent. Am günstigsten tankt man zwischen 9:45 und 11:45 Uhr.
Bei 50 Litern Diesel macht das im besten Fall rund 7 Euro Unterschied zur Mittagsspitze. Danach geben die Preise zwar wieder nach, die Tiefstwerte vom Vormittag erreichen sie im Schnitt aber nicht mehr.
Theoretischer Höchstwert
Wichtig für die Einordnung: Das Sparpotenzial ist ein theoretischer Höchstwert. Es geht davon aus, dass alle Nachmittagsbetankungen zum Vormittagspreis stattfinden. Außerdem weichen einzelne Tage laut Shiftmove deutlich vom Durchschnitt ab. Für Servicetechniker oder Außendienstler, die tanken müssen, wenn der Tank leer ist und die Tour es zulässt, ist der Vormittag ohnehin nicht immer drin.
ADAC will die Regel abschaffen
Die 12-Uhr-Regel steht seit Längerem in der Kritik. Der ADAC hat im September ihre Abschaffung gefordert. Die Regel habe zwar die Zahl der Preisänderungen verringert und Erhöhungen berechenbarer gemacht, die Preise aber nicht gesenkt. Die Spanne innerhalb eines Tages sei sogar deutlich größer geworden. Wer nach 12 Uhr tanken muss, zahle spürbar drauf.







