Elektroautos gewinnen im Flottenmarkt an Bedeutung – und mit ihnen das Leasing als bevorzugte Finanzierungsform. Dr. Claudia Conen, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL), beobachtet eine klare Entwicklung: Unternehmen setzen beim Umstieg auf Elektromobilität verstärkt auf planbare Kosten, flexible Vertragsmodelle und Risikosteuerung. Im Interview spricht sie über steigende Leasingquoten bei batterieelektrischen Fahrzeugen, die Rolle gewerblicher Flotten und neue Geschäftsmodelle wie Auto-Abos. Außerdem erläutert sie, welche politischen Rahmenbedingungen Investitionen in klimafreundliche Firmenwagen erleichtern könnten – und wo aus Sicht der Branche noch Handlungsbedarf besteht.
Warum entscheiden sich Unternehmen bei Elektroautos häufig für Leasing – liegen die Gründe eher in kalkulierbaren Kosten oder in der Verlagerung von Restwertrisiken?
Beides spielt eine Rolle, aber aus unserer Sicht ist der Umgang mit Risiken derzeit der wichtigere Faktor. Beim Umstieg auf Elektromobilität stehen Unternehmen vor Unsicherheiten bei Restwerten und der technischen Entwicklung. Leasing hilft, diese Risiken zu begrenzen. Für betriebliche Elektrofahrzeuge wurde 2025 eine degressive Abschreibung von 75 Prozent im Jahr der Anschaffung eingeführt. Dass sich viele Unternehmen dennoch für Leasing entscheiden, zeigt, wie wichtig die Vorteile sind: planbare Kosten, Risikoreduzierung und Flexibilität. Hinzu kommen Services, die viele Leasinggesellschaften ergänzend anbieten, etwa Wartung, Reifenmanagement oder Schadensabwicklung. Das zeigt sich auch in den Marktzahlen: Der Leasing-Anteil an neu zugelassenen batterieelektrischen Pkw ist 2025 auf rund zwei Drittel gestiegen. Zwei von drei neuen Elektroautos kommen mittels Leasing auf die Straße.
Der Markt für elektrische Dienstwagen wächst, gleichzeitig bleibt die Ladeinfrastruktur ein Engpass. Erweitern Leasinganbieter deshalb ihr Angebot um Ladelösungen?
Ja, das beobachten wir. Es geht längst nicht mehr nur um das Fahrzeug selbst, sondern zunehmend um das Gesamtsystem aus Fahrzeug, Ladepunkt, Netzanschluss, teilweise auch in Ergänzung mit einer PV-Anlage. Genau deshalb ist es aus unserer Sicht wichtig, dass öffentliche Fördermaßnahmen nicht nur Fahrzeuge, sondern auch Ladeinfrastruktur und alle Finanzierungsformen einbeziehen.
Welche Rolle spielen gewerbliche Flotten im Leasingmarkt?
Eine sehr große. Leasing ist besonders stark im gewerblichen Flottenmarkt verankert, weil Unternehmen dort auf planbare Kosten, regelmäßige Fahrzeugerneuerung und professionelles Fuhrparkmanagement angewiesen sind. Beim Technologiewechsel zur Elektromobilität kommt hinzu, dass Flottenbetreiber Risiken aktiv steuern müssen.
Sind Auto-Abos Konkurrenz für klassisches Leasing?
Wir sehen Auto-Abos derzeit weniger als Konkurrenz, sondern eher als Ergänzung für bestimmte Nutzungssituationen. Die Zielgruppe sind vor allem Privatkunden, die maximale Flexibilität suchen, etwa wenn heute ein Transporter gebraucht wird, morgen ein Sportwagen und übermorgen ein geräumiges Familienfahrzeug. Für solche kurzfristigen und wechselnden Nutzungsbedürfnisse kann ein Abo-Modell sinnvoll sein. Zudem sind Auto-Abos in der öffentlichen Wahrnehmung und in der Medienberichterstattung deutlich präsenter, als es ihr tatsächlicher Marktanteil bislang widerspiegelt. Dennoch geht diese Entwicklung an der Leasing-Branche keineswegs vorbei. Einige Leasinggesellschaften bieten bereits selbst Abo-Modelle an. Insgesamt beobachten wir im Markt einen wachsenden Wunsch nach Flexibilität. Dieser äußert sich jedoch weniger in komplett neuen Modellen als häufig in kürzeren Laufzeiten oder ergänzenden Mobilitätslösungen. Unternehmen kombinieren etwa Leasing für ihre Kernflotte mit Mietmodellen, beispielsweise wenn kurzfristig Fahrzeuge für neue Mitarbeiter benötigt werden.
Bremst Regulierung Investitionen im Leasingmarkt?
Leasing ist ein wichtiger Investitionsmotor und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands – gerade in Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit und strukturellen Wandels. Die Branche verfügt über ein ausgeprägtes Know-how der jeweiligen Güter sowie der Märkte. Dieses Wissen ermöglicht es, die Kunden über die bestmögliche Nutzung des Wirtschaftsguts zu beraten, optimale Finanzierungsmodelle zu entwickeln und ergänzende Services anzubieten. Aufgrund des Geschäftsmodells kann die Branche auch Investitionen realisieren, bei denen sich andere Finanzierer zurückhalten. Zusätzlich gibt ein Leasing-Vertrag Planungssicherheit. Dass die Leasing-Branche gewachsen ist, bedeutet also nicht gleichzeitig, dass die Wirtschaft mehr investiert hat. Die Unternehmen haben ihre Investitionen nur anders finanziert. Die Leasing-Quote an den gesamtwirtschaftlichen Ausrüstungsinvestitionen ist entsprechend gestiegen. Die Regulierung des Finanzsystems ist grundsätzlich richtig und wichtig. Entscheidend ist jedoch, dass Regulierung verhältnismäßig bleibt und die Besonderheiten unterschiedlicher Geschäftsmodelle berücksichtigt. Leasinggesellschaften arbeiten mit realwirtschaftlichen Investitionsgütern und unterscheiden sich strukturell deutlich von Banken. Die mittelständisch geprägte Leasingwirtschaft darf daher nicht in ihrer Rolle als Investitionspartner des Mittelstands behindert werden. Gerade angesichts des Investitionsstaus in Deutschland kommt es darauf an, dass Investitionen schnell und effizient umgesetzt werden können.
Welche Politik würde klimafreundliche Firmenwagen stärker fördern?
Unternehmen brauchen vor allem verlässliche Rahmenbedingungen: einen planbaren Ausbau der Lade- und Netzinfrastruktur, kalkulierbare Energiekosten, praktikable Fördermaßnahmen und technologieoffene Übergangspfade. Wichtig ist, dass Förderprogramme nicht nur auf Eigentum, sondern auf tatsächliche Nutzung ausgerichtet sind. Leasing wurde in Programmen oft nicht mitgedacht, obwohl Unternehmen darauf in der Praxis stark zurückgreifen. Wir sehen angesichts neuer Förderprogramme im Bund und in den Ländern eine Bewegung in die richtige Richtung.
Die Sonderabschreibung für Elektrofahrzeuge könnte Leasinggesellschaften theoretisch Vorteile bringen, aber auch Risiken bergen. Wie gehen Ihre Mitgliedsunternehmen damit um?
Aufgrund der Sonderabschreibung können wir kein Risiko bei unseren Mitgliedern erkennen. Viele Leasinggesellschaften werden die Sonder-AfA gar nicht in Anspruch nehmen, da das Umstellen der Prozesse für zwei Jahre sehr aufwendig ist. Für die Branche wäre es wichtiger, die herkömmliche degressive AfA von 30 Prozent dauerhaft beizubehalten, statt auf einmalige Sonderabschreibungen zu setzen. Sie bildet den tatsächlichen Wertverlauf von Fahrzeugen besser ab und sorgt für verlässlichere Investitionsbedingungen.









