Interview: Axel Zurhausen zum Volvo EX60

Interview mit Axel Zurhausen von Volvo
Welche Rolle der EX60 im Flottenmarkt spielt

Der Volvo EX60 soll im Flottenmarkt eine zentrale Rolle übernehmen und an Punkten überzeugen, die den Umstieg oft noch bremsen. Wie Volvo Reichweite, Laden, Software und Marktposition einordnet, erklärt Axel Zurhausen im Interview.

Axel Zurhausen zum Volvo EX60
Foto: Volvo

Der Volvo EX60 soll für Volvo im deutschen Flottenmarkt mehr sein als nur ein neues Modell im elektrischen Mittelklasse-SUV-Segment. Axel Zurhausen, Head of B2B Sales Volvo Car Germany, ordnet im Interview ein, welche Rolle der EX60 zwischen XC60, Plug-in-Hybrid und vollelektrischer Zukunft übernehmen soll. Dabei geht es nicht nur um Reichweite und Ladezeiten. Auch Software, Restwerte, Reparaturprozesse und die Akzeptanz neuer Assistenzsysteme spielen eine zentrale Rolle. Genau dort wird es für Flottenkunden besonders interessant.

Welche Rolle soll der Volvo EX60 im Flottenmix übernehmen?

Der Volvo EX60 ist für uns ein wichtiger strategischer Meilenstein. Mit ihm bieten wir erstmals mehr vollelektrische Modelle als Plug-in-Hybride oder Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor an, was ein deutliches Signal für die weitere Elektrifizierung unseres Angebots ist. Der Volvo EX60 wird eine ergänzende Rolle im Flottenmix übernehmen und diese Rolle perspektivisch ausbauen. Mit ihm als vollelektrischer Ergänzung schließen wir eine zentrale Lücke in unserem Portfolio in einem volumenstarken Segment, in dem wir mit dem Volvo XC60 seit Jahren sehr erfolgreich sind. Für viele Flottenkunden wird der Volvo EX60 zunächst eine attraktive Ergänzung sein, insbesondere dort, wo Ladeinfrastruktur und Einsatzprofile bereits gut zu rein elektrischen Lösungen passen. Gleichzeitig erwarten wir, dass der Volvo EX60 mit der fortschreitenden Transformation der Fuhrparks an Bedeutung gewinnt.

Welche Erwartungen hat Volvo an den EX60 im Großkundengeschäft?

Mit dem Volvo EX60 adressieren wir das zentrale Volumensegment der elektrischen Mittelklasse-SUV – und damit einen Kernbereich des Großkundengeschäfts. Unsere Erwartung ist, dass der Volvo EX60 für viele Flottenkunden zum präferierten Einstieg in die vollelektrische Mobilität wird und gleichzeitig als vollwertige Alternative zu den deutschen Anbietern wahrgenommen wird. Der Volvo EX60 überzeugt dabei mit klaren, für Flotten entscheidenden Argumenten: einer Reichweite von bis zu 810 Kilometern, sehr kurzen Ladezeiten und einer wettbewerbsfähigen Preispositionierung. Damit zielen wir genau auf jene „Hindernisse“, die bislang häufig gegen einen vollständigen Umstieg auf Elektrofahrzeuge gesprochen haben.

Welche Reichweite und Ladeleistung braucht die Flotte wirklich?

Ladezeiten von rund 18 bis 19 Minuten von 10 auf 80 Prozent sowie Nachladeleistungen von über 300 Kilometern in etwa zehn Minuten werden von Nutzern als echter Mehrwert wahrgenommen. Mit der 800-Volt-Technik und größeren Energiespeichern in unseren vollelektrischen Modellen bietet Volvo sowohl hohe Reichweite als auch sehr schnelles Laden und trifft damit genau die Anforderungen moderner Flotten.

Wie verändert der EX60 als Software Defined Vehicle den Fuhrparkbetrieb?

Mittlerweile ersetzt Software die Hardware als Haupttreiber für Innovation und Wertschöpfung. Der Volvo EX60 ist eine echte softwaredefinierte Lösung, die auf unserem Superset-Tech-Stack basiert. Dadurch bleibt das Fahrzeug über Jahre hinweg technisch aktuell, da Funktionen, Sicherheitssysteme und Leistung kontinuierlich per Over-the-Air-Update weiterentwickelt werden, ohne dass ein Werkstattbesuch erforderlich ist. Für Flotten bedeutet das weniger ungeplante Standzeiten, planbare Updates, höhere Sicherheitsstandards über den gesamten Lebenszyklus hinweg und somit einen klaren Vorteil in puncto Effizienz, Planungssicherheit und Total Cost of Ownership. Das erhöht nicht nur den Nutzwert im Alltag, sondern stabilisiert auch den Restwert über die gesamte Haltedauer.

Was bedeuten Mega-Casting und Struktur-Batterie für Wartung und Haltedauer?

Der neue Fertigungsprozess des Volvo EX60 zahlt direkt auf die Anforderungen von Flotten ein. Das Mega-Casting und die strukturell integrierte Batterie reduzieren die Anzahl der Bauteile und die Komplexität, was sich positiv auf Gewicht, Effizienz und die langfristige Haltbarkeit auswirkt. Das wirkt sich zusätzlich zu den bereits genannten Over-the-Air-Updates positiv und unmittelbar auf die Total Cost of Ownership aus.Auch im Alltag profitieren Flotten von geringerem mechanischen Verschleiß und klar definierten Reparaturprozessen. Dadurch werden Werkstattaufenthalte planbarer und seltener. Die ersten Restwertindikationen für den Volvo EX60 nach 36 Monaten sind sehr positiv und die BEV-typischen Volvo-Garantiebedingungen sorgen für eine hohe Planungssicherheit über die gesamte Haltedauer hinweg.

Wie bewerten Flottenkunden Fahrerüberwachung und Innenraumradar?

Sicherheit ist seit jeher ein zentraler Kernwert von Volvo. Vor diesem Hintergrund werden auch die Assistenz- und Sensorsysteme des Volvo EX60 von Flottenkunden bewertet. Viele Funktionen sind heute gesetzlich vorgeschrieben, andere basieren auf unserer eigenen Sicherheitsforschung. Ein aktuelles Beispiel dafür ist der neue multiadaptive Sicherheitsgurt, der im Volvo EX60 seine Weltpremiere feiert. Er passt sich situativ an die Insassen und die Fahrsituation an und hebt den Insassenschutz auf ein neues Niveau. Insgesamt werden Fahrerüberwachung und Innenraumradar im Flottenumfeld überwiegend als Mehrwert wahrgenommen, insbesondere im Hinblick auf Fürsorgepflicht, Arbeitssicherheit und Schadenprävention. Zwar sind einzelne Funktionen manchmal erklärungsbedürftig, doch ihre Akzeptanz wächst schnell, sobald ihr Sicherheitsnutzen im Alltag erlebbar wird.

Ist der EX60 Cross Country mehr Image oder echter Nutzwert?

Abenteuerlust und der Anspruch, Dinge bewusst anders zu machen, haben bei Volvo einen festen Namen: Cross Country. Seit 1997 sind diese Modelle ein integraler Bestandteil unserer Marken-DNA, beginnend mit dem Volvo XC70, der schon damals für Freiheit jenseits der Komfortzone stand.Übertragen in die elektrische Zukunft heißt das, dass der Volvo EX60 Cross Country weit mehr ist als ein reines Image- oder Differenzierungsangebot. Mit Allradantrieb, Luftfahrwerk, bis zu 40 Millimetern zusätzlicher Bodenfreiheit und robusten Designmerkmalen können die Vorzüge eines Cross-Country-Modells genutzt werden, ohne Einbußen im Fahrkomfort oder in der Performance zu haben.

Welche strategische Bedeutung hat der EX60 für Volvos Gewerbekundengeschäft?

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 14.615 Volvo XC60 mit Plug-in-Hybrid-Antrieb neu zugelassen, was einem PHEV-Anteil von 60 Prozent entspricht. Im Dezember war der Volvo XC60 segmentübergreifend sogar wieder das meistzugelassene Plug-in-Hybrid-Modell in Deutschland. Auch im deutschen Flottengeschäft ist der Volvo XC60 die Nummer 1 in unserem Portfolio und genau daraus leiten wir unseren Optimismus für den Volvo EX60 ab. Die meistverkaufte Motorisierungsvariante des XC60 ist der Plug-in-Hybrid. Das zeigt deutlich: Unsere Kunden sind bereits „Teilzeit“-elektrifiziert und bereit, den nächsten Schritt zu gehen. Der Volvo EX60 bietet eine vollelektrische Alternative im gleichen erfolgreichen Segment, adressiert die gewohnten Flottenanforderungen und ermöglicht es unseren Kunden, ihre Elektrifizierungsziele konsequent umzusetzen.