Die Bundesregierung setzt bei der E-Auto-Förderung auf private Haushalte – Unternehmen bleiben außen vor. Welche Folgen das für Dienstwagen, Leasingmodelle und den Gebrauchtwagenmarkt hat, erläutert Imelda Labbé, Präsidentin des VDIK, im Interview mit firmenauto. Sie ordnet die aktuelle Förderlogik ein – und benennt, wo sie aus Sicht der Branche an Grenzen stößt.
Warum schließt die Bundesregierung Dienstwagenfahrer Ihrer Meinung nach von der E-Auto-Förderung aus, obwohl sie den Markt bislang getragen haben?
Die reduzierte Dienstwagenbesteuerung von 0,25 Prozent für E-Fahrzeuge und 0,5 Prozent für Plug-In-Hybride ist ein Instrument, das zur Förderung der Elektromobilität im Bereich der Firmen- bzw. Flottenkunden bereits gut angenommen wird. Die damit verbundene Steuererleichterung liegt im Durchschnitt über einen Zeitraum von 36 Monaten über der Förderhöhe für Privatkunden aus dem aktuellen Förderprogramm.
Zusätzlich gibt es für gewerbliche Kunden die zeitlich begrenzte "Sonderabschreibung" für rein elektrische Fahrzeuge, die nach dem 30.06.2025 und vor dem 01.01.2028 angeschafft werden. Diese 75-Prozent-Abschreibung im Jahr der Anschaffung eines betrieblich genutzten E-Autos ist ebenfalls ein wichtiges Signal, wenn gleich hier versäumt wurde, Leasingfahrzeuge mit einzubeziehen, wie vom VDIK mehrfach gefordert.
Ist der Förderausschluss von Unternehmen ein Bremsklotz für den Hochlauf der Elektromobilität in Deutschland?
Die beiden Angebote zur Förderung von gewerblichen Elektrofahrzeugen und Plug-In-Hybriden, nämlich die reduzierte Dienstwagenbesteuerung und die „Sonderabschreibung“ im ersten Jahr, wirken sich positiv auf den Anteil von E-Autos in den Fahrzeugflotten aus. Auch wenn die Abschreibung Leasingfahrzeuge nicht einschließt, können Firmenkunden so bereits spürbar zum Hochlauf der Elektromobilität beitragen.
Schwächt der Verzicht auf E-Dienstwagenförderung den Gebrauchtwagenmarkt?
Barprämien wirken sich negativ auf die Restwerte der Fahrzeuge aus. Deshalb hatte sich der VDIK für eine Förderung über Stromgutscheine eingesetzt. Die vergünstigte Dienstwagenbesteuerung ist ebenfalls restwertschonend und deshalb eine besonders sinnvolle Maßnahme für den Markt der gebrauchten Elektrofahrzeuge.
Kann man von sozialer Förderung sprechen, wenn junge gebrauchte E-Autos knapper und teurer werden?
Die Staffelung der Förderung nach der Höhe des Haushalteinkommens und der Zahl der Kinder spiegelt im Förderprogramm durchaus eine soziale Komponente wider. Der VDIK bedauert, dass die Förderung von jungen gebrauchten E-Autos nicht mit in das Programm einbezogen wurde, wie immer wieder gefordert. Familien und Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen kaufen meist einen Gebrauchtwagen, und auch ein gebrauchtes E-Auto ersetzt in der Regel einen Verbrenner und unterstützt damit die Klimaziele der Bundesregierung.
Wie stark gefährdet die aktuelle Förderlogik Leasingmodelle und stabile Restwerte?
Die Wiedervermarktung von jungen Gebrauchten ist ein zentraler Faktor für wirtschaftlich attraktive Leasingkonditionen im Neuwagenmarkt. Beim Neufahrzeug wird der Fördereffekt teilweise ausgehebelt, da die Leasingrate wegen niedrigerer Restwerte trotz Förderung nicht geringer ausfällt. Deshalb werden Leasingkunden aufgrund sinkender Restwerte von der Förderung nur eingeschränkt profitieren. Für den Gebrauchtwagenmarkt bedeutet das eine Entwertung des Bestandes für Kunden, Händler und Hersteller sowie schleppende Verkäufe.











