Geely Auto startet offiziell in Deutschland. In der neuen Deutschlandzentrale im hessischen Raunheim stellte die Geschäftsführung die ersten beiden Modelle für den Marktstart vor: den vollelektrischen Geely E5 und den Plug-in-Hybrid Starray EM-i. Damit kommt nicht einfach eine weitere chinesische Automarke nach Deutschland. Geely bringt ein ganzes Konzern-Ökosystem mit, beziehungsweise ist hier bereits seit Jahren vor Ort: Volvo, Polestar, Zeekr, Lynk & Co, Lotus, LEVC und Smart gehören ganz oder teilweise zum Umfeld der Geely Holding Group. Die Kernmarke Geely Auto soll nun selbst in Deutschland Fuß fassen.
Start mit E-SUV und Plug-in-Hybrid
Zum Auftakt setzt Geely auf zwei Modelle im volumenstarken SUV-Segment. Der Geely E5 ist ein vollelektrisches Kompakt-SUV und soll Kunden ansprechen, die ein alltagstaugliches E-Auto mit viel Ausstattung, moderner Technik und kalkulierbarem Preis suchen. Der Starray EM-i tritt als Plug-in-Hybrid an. Er soll elektrische Alltagsreichweite mit Langstreckentauglichkeit verbinden. Geely nennt bis zu 136 Kilometer elektrische WLTP-Reichweite und eine Gesamtreichweite von mehr als 1.000 Kilometern. Damit zielt die Marke auch auf Dienstwagenfahrer und Flottenkunden, die zwar elektrifizieren wollen, aber noch nicht in jedem Einsatzprofil vollständig auf ein batterieelektrisches Auto setzen können.
Deutschland wird Schlüsselmarkt
Für Geely ist Deutschland einer der wichtigsten Märkte in Europa. Der Auftritt in Raunheim zeigt, wie ernst es der Hersteller meint. Dort sitzt nicht nur die deutsche Landesgesellschaft, sondern auch ein Teil der europäischen Entwicklungsstruktur. Die Strategie lautet „In Europe for Europe“, erklärte Zack Zhang, Managing Director Geely Auto Deutschland und verweist auf Entwicklungsstandorte in Raunheim, Göteborg und Coventry sowie auf ein Design Center in Mailand. Fahrwerk, Lenkung, Sicherheit, Nutzererlebnis und Konnektivität sollen gezielt auf europäische Kunden abgestimmt werden. Das ist ein wichtiger Punkt. Denn viele neue Anbieter aus China mussten in Europa erst lernen, dass gute Technik allein nicht reicht. Fahrgefühl, Bedienlogik, Service, Restwert und Händlernetz entscheiden hier mindestens genauso stark.
Mehr als zehn Modelle bis 2028
Der E5 und der Starray EM-i sind nur der Anfang. Bereits im September 2026 soll mit dem Geely E2 ein weiteres vollelektrisches Modell folgen. Ende 2026 ist zusätzlich ein SUV mit PHEV-Antrieb für das D-Segment und ein PHEV-Sedan im C-Segment geplant. Bis 2028 will Geely sein europäisches Modellportfolio auf mehr als zehn Fahrzeuge ausbauen. Damit wird der Markteintritt nicht als Testballon angelegt, sondern als langfristige Modelloffensive.
Sicherheit als Vertrauensargument
Auffällig stark betont Geely das Thema Sicherheit. Der Hersteller verweist auf das eigene Geely Safety Center, das laut Zhang größte seiner Art im Raum Asien-Pazifik, mit Crash-Test-Anlagen, Batterieprüfzentren, Klimakammern und umfangreichen Testeinrichtungen. Gerade in Deutschland dürfte dieser Fokus wichtig sein. Neue chinesische Marken kämpfen nicht mehr nur um Preis und Reichweite, sondern vor allem um Vertrauen. Zudem hat Geely vor 16 Jahren Volvo übernommen und sich das Thema Sicherheit zu eigen gemacht. Geely setzt daher auf Euro-NCAP-Anspruch, lange Garantiezeiten und eigene Batterietechnologie. Die sogenannte Short Blade Battery nutzt LFP-Zellchemie, kommt ohne Kobalt und Nickel aus und soll auf bis zu 3.500 Ladezyklen beziehungsweise rund eine Million Kilometer ausgelegt sein.
Händlernetz wird schrittweise aufgebaut
Bis Ende 2026 will Geely in Deutschland mindestens 50 Vertriebs- und Servicestandorte etablieren. Der Fokus liegt auf Vollfunktionsbetrieben, die Verkauf und Service aus einer Hand anbieten. Das ist aus Flottensicht entscheidend. Ein attraktiver Einstiegspreis bringt wenig, wenn Service, Ersatzteile und Werkstattzugang nicht funktionieren. Bis das eigene Zentrallager in Deutschland steht, erfolgt die Teileversorgung über das europäische Zentrallager in Amsterdam. Finanzierung, Leasing und Versicherung laufen über Consors Finanz.
Was Geely anders machen will
Geely kommt nicht als Billigmarke. Der Hersteller will erschwingliche, aber hochwertige Mobilität anbieten und spricht damit bewusst die Mitte des Marktes an. „Wir haben mit Volvo gelernt, wie es klingen muss, wenn eine Autotüre zufällt. Und Lotus hat uns gezeigt, wie sich eine Lenkung anfühlen muss“, erläuterte Philipp Hempel, Executive Director Germany bei Geely Auto Deutschland. Und jetzt setzt der chinesische Markt dort an, wo es spannend wird: Familien, Dienstwagenfahrer, Fuhrparks und kleinere Unternehmen suchen zunehmend nach bezahlbaren Alternativen zu etablierten Marken. Wenn Geely Qualität, Service und Restwerte überzeugend absichert, könnte die Marke in Deutschland schneller relevant werden als mancher Wettbewerber. Der Markteintritt zeigt: Der nächste China-Angriff auf den deutschen Automarkt wird nicht über einzelne Modelle entschieden. Er wird über Plattformen, Händler, Service, Software und Vertrauen geführt.
In Kürze: die Key Facts
- Marke: Geely Auto
- Deutschlandstart: 2026
- Deutschlandzentrale: Raunheim, Hessen
- Erste Modelle: Geely E5 und Geely Starray EM-i
- Antriebe: batterieelektrisch und Plug-in-Hybrid
- Nächstes Modell: Geely E2 ab September 2026
- Weiteres Modell: D-Segment-Fahrzeug Ende 2026 geplant
- Modelloffensive: mehr als zehn Fahrzeuge bis 2028
- Strategie: „In Europe for Europe“
- Entwicklungsstandorte Europa: Raunheim, Göteborg, Coventry, Mailand
- Händlerziel: mindestens 50 Vertriebs- und Servicestandorte bis Ende 2026
- Finanzierungspartner: Consors Finanz
- Konzernumfeld: Geely Holding Group mit Volvo, Polestar, Zeekr, Lynk & Co, Lotus, LEVC und Smart-Beteiligung
- Kernaussage: Geely will sich langfristig als relevante Marke im deutschen Markt etablieren








