Ford will in Europa wieder sichtbarer werden. Unter dem Motto „Ready-Set-Ford“ kündigt der Hersteller sieben neue Modelle bis Ende 2029 an: fünf Pkw und zwei Nutzfahrzeuge. Nach dem Aus für Fiesta, Focus, S-Max und Galaxy soll das Programm wieder mehr Breite bekommen – allerdings nicht nach altem Muster. Ford setzt auf elektrische Kleinwagen, Crossover mit mehreren Antriebsarten, robuste SUV, Nutzfahrzeuge und Partnerschaften mit anderen Herstellern.
Sieben neue Ford-Modelle bis 2029
Ford spricht von drei Markenwelten: Build, Thrill und Adventure. Dahinter stehen Nutzfahrzeuge und Gewerbekunden, sportlich positionierte Pkw sowie robuste Freizeit- und Offroad-Modelle. Das ist Marketing, beschreibt aber die neue Sortierung recht treffend. Ford will nicht mehr überall mitspielen, sondern dort stärker werden, wo die Marke in Europa noch Profil hat: bei Transportern, Pick-ups, Crossovern und emotionaleren Pkw.
Ford Pro bleibt das Nutzfahrzeug-Fundament
Das Rückgrat bleibt Ford Pro. Der Nutzfahrzeugbereich soll nicht nur Fahrzeuge verkaufen, sondern Standzeiten senken, Fahrzeugdaten nutzbar machen und Serviceprozesse enger mit dem Händlernetz verbinden. Ford verweist auf 879.000 kostenpflichtige Software-Abos weltweit im ersten Quartal 2026 und mehr als 1,2 Millionen vernetzte europäische Kunden. Über Uptime Services sollen Händler Fahrzeugzustände überwachen, Kunden früher kontaktieren und Werkstattaufenthalte vorbereiten, bevor ein Fahrzeug ausfällt. In Pilotprojekten sollen Reparaturzeiten um bis zu 50 Prozent gesunken und 80 Prozent der Reparaturen proaktiv erkannt worden sein.

Der Ford Transit City ist als rein elektrischer Transporter für planbare Stadteinsätze vorgesehen. Das Modell soll unterhalb beziehungsweise neben dem Transit Custom positioniert werden.
Neuer Ford Transit City für die Stadt
Neu im Programm ist der Transit City. Ford positioniert den rein elektrischen Transporter unterhalb beziehungsweise neben dem bestehenden Transit Custom. Das Fahrzeug ist auf planbare Stadteinsätze zugeschnitten: Handwerk, Lieferdienste, Paketdienste, Kühltransporte, Grünflächenämter und kommunale Aufgaben. Der Ansatz ist bewusst einfach gehalten. Es gibt eine Batterie, einen Motor, eine Spezifikation und praktisch keine Optionslogik. Serienmäßig an Bord sind nach Angaben des Produktmanagements unter anderem adaptive Geschwindigkeitsregelanlage, Rückfahrkamera, Parksensoren vorn und hinten sowie ein ausgestatteter Laderaum mit Boden, Seitenverkleidung und Verzurrösen.
Elektro-Transporter mit 55-kWh-Batterie
Die technischen Eckdaten zeigen, worum es geht: nicht um maximale Reichweite, sondern um ein bezahlbares E-Nutzfahrzeug für feste Touren. Der Transit City nutzt eine 55-kWh-LFP-Batterie. Ford nennt eine angestrebte Reichweite von bis zu 254 Kilometern nach internen Tests. In der Präsentation verwies das Produktmanagement darauf, dass diese Reichweite für 98 Prozent der bekannten batterieelektrischen Nutzfahrzeug-Kunden ausreiche. In allen drei Varianten sollen drei Paletten Platz finden. Genannt wurden ein Kastenwagen mit kurzem Radstand und flachem Dach, ein Kastenwagen mit langem Radstand und hohem Dach sowie ein Fahrgestell. Das Ladevolumen liegt je nach Ausführung bei mehr als sechs bis acht Kubikmetern, die Nutzlast bei über einer Tonne.
Transit City kommt aus China
Produziert wird der Transit City in Nanchang in China gemeinsam mit Fords langjährigem Joint-Venture-Partner JMC. Ford betont, dass Spezifikation und Anforderungen aus Europa kommen und das Fahrzeug in Europa sowie in Deutschland getestet wurde. Dauerhaltbarkeitstests, wie sie Ford sonst in Lommel durchführt, habe das Fahrzeug ebenfalls absolviert. Damit reagiert Ford auf eine Lücke im eigenen Programm: Ein Hochdachangebot im Transit-Custom-Segment hatte sich verzögert, der Transit City soll kurzfristig genau dort einspringen.
Ford nennt erste Ziele für Deutschland
Der Zeitplan ist eng. Die Preisliste für das nackte Fahrgestell ist bereits veröffentlicht, weitere Preislisten für Pritsche und Koffer sollen folgen. Der Verkaufsstart läuft, der Produktionsstart ist für August geplant, die Lieferzeit bezifferte Ford auf rund zwei Monate. Auf der IAA will der Hersteller mehrere Fahrzeuge, Umbauten und Varianten zeigen. Für Deutschland nennt Ford eine klare Erwartung: Im kommenden Jahr sollen rund 3.000 Transit City zugelassen werden. Kannibalisierung im eigenen Programm erwartet Ford nicht. Das Fahrzeug soll zusätzliche Kunden erreichen, die mit dem bisherigen Angebot nicht passgenau bedient wurden.
Keine Anhängelast beim Transit City
Eine Einschränkung bleibt: Eine Anhängelast ist aktuell nicht vorgesehen. Für Garten- und Landschaftsbauer, Handwerker oder kommunale Betriebe mit Anhängerbedarf verweist Ford auf den Transit Custom, der je nach Ausführung deutlich mehr ziehen kann. Damit wird die Positionierung des Transit City schärfer: Er ist kein elektrischer Alleskönner, sondern ein reduziertes Stadtfahrzeug.

Der Ford Ranger Super Duty erweitert die Pick-up-Baureihe nach oben. Ford nennt fast zwei Tonnen Nutzlast, bis zu 4,5 Tonnen Anhängelast und ein zulässiges Gesamtzuggewicht von acht Tonnen.
Ranger Super Duty für harte Einsätze
Das zweite neue Nutzfahrzeug ist der Ranger Super Duty. Er erweitert die Pick-up-Familie nach oben und zielt auf schwere Einsätze. Ford nennt fast zwei Tonnen Nutzlast, bis zu 4,5 Tonnen Anhängelast und ein zulässiges Gesamtzuggewicht von acht Tonnen. Angesprochen werden Rettungsdienste, Forstwirtschaft, Bergbau, Militär, Spezialaufbauten und Organisationen mit besonders anspruchsvollen Einsatzprofilen. Allerdings verweist Ford darauf, dass der Ranger Super Duty zunächst für geschlossene Areale, Betriebsgelände und Institutionen mit eigenem Zulassungsrecht zugeschnitten ist. Eine Ausweitung für den regulären Straßenverkehr wird geprüft.
Neuer Bronco-Ableger aus Valencia
Bei den Pkw will Ford die sichtbaren Lücken im Portfolio schließen. Fünf neue Modelle sollen bis Ende 2029 kommen, in Europa für Europa entwickelt oder gefertigt. Den Anfang macht ein neues Mitglied der Bronco-Familie. Das Modell soll ab 2028 in Valencia gebaut werden und als robuster Kompakt-SUV antreten. Im Portfolio soll das Modell in den Dimensionen des Kuga eingeordnet werden. Anders als der große Bronco soll es stärker auf europäische Kunden zugeschnitten sein, aber laut Ford echte Offroad-Fähigkeiten behalten.
Elektrischer Kleinwagen als Fiesta-Erbe
Darüber hinaus plant Ford einen elektrischen Kleinwagen. Offiziell bleibt der Name offen, die Rolle ist aber klar: Dieses Modell soll die Lücke füllen, die der Fiesta hinterlassen hat. Der ergänzende Modelltext ordnet ihn als Fiesta-Nachfolger ein und verweist auf Renault-Technik. Demnach soll Ford auf die AmpR-Small-Architektur zurückgreifen, wie sie auch beim Renault 5 verwendet wird. Montiert werden soll das Fahrzeug im Renault-Werk Douai in Nordfrankreich. Ford baut damit keine eigene Kleinwagenplattform mehr auf, sondern nutzt die Skaleneffekte eines Partners. Eigenständig werden sollen Design, Innenraum und Fahrwerksabstimmung.
Kleiner Elektro-SUV für User-Chooser
Und als Drittes kommt ein kleiner Elektro-SUV. Auch hier nennt Ford offiziell keinen Namen. Naheliegend ist eine Rolle im Umfeld des Puma Gen-E. Der ergänzende Text sieht eine Nähe zur Renault-4-Architektur und zum stark wachsenden Klein-SUV-Segment. Ob das Modell den Puma Gen-E ergänzt oder langfristig ersetzt, bleibt offen.
Zwei Crossover mit Rallye-Anklang
Viertens und fünftens folgen zwei weitere Multi-Energy-Crossover. Ford beschreibt sie als Modelle mit „Rallye-Genen“. Das ist der unkonkreteste Teil der Ankündigung. Ford betont, es gehe nicht um Fahrzeuge, die nur dynamisch aussehen. Die künftigen Pkw sollen Fahrdynamik, Agilität und Belastbarkeit aus dem Rallyesport in die Serie übertragen. Gleichzeitig stellte Ford klar, dass Performance nicht automatisch V8 und hohen Verbrauch bedeute. Auch elektrische Plattformen und moderne Multi-Energy-Antriebe könnten sportlich ausgelegt werden.
Explorer und Capri werden aufgewertet
Bis diese Modelle kommen, will Ford das bestehende Programm stärker ausreizen. Explorer und Capri werden als Collection-Modelle aufgewertet. Der Capri erhält unter anderem ein Exterieur-Paket, ein aufgewertetes Interieur, neue Räder und die Farbe Tribute Blue. Der Explorer Collection kommt in Kaktus mit eigenen Akzenten. Zudem soll BlueCruise breiter ausgerollt werden. Die Assistenzfunktion war bisher vor allem mit dem Mustang Mach-E verbunden und soll künftig weitere Modelle aufwerten.
Ford setzt auf Renault, VW und JMC
Auffällig ist der hohe Anteil an Kooperationen. Kleine Elektroautos auf Renault-Basis, Explorer und Capri auf Volkswagen-MEB, Transit City mit JMC aus China, dazu eigene Ford-Modelle aus Valencia: Das ist kein klassisches Alles-aus-einer-Hand-Modell mehr, sondern ein pragmatischer Baukasten. Ford begründet diesen Weg mit Schnelligkeit, Skaleneffekten und Wettbewerbsfähigkeit.










