Auto-Abos gelten als flexible Alternative zu Leasing oder Langzeitmiete. Doch wie positioniert sich dieses Modell im Flottenmarkt tatsächlich – und für welche Unternehmen lohnt es sich? Darüber spricht firmenauto mit dem CEO des Auto-Abo-Anbieters Vibe, Martin Rada. Der Anbieter kombiniert Abo-Modelle mit digitalen Services und setzt verstärkt auf Elektromobilität sowie gebrauchte E-Fahrzeuge im Abo. Im Interview erklärt Rada, warum Auto-Abos für viele Flotten näher am Leasing als am Carsharing liegen, welche Rolle Preis und Flexibilität spielen – und welches Wachstumspotenzial er für den deutschen Markt sieht.
Herr Rada, wo positioniert sich vibe moves you im Markt zwischen Leasing, Miete und Sharing?
Das Auto-Abo ist für viele noch immer erklärungsbedürftig – ähnlich wie Leasing in den Anfangsjahren. Wir bewegen uns zwischen Sharing, Miete, Finanzierung und klassischem Leasing, sind aber vom Nutzungsprofil her klar näher am Leasingkunden. 90 Prozent unserer Kunden sind Unternehmen, die Laufzeiten von bis zu 48 Monaten buchen.

Vibe moves you bietet unter anderem gebrauchte E-Autos im Abo-Modell „revibe“ an.
Was unterscheidet Ihr Modell vom klassischen Full-Service-Leasing?
Flexibilität. Fahrzeuge können getauscht werden, Kilometerpakete lassen sich monatlich anpassen, ebenso der Versicherungs-Selbstbehalt. Selbst ein vorzeitiger Ausstieg ist möglich. Zudem ist die Rate wirklich all-inclusive: Steuer, Versicherung, Wartung, Reifen, Schadenmanagement, Vignette – alles enthalten. Nur der Strom ist nicht Teil der Pauschale.
Laut Dataforce-Studie ist der Preis das wichtigste Entscheidungskriterium für Flotten. Sind Abos nicht teurer?
Der Preis ist ein zentrales Kriterium – das sehen wir genauso. Entscheidend ist jedoch, womit man vergleicht. Wenn man unser Modell mit einem Full-Service-Leasing vergleicht, liegen wir auf einem sehr ähnlichen Niveau. Der Unterschied liegt nicht im „Aufpreis für Flexibilität“, sondern darin, dass wir diese Flexibilität ohne zusätzliche versteckte Kosten anbieten – etwa beim Fahrzeugwechsel oder bei der Anpassung der Kilometerleistung. Mit revibe bieten wir zudem eine günstigere Variante für gebrauchte E-Fahrzeuge an, die preislich noch attraktiver ist. Am Ende zählt für Flotten die planbare Monatsrate – und die ist bei uns transparent und kalkulierbar.
Warum setzen Sie mit „revibe“ auf gebrauchte E-Autos im Abo? Und für wen ist es besonders interessant?
Weil wir damit zwei Ziele erreichen: Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Revibe-Fahrzeuge sind 10 bis 15 Prozent günstiger bei vollem Serviceumfang. Gleichzeitig verlängern wir die Nutzungsdauer der Fahrzeuge sinnvoll und bringen sie effizient wieder in den Markt. revibe richtet sich vor allem an kleinere Flotten, kostenbewusste Unternehmen oder auch an Mitarbeitende mit geringerem Mobilitätsbedarf – ohne dass sie auf Elektromobilität verzichten müssen.

Der Markenmix ist breit gefächert – und ähnelt der Marktaufteilung in Deutschland und Europa: Die VW-Gruppe insbesondere mit ihren Marken VW und Skoda macht rund 40 Prozent aus, auch BMW und Tesla sind stark vertreten.
Besteht dabei nicht die Gefahr, dass revibe das Neuwagen-Abo kannibalisiert?
Es gibt keine Kannibalisierung, sondern Ergänzung. Unsere Auslastung liegt bei rund 90 Prozent. Durch unsere hohe Digitalisierung wissen wir frühzeitig, wann Fahrzeuge zurückkommen, und bringen sie – nach Aufbereitung – ohne lange Standzeiten wieder in den Markt.
Wie entwickelt sich Ihr Geschäft?
2025 waren in Österreich rund 3.500 Fahrzeuge von uns im Einsatz. Für den deutschen Markt sehen wir perspektivisch ein Potenzial von bis zu 35.000 Fahrzeugen. Immerhin hat der deutsche Markt nach unserer Meinung einen erheblichen Nachholbedarf – insbesondere im Mittelstand.
Welche Hersteller sind in welchem Mix derzeit in Ihrer Flotte vertreten?
Unser Markenmix ist bewusst breit – und ähnelt der Marktaufteilung in Deutschland und Europa: Die VW-Gruppe insbesondere mit ihren Marken VW und Škoda, macht rund 40 Prozent aus. Auch BMW und Tesla sind stark. Es folgen Hyundai, Kia, Ford, Stellantis und natürlich auch chinesische Marken wie BYD und Xpeng, die unser Portfolio ergänzen – je nach Bedarf der Flotte.
Sie haben mit „vibe e-connect“ ein eigenes Ökosystem gestartet. Warum dieser Schritt?
Wir wollen den nächsten Mehrwert schaffen. Im Fleet-Cockpit laufen alle Infos zusammen – unabhängig von Fahrzeug und Marke: Kilometerstände, Ladeverhalten, Verträge, Dokumente, Kosten. Auch das Thema Home Charging wird abgedeckt: Ladevorgänge werden automatisch erfasst und steuerkonform abgerechnet – auch ohne smarte Wallbox.
Und für die Fahrer?
Die Driver-App zeigt Kilometerstand, Akkustand, Reichweite und dokumentiert Fahrten inklusive Verbrauch und Außentemperatur. Auch ein digitales Fahrtenbuch ist integrierbar.
Planen Sie weitere Services?
Wir verstehen uns nicht nur als Fahrzeuganbieter, sondern als Mobilitäts-Ökosystem. Kooperationen mit Energieanbietern, Lade-Services und perspektivisch auch Park- oder Waschlösungen sollen Mehrwert schaffen. Auch bidirektionales Laden und V2G werden in Zukunft eine Rolle spielen.











