MILES-Interview: Carsharing für Unternehmen

Interview mit Leonard Meier von Miles
Corporate Carsharing statt Dienstwagen?

Corporate Carsharing, Mobilitätsbudgets, Poolfahrzeuge und E-Flotten: Leonard Meier von Miles erklärt im Interview, wo Unternehmen mit geteilten Autos sparen können – und wo die Grenzen liegen.

Porträt von Leonard Meier, Vice President Business Development bei MILES, vor unscharfem Hintergrund.
Foto: Miles

Der klassische Dienstwagen bekommt Konkurrenz – nicht nur durch Mobilitätsbudgets, sondern auch durch Corporate Carsharing. Für Fuhrparkverantwortliche stellt sich damit eine praktische Frage: Wo ersetzt geteilte Mobilität tatsächlich feste Fahrzeuge, und wo bleibt sie nur Ergänzung? Leonard Meier, Vice President Business Development beim Carsharing-Anbieter Miles, ordnet ein, wie Unternehmen Carsharing heute nutzen, welche Einsatzfelder realistisch sind und wo operative Grenzen liegen. Dabei geht es auch um Poolfahrzeuge, Auto-Abos und Kosten. Spannend wird es vor allem dort, wo Flexibilität auf Wirtschaftlichkeit trifft.

Wann können Unternehmen feste Firmenwagen wirklich ersetzen?

Corporate Carsharing kann in vielen Fällen tatsächlich einen Teil klassischer Firmenwagen ersetzen, vor allem dann, wenn Fahrzeuge nicht dauerhaft genutzt werden. Das heißt konkret: Unternehmen greifen bei Bedarf auf gemeinsam genutzte Autos zu, statt jedem Mitarbeitenden ein festes Fahrzeug zuzuteilen. Das funktioniert zum Beispiel gut bei innerstädtischen Dienstfahrten, Kundenterminen oder Fahrten zwischen Standorten.

Gleichzeitig hängt es stark vom Nutzungsszenario ab. Für Außendienstmitarbeitende, die regelmäßig lange Strecken durch ganz Deutschland fahren, ist Carsharing eher keine passende Lösung. Hier bleiben klassische Dienstwagen oder auch Auto-Abos sinnvoller. Für urbane Nutzung, spontane Fahrten oder Pendelstrecken sehen wir aber, dass Carsharing sehr gut funktioniert.

Opel Astra Sports Tourer von Miles im Carsharing-Einsatz, geparkt im öffentlichen Straßenraum einer deutschen Großstadt.
Miles

Miles hat erst kürzlich seine deutsche Carsharing-Flotte um 2.500 Opel-Modelle erweitert. Dazu gehört auch der Astra Sports Tourer Hybrid, der vor allem in Großstädten eingesetzt werden soll.

Wie groß ist das Wachstumspotenzial von Corporate Carsharing im B2B-Geschäft?

Aktuell ist Corporate Carsharing für uns noch ein kleiner Teil des Geschäfts und liegt im einstelligen Prozentbereich. Wir sehen aber, dass das Segment kontinuierlich wächst und für viele Unternehmen gerade erst relevant wird.

Welche Lösungen bietet Miles speziell für Unternehmen an?

Wir haben bereits erste Lösungen, die speziell auf Unternehmen ausgerichtet sind, zum Beispiel eine gebündelte monatliche Abrechnung, die den administrativen Aufwand deutlich reduziert. Darüber hinaus sehen wir Auto-Abos als sinnvolle Ergänzung. Sie schließen die Lücke zwischen flexiblem Carsharing und klassischen, langfristigen Leasingmodellen und bieten Unternehmen mehr Spielraum, je nach Bedarf zu entscheiden.

Welche Marken und Modelle spielen beim Ausbau des Angebots eine Rolle?

Wir sind grundsätzlich markenoffen und stellen unsere Flotte entlang der jeweiligen Nutzungsszenarien zusammen – vom Kleinwagen bis zum Transporter. Elektromobilität ist dabei ein wichtiger Bestandteil, auch weil sie für viele Unternehmen zunehmend relevant wird. Gleichzeitig sehen wir im operativen Betrieb weiterhin Herausforderungen, etwa bei der Ladeinfrastruktur, längeren Standzeiten durch das Laden und bei der Reichweite. Deshalb bauen wir unsere elektrische Flotte schrittweise aus und orientieren uns dabei vor allem an Nachfrage und Wirtschaftlichkeit.

Corporate Carsharing im Kostenvergleich: Welche Effizienzvorteile haben Unternehmen gegenüber Poolfahrzeugen oder Leasing?

In der Praxis sehen wir, dass klassische Poolfahrzeuge häufig nur an 30 bis 50 Prozent der Werktage tatsächlich bewegt werden – der Rest ist bezahlter Leerstand. Durch Carsharing entfällt genau dieser Sockel. Hinzu kommt, dass der administrative Aufwand im Flottenmanagement geringer ist. Dadurch werden intern Kapazitäten frei, die an anderer Stelle eingesetzt werden können.

Mobilitätsbudget und Carsharing: Welche Rolle kann Miles in neuen Mobilitätsmodellen für Unternehmen spielen?

Mobilitätsbudgets sind ein klarer Trend, weil sie Mitarbeitenden mehr Flexibilität geben, je nach Bedarf zwischen Auto, ÖPNV oder anderen Angeboten zu wählen. Gleichzeitig können Unternehmen ihre Kosten transparenter steuern. Carsharing lässt sich sehr gut in solche Modelle integrieren. In Kombination mit öffentlichem Nahverkehr oder Mikromobilität entsteht so ein Mobilitätsmix, der den klassischen Dienstwagen in vielen Fällen zumindest teilweise ersetzen kann.