BEV-Pflicht trifft Lieferrealität: Fuhrparkmanager im Zielkonflikt
Die Vorgaben sind klar, die Fahrzeuge oft nicht verfügbar. Während viele Unternehmen ihre Flotten konsequent elektrifizieren wollen oder müssen, scheitert die Umsetzung in der Praxis häufig an einem banalen Faktor: Lieferzeiten. Die Global Fleet Survey 2025 bringt das Problem für Europa – und damit auch für Deutschland – auf den Punkt. Alle befragten europäischen Flotten nennen die eingeschränkte OEM-Lieferfähigkeit als größte Bremse ihrer Dekarbonisierung.
Wenn die Car Policy schneller ist als der Markt
In vielen deutschen Fuhrparks ist die Richtung längst vorgegeben: BEV first, Verbrenner nur noch in Ausnahmefällen. Car Policies wurden verschärft, Auswahlkataloge angepasst, interne CO₂-Ziele definiert. Doch was passiert, wenn die vorgesehenen Elektrofahrzeuge nicht lieferbar sind – oder erst in zwölf, 18 oder 24 Monaten?
Genau hier entsteht der operative Zielkonflikt
Fuhrparkmanager müssen Fahrzeuge beschaffen, um Mobilität sicherzustellen – auch dann, wenn die strategisch bevorzugte Antriebsart aktuell nicht verfügbar ist. Die Studie bestätigt damit ein Problem, das längst Alltag in den Fuhrparkabteilungen ist: Elektrifizierung scheitert nicht an Akzeptanz, sondern an Angebot.
Zwischenlösung statt Idealzustand
Die Folge sind pragmatische Entscheidungen, die selten offen kommuniziert werden:Haltedauern werden verlängert, Plug-in-Hybride bleiben länger im System oder Verbrenner werden trotz gegenteiliger Policy nochmals bestellt. Für Fuhrparkmanager bedeutet das zusätzlichen Begründungsaufwand – intern gegenüber Nachhaltigkeitsabteilungen ebenso wie extern im Rahmen von ESG- und CO₂-Reportings.
Die Studie macht deutlich: Diese Entscheidungen sind kein Managementversagen, sondern systembedingt. Der Markt gibt aktuell nicht her, was viele Strategiepapiere verlangen.
Was Fuhrparkmanager konkret daraus ziehen können
Der Mehrwert der Studie liegt weniger in neuen Erkenntnissen als in ihrer Entlastungsfunktion. Sie liefert eine belastbare Argumentationsgrundlage für Gespräche mit:
- Geschäftsführung und Einkauf
- Nachhaltigkeits- und ESG-Verantwortlichen
- HR und Betriebsräten
Wenn selbst europaweit agierende Flotten die Lieferfähigkeit als Hauptproblem nennen, lässt sich der Zielkonflikt zwischen CO₂-Zielen und Beschaffungsrealität sachlich begründen.
Fazit: Strategie braucht Lieferfähigkeit
Die Elektrifizierung von Flotten ist beschlossen – aber sie lässt sich nicht per Richtlinie erzwingen. Für Fuhrparkmanager heißt das: Car Policies müssen aktuell flexibler sein als geplant, ohne das langfristige Ziel aus den Augen zu verlieren. Die Global Fleet Survey 2025 zeigt, dass dieser Spagat kein Einzelfall ist, sondern ein strukturelles Problem des Marktes.
Kurz gesagt: Nicht der Wille bremst die Elektromobilität im Fuhrpark, sondern die Verfügbarkeit der Fahrzeuge.







