Elektroautos boomen, die Neuzulassungen sind in den vergangenen Monaten sprunghaft angestiegen. Hält die Nachfrage weiter so stark an, könnte dies Ladesäulen-Betreiber und Stromanbieter bald in Bedrängnis bringen. Doch Deutschland und Europa seien für den Massenmarkt gerüstet, hieß es bei der icnc26 (intercharge network conference) in Berlin. Sie gilt als europäische Leitmesse für die Elektromobilitäts- und Ladeinfrastrukturbranche.
Deutschland produziert 1,67 Millionen Elektroautos
Jahrzehntelang dominierten Verbrenner-Fahrzeuge die Straßen. Inzwischen entwickle sich die Elektromobilität zum „Rückgrat“ der europäischen Industrie, sagte Messe-Veranstalter Christian Hahn. Etwa 3,2 Millionen Elektro-Neuwagen (BEV) seien 2025 in der EU produziert worden. Dabei sei Deutschland mit 1,67 Millionen gebauten BEV bereits das „Kraftzentrum“ der europäischen E-Mobilität.
Diese Faktoren treiben den E-Auto-Markt
Die Hersteller wollen mit Milliarden-Beträgen massiv weiter investieren. Dabei erwartet die Branche, dass der Markt durch einige Wachstumstreiber an Fahrt aufnimmt. Dazu gehören die hohen Spritpreise, die derzeit viele Autofahrer zum Umstieg auf ein batteriebetriebenes Modell bewegen. Außerdem wird die Technik der Stromer besser, Reichweiten und Ladetempo sind deutlich gestiegen.

Auf der Intercharge gibt es viele Aussteller, die mehr Tempo bei Ausbau von Infrastruktur und Ladezeiten fordern und ankündigen.
214.000 Ladepunkte reichen nicht für jede Hürde
Auch bei der Ladeinfrastruktur habe man „große Sprünge“ gemacht, sagte Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). 214.000 öffentliche Ladepunkte seien inzwischen bundesweit errichtet worden, davon zunehmend Schnelllade-Standorte. Sie selbst sei E-Fahrerin und zu Urlaubszeiten mit dem Stromer in Europa unterwegs. Elektrisch auf der Langstrecke: „Das ist überhaupt kein Thema mehr“, so Andreae.
Hohe Ladekosten und Stromnetze bleiben Hürden
Herausforderungen sieht die Branche bei den Ladekosten. Der Preis für Fahrstrom ist an öffentlichen Stationen teils hoch, vor allem wenn man spontan und ohne Abo laden muss. Um Elektroauto-Fahren attraktiver zu machen, müsse die Stromsteuer in Deutschland auf ein europäisches Mindestmaß gesenkt werden, forderte Kerstin Andreae vom BDEW. Um die Ladeinfrastruktur weiter auszubauen, seien schnellere Verfahren und weniger Bürokratie nötig. So dauert es teils monatelang, bis neue Netzanschlüsse genehmigt und gebaut werden. Dazu kommen Kapazitätsgrenzen: Viele bestehende Trafostationen und Leitungen sind für die hohe Leistung von Schnellladeparks nicht ausgelegt.
Unter fünf Minuten von 10 auf 80 Prozent
Bald soll sogar noch viel schneller geladen werden. Auf den vergangenen „Motor-Shows“ seien bereits E-Autos vorgestellt worden, die in unter fünf Minuten den Akku von 10 auf 80 Prozent wieder aufladen könnten, sagte Martin Roemheld, Chef für E-Mobilität beim Energiekonzern EnBW. „Laden so schnell wie tanken: Das ist keine Zukunftsvision mehr.“







