E-Transporter: Deutschland vor China-Risiko

E-Transporter in Europa
T&E-Studie: Deutschland droht Rückschritt

E-Transporter legen in Europa deutlich zu. Eine neue T&E-Studie macht daraus eine Standortfrage: Deutschland ist zweitgrößter Van-Produzent Europas, doch weichere CO2-Ziele könnten China stärken. Wie kann das passieren?

Collage mit elektrischen Vans verschiedener Hersteller, darunter ein Lieferwagen an einer Ladesäule.
Foto: Ford, VW, Opel, Mercedes

Deutschland ist nach Frankreich der zweitgrößte Produzent leichter Nutzfahrzeuge in der EU. Genau deshalb ist die Debatte um die europäischen CO2-Flottengrenzwerte für Transporter auch eine Standortfrage. Nach einer neuen Studie von Transport & Environment (T&E) wächst der Markt für elektrische leichte Nutzfahrzeuge schneller als von der Industrie oft dargestellt. Eine Lockerung der Vorgaben könnte den Hochlauf jedoch deutlich bremsen – und europäischen Herstellern im Wettbewerb mit China schaden.

Grafik zur Van-Produktion 2025 in der EU mit Deutschland als zweitgrößtem Produzenten von E-Vans.
T&E

Deutschland ist nach Frankreich zweitgrößter Produzent vollelektrischer Vans in der EU. Laut T&E-Berechnungen könnte ein gebremster E-Hochlauf deshalb besonders den Standort treffen.

Mercedes und VW prägen den Standort

Nach T&E-Angaben stiegen die Verkäufe elektrischer leichter Nutzfahrzeuge in der EU 2025 um 68 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Deutschland fiel das Plus im ersten Quartal 2026 mit 83 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum noch stärker aus. Ein Grund dafür seien bessere Gesamtbetriebskosten. Gerade für gewerbliche Nutzer werden E-Transporter damit zunehmend kalkulierbarer.

Für Deutschland ist der Trend auch industriepolitisch relevant. Europa produzierte 2025 laut T&E insgesamt 1,9 Millionen Vans, die größte Klasse leichter Nutzfahrzeuge. Frankreich kam auf 26 Prozent der europäischen Produktion, Deutschland auf zwölf Prozent. Hierzulande stehen unter anderem Mercedes-Benz Vans und Volkswagen Nutzfahrzeuge für große Transporter-Kompetenz; im europäischen Wettbewerb spielen zudem Hersteller wie Ford Pro, Stellantis und Renault eine wichtige Rolle.

China baut Elektro-Plattformen aus

T&E warnt deshalb vor einer Abschwächung der CO2-Ziele. Nach Prognose der Organisation könnten elektrische leichte Nutzfahrzeuge bis 2030 bereits 43 Prozent der EU-Verkäufe erreichen, bis 2031 sogar 50 Prozent. Der europäische Herstellerverband ACEA hält die Vorgaben dagegen für zu ambitioniert und fordert Lockerungen. Würde sich diese Linie durchsetzen, läge der E-Anteil laut T&E 2030 nur bei 27 Prozent und würde bis 2035 auf 61 Prozent steigen.

Der eigentliche Gegner sitzt aus Sicht von T&E längst nicht mehr nur in Brüssel, sondern auch in China. Dort wurden 2025 bereits 0,8 Millionen Vans produziert. Zudem basierten 49 Prozent der von chinesischen Herstellern gebauten leichten Nutzfahrzeuge auf speziell für Elektrofahrzeuge entwickelten Plattformen. Bei europäischen Herstellern lag dieser Anteil laut T&E nur bei 18 Prozent. Solche Plattformen können Kosten senken, Effizienz verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.

Mehr Nachfrage durch Unternehmensflotten

„Wenn wir jetzt die Elektrifizierungsziele verwässern, obwohl wir auf dem richtigen Weg sind, dann bremsen wir europäische Investitionen aus“, sagt Susanne Goetz, Senior Referentin bei T&E Deutschland. Chinesische Hersteller würden in dieser Fahrzeugklasse zu ernsthaften Wettbewerbern.

Neben stabilen CO2-Grenzwerten fordert T&E mehr Druck auf die Nachfrage. Die geplante Clean Corporate Vehicles Regulation soll großen Unternehmensflotten Elektrifizierungsziele vorgeben. Die bislang vorgeschlagenen Werte seien jedoch zu niedrig, um große Unternehmen zu echten Treibern der Elektrifizierung von Lieferwagen zu machen. Höhere Ziele könnten nach Einschätzung von T&E auch den Gebrauchtmarkt für elektrische Transporter schneller in Gang bringen.

Für Deutschland lautet die Botschaft klar: Als zweitgrößter europäischer Produktionsstandort für elektrische leichte Nutzfahrzeuge hätte die Industrie bei einem gebremsten Hochlauf viel zu verlieren. „Die Bundesregierung sollte diesen Zukunftssektor unterstützen und jede weitere Abschwächung der CO2-Ziele ablehnen“, sagt Goetz.