Gewinne der Autohersteller sinken 2025

Gewinne der Hersteller sinken deutlich
Toyota, BMW und Mercedes bleiben vorn

Sinkende Gewinne, schwindende Margen: Laut einer CAM-Analyse steht die Automobilindustrie 2025 unter Druck. Nur wenige Hersteller können sich über dem Branchenschnitt halten.

Prof. Dr. Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach, im Gespräch über die wirtschaftliche Lage der Automobilhersteller 2025
Foto: CAM

Laut einer aktuellen Analyse des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach fällt die durchschnittliche EBIT-Marge der neun größten Automobilhersteller in den ersten drei Quartalen 2025 auf 5,5 Prozent – nach 7,8 Prozent im Vorjahreszeitraum. Die kumulierten operativen Gewinne sinken um 29 Prozent. Damit verliert die Branche spürbar an Ertragskraft, während Umsätze und Absätze nahezu stagnieren. Besonders betroffen sind etablierte Volumenmarken, die im globalen Wettbewerb stärker unter Preisdruck stehen.

Premiumhersteller spüren Druck, bleiben aber profitabel

Im oberen Marktsegment halten sich BMW und Mercedes-Benz weiterhin besser als viele Konkurrenten. BMW erzielt mit rund 4.500 Euro Gewinn pro Fahrzeug die höchste Profitabilität, gefolgt von Mercedes-Benz mit 3.200 Euro. Dennoch ist auch hier der Trend rückläufig: BMW verliert 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei Mercedes beträgt der Einbruch sogar 55 Prozent. Für beide bleibt das Geschäft im Premiumsegment profitabel, allerdings auf niedrigerem Niveau als 2024.

Volkswagen fällt deutlich zurück

Weniger stabil zeigt sich die VW Group: Ihr Gewinn pro Fahrzeug sinkt um 58 Prozent auf nur noch 819 Euro. Neben schwächeren Margen im europäischen Markt belastet die schleppende Nachfrage in China die Bilanz. Zugleich drückt der hohe Investitionsbedarf in Elektromobilität und Softwareentwicklung auf die operative Rendite. Damit liegt Volkswagen im Branchenvergleich am unteren Ende des Feldes.

Ford verbessert sich leicht, US-Konkurrenz verliert

Unter den US-Herstellern ist Ford der einzige Anbieter mit leicht positiver Entwicklung. Der Gewinn pro Fahrzeug steigt von 1.100 auf 1.679 Euro, bleibt aber weiterhin unterdurchschnittlich. General Motors und Tesla verzeichnen hingegen deutliche Rückgänge um 47 bzw. 45 Prozent. Tesla erwirtschaftet pro Auto noch 2.177 Euro und liegt damit über dem Branchendurchschnitt, doch die Margen schmelzen auch hier infolge von Preissenkungen und steigenden Kosten.

BYD steigert Absatz, verdient aber weniger

Der chinesische Hersteller BYD kann seine Verkaufszahlen zwar deutlich erhöhen und zählt mit 3,3 Millionen Fahrzeugen inzwischen zu den fünf größten Autokonzernen weltweit. Dennoch sinkt der Gewinn pro Fahrzeug um 26 Prozent auf 1.103 Euro. Das Wachstum geht zulasten der Ertragskraft – ein Zeichen für den anhaltenden Preiskampf im Segment der elektrifizierten Fahrzeuge, der sich zunehmend auch auf internationale Märkte ausweitet.

Toyota bleibt stärkster Hersteller weltweit

Mit 8,4 Prozent EBIT-Marge und 7,1 Millionen verkauften Fahrzeugen behauptet Toyota seine Spitzenposition. Der Konzern profitiert von einer breiten Modellpalette und vergleichsweise stabilen Absatzmärkten. Hinter Toyota folgen Volkswagen mit 6,6 Millionen und General Motors mit 4,6 Millionen Fahrzeugen. Hyundai liegt mit 4,3 Millionen Einheiten knapp vor Ford und BYD. Trotz minimalem Umsatzwachstum von 0,5 Prozent zeigt sich: Die Branche wächst in der Stückzahl kaum, die Gewinne sinken jedoch deutlich.

CAM sieht Automobilindustrie vor Konsolidierung

Laut Studienleiter Prof. Dr. Stefan Bratzel befindet sich die Automobilindustrie in einer "Phase hoher Volatilität". Wirtschaftliche Schwächen in wichtigen Absatzmärkten, geopolitische Unsicherheiten und steigende Entwicklungskosten für Elektromobilität, softwaredefinierte Fahrzeuge und automatisiertes Fahren setzen Hersteller unter Druck. Bratzel erwartet einen "darwinistischen Ausleseprozess", bei dem nur die flexibelsten und effizientesten Unternehmen bestehen. Entscheidend seien künftig Kosteneffizienz, Innovationsgeschwindigkeit und die Fähigkeit, strategische Allianzen einzugehen – denn die Transformation könne kaum ein Hersteller allein stemmen.

Ertragsdruck bleibt hoch

Für die kommenden Quartale erwarten Analysten keine rasche Entspannung. Der Wettbewerb im E-Auto-Segment verschärft sich, während die Nachfrage in Europa und China schwankt. Viele Hersteller dürften ihre Gewinnziele für das Gesamtjahr 2025 nur mit Kostensenkungen erreichen. Das CAM sieht in dieser Entwicklung eine Zäsur: Die Profitabilität der Branche sinkt, während die technologische Transformation unvermindert Kapital bindet – eine Herausforderung, die selbst starke Marken an ihre Grenzen bringt.