Die Elektrifizierung von Dienstwagen und Fuhrparks stellt Unternehmen nicht nur bei der Fahrzeugwahl vor neue Aufgaben, sondern auch bei Ladezugang, Kostenkontrolle und internationaler Steuerung. Gerade bei grenzüberschreitend eingesetzten E-Fahrzeugen wächst der Bedarf an transparenten, zentral verwaltbaren Lösungen. Eric Weiland-Eylers, Head of Product & Growth bei Ionity, erklärt im Interview, welche Anforderungen Flotten heute an ein Ladeportal haben, wo typische Schwachstellen liegen und wie sich internationales Laden einfacher organisieren lässt. Es geht um Freigaben, Kosten, Roaming – und um die Frage, wie viel Kontrolle Fuhrparkverantwortliche künftig wirklich brauchen.
Wie soll das neue Ionity-Flottenportal Probleme im täglichen Betrieb von E-Flotten lösen?
Wir haben von Flottenmanager:innen gehört, dass die Verwaltung ihrer E-Flotte schnell unübersichtlich wird, sobald es mehr als eine Handvoll Fahrzeuge gibt oder die Fahrzeuge über Ländergrenzen hinaus unterwegs sind. Wer hat welche Ladekarte? Welche Karte ist für welches Land freigeschaltet? Wie behalte ich jederzeit den Überblick über die Ladekosten der Flotten? Das Portal verschafft Flottenmanager:innen mehr Transparenz und Kontrolle über Flotte sowie Ladekarten, damit sie jederzeit selbstständig und schnell agieren können, zum Beispiel wenn eine Ladekarte verloren geht oder sich das Einsatzgebiet einer Flotte ändert. Selbstverständlich ist unser Support zusätzlich erreichbar, wenn es Fragen zur Nutzung gibt.

Eric Weiland-Eylers ist Head of Product & Growth bei IONITY. Im Interview erläutert er, wie Unternehmen E-Flotten, Ladekarten und Ladefreigaben international steuern können.
Was unterscheidet das Flottenportal von anderen Lade- und Abrechnungslösungen für international eingesetzte E-Flotten?
Das Besondere bei Ionity Fleet ist, dass wir unser ultraschnelles Ladenetz, das sich über 6.000 Ladepunkte in 24 europäischen Ländern erstreckt, mit einem Flottenportal kombinieren und damit die Komplexität des internationalen Ladens auflösen. Es geht nicht nur um Abrechnung, sondern um echte, grenzenlose Kontrolle. Konkret heißt das: Im Fleet-Portal können Flottenmanagern nicht nur Fahrzeuge und Ladekarten anlegen, sondern auch gezielt steuern, wo und wie geladen werden darf - bis auf Ladestationsebene. Ein Unternehmen mit Dienstwagen in Deutschland, Österreich und Frankreich kann zum Beispiel festlegen, in welchen Ländern geladen werden darf – und ob bestimmte Flotten oder Fahrer ausschließlich im Ionity-Netzwerk laden oder auch Zugang zu unseren Premium-Roaming-Partnern innerhalb der ChargeLeague haben. Alle Ladevorgänge sind auf Karten- und Flottenebene nachvollziehbar, Rechnungen werden gebündelt und können als CSV exportiert werden. Und wenn eine Karte gesperrt oder ersetzt werden muss, geht das direkt im Portal – ohne Umweg über den Support. Das spart in der Praxis Zeit, Nerven und Kosten.
Warum ist die länderbasierte Steuerung von Ladefreigaben für Unternehmen mit E-Flotten so wichtig?
Sehr wichtig, gerade für Unternehmen, die kosteneffizient wirtschaften wollen. Die Preise für das Laden variieren von Land zu Land und das kann bei Flotten mit grenzüberschreitendem Einsatz schnell ins Gewicht fallen. Mit der länderbasierten Steuerung können Flottenmanager präzise festlegen: Dieses Fahrzeug darf in Deutschland, Österreich und der Schweiz laden – aber bitte nicht in Belgien, wo wir selten unterwegs sind und die Kosten höher sind. Ein anderer klassischer Fall: Außendienstmitarbeiter, die normalerweise regional unterwegs sind, aber gelegentlich ins europäische Ausland fahren. Dann kann man gezielt für diesen Zeitraum die Freigabe erweitern und danach wieder einschränken. Das schafft Planungssicherheit und verhindert, dass am Monatsende plötzlich unerwartete Kosten auftauchen, nur weil eine Karte aus Versehen auch im Ausland genutzt wurde.
Für welche Fuhrparkgrößen ist das Ionity-Flottenportal ausgelegt?
An beide. Wir haben das Portal bewusst so aufgebaut, dass es skaliert. Ein Unternehmen mit fünf E-Fahrzeugen profitiert genauso von der Übersichtlichkeit und Kostenkontrolle wie ein Konzern mit 500 Fahrzeugen in zehn Ländern. Der Unterschied liegt eher in der Komplexität der Nutzung: Bei größeren Flotten kommen Features wie Kostenstellen-Zuordnung, CSV-Export für interne Weiterverarbeitung oder detaillierte Nutzungsanalysen stärker zum Tragen. Aber auch kleinere Fuhrparks schätzen die Selbstverwaltung, gerade dann, wenn keine eigene Fuhrparkmanagement-Software im Einsatz ist. Wichtig ist uns: Wir wollen den Einstieg in die Elektrifizierung so einfach wie möglich machen. Das Portal wächst mit den Anforderungen mit.
Wie verändert sich der Ladebedarf von Dienstwagenfahrern bei grenzüberschreitendem Einsatz in Europa?
Wer regelmäßig grenzüberschreitend unterwegs ist, zum Beispiel als Vertriebsmitarbeitender oder im internationalen Service, lädt anders als jemand, der vor allem lokal fährt. Die Fahrer brauchen Verlässlichkeit: alle 100 bis 150 Kilometer eine schnelle Lademöglichkeit entlang der Hauptverkehrsachsen und keine bösen Überraschungen beim Preis oder beim Zugang. Genau das bieten wir. Gerade auf Langstrecken und an unbekannten Orten spielen zudem die Annehmlichkeiten am Ladepunkt eine wichtige Rolle: Gibt es Zugang zu Toiletten und Gastronomie? Ist der Standort gut ausgeschildert und beleuchtet? Welche Ladeleistung steht zur Verfügung, damit ich möglichst schnell wieder Strecke machen kann? Gleichzeitig kann es in einzelnen Ländern noch Lücken in der Ladeinfrastruktur eines Anbieters geben. In solchen Fällen sind Fahrer auf Roaming angewiesen, also auf das Laden außerhalb des Vertragsnetzwerks. Mit der ChargeLeague haben wir deshalb eine einzigartige strategische Partnerschaft geschaffen, mit Netzwerken, die Ionitys Anspruch rund um ultraschnelles Laden teilen und bei der die Abrechnung beim Roaming zentral und transparent bleibt.
Welche nächsten Funktionen und Ausbaustufen plant Ionity für das Flottenportal?
Wir arbeiten in drei klaren Phasen: Aktuell befinden wir uns im Aufbau eines transparenten Fundaments, das heißt, wir ersetzen manuelle Prozesse durch intuitive Self-Service-Funktionen, damit Flottenmanager ihre Flotte eigenständig und effizient anlegen und verwalten können. Mittelfristig optimieren wir unser Produkt auch verstärkt für Großkunden mit mehr als 1.000 Fahrzeugen, bspw. indem wir eine tiefere Integration über eine Schnittstelle zum bestehenden Fuhrparksystem ermöglichen. Außerdem wollen wir die Möglichkeit schaffen, Flottenprofile in der Ionity-App anzulegen. Langfristig ist es unser Ziel, das Fleet-Portal zu einem paneuropäischen Flottenökosystem zu entwickeln, das weit über reines Laden hinausgeht: von EV-Roaming über Lade- und Batterieanalysen bis hin zu Zusatzleistungen wie Loyalty-Programmen. Wir wollen nicht nur Ladeanbieter sein, sondern die zentrale Plattform für elektrifizierte Mobilität in Europa.












