Zeekr-CEO Schupet über Deutschlandstart

Zeekr-CEO über Deutschlandstart
Lothar Schupet will „Qualität vor Quantität“

Im Interview spricht Zeekr-Europe-CEO Lothar Schupet über Flottenkunden, den Kombi 7GT, Direktvertrieb, Restwerte und die Premiumstrategie der chinesischen Elektro-Automarke. Was das Unternehmen plant.

firmenauto-Redakteur Carsten Nallinger im Gespräch mit Zeekr-Europe-CEO Lothar Schupet
Foto: Zeekr

Zeekr gehört zu den chinesischen Marken, die in Europa nicht einfach nur Elektroautos verkaufen wollen, sondern gezielt im Premiumsegment angreifen. Seit Dezember 2025 ist die Geely-Tochter offiziell in Deutschland aktiv – mit Fokus auf Dienstwagen, Flottenkunden und softwaregetriebene Premium-Fahrzeuge. Auf der Auto Show Beijing 2026 sprach firmenauto-Redakteur Carsten Nallinger mit Lothar Schupet, CEO Zeekr Europe, über den verspäteten Marktstart in Deutschland, den Fokus auf Flottenkunden, den neuen Kombi 7GT und die Frage, warum Zeekr bewusst nicht über aggressive Preise wachsen will. Außerdem erklärt Schupet, wie die Marke mit Blick auf Service, Restwerte und digitale Schnittstellen in Europa positioniert.

Zeekr ist im Dezember 2025 offiziell in Deutschland gestartet. Die eigentlichen Planungen haben aber sicher schon vorher begonnen. Seit wann laufen die Pläne für den Markteintritt?

De facto sind wir bereits seit eineinhalb Jahren in Deutschland aktiv. Aufgrund der zwischenzeitlichen Zoll-Diskussionen hat sich der eigentliche Verkaufsstart dann allerdings verschoben. Ab Dezember 2025 war schließlich der offizielle Bestell- und Marktstart. Die ersten Fahrzeuge wurden dann bereits im Februar 2026 ausgeliefert.

Sie legen den Fokus auf den Firmen- und Flottenmarkt. Das ist eher einzigartig. Wie kommt es dazu?

Tatsächlich gab es schon zu Beginn Anfragen von DAX-Kunden. Wir haben daraufhin die Customer Journey entsprechend angepasst und die Leasing-Konditionen festgelegt. Das heißt aber nicht, dass wir nicht auch Privatkunden adressieren. Aktuell eröffnen wir überall in Deutschland Test-Drive-Center, damit die Kunden die Zeekr-Modelle erfahren können.

Mit dem 7GT hat Zeekr aktuell einen Kombi herausgebracht. Das war vor dem SUV-Siegeszug die Lieblingsvariante der Deutschen. Was versprechen Sie sich von diesem Schachzug?

Mit dem 7X haben wir bereits ein Volumenmodell im SUV-Segment platziert. Mit dem 7GT kommt nun ein Fahrzeug, das den Gran Turismo wieder aufleben lässt. Also ein sportliches Auto mit dynamischem Fahrverhalten, welches sich aber gleichzeitig für komfortable Langstreckenfahrten eignet. Mit dem 7GT haben wir damit ein weiteres Volumenmodell auf dem Markt.

Haben Sie vor dem Marktstart in Europa beziehungsweise insbesondere in Deutschland die Vorlieben der Kunden erfragt?

Tatsächlich gab es entsprechende Events und wir haben direkt nach den Bedürfnissen von Flottenmanagern gefragt. Darüber hinaus gibt es für unsere Kunden aber jederzeit die Möglichkeit, mittels der Zeekr-App Verbesserungsvorschläge zu senden.

Zumindest zu Beginn setzt Zeekr auf den Direktvertrieb – soll das so bleiben?

Für den Markteinstieg und das Flottengeschäft ist der Direktvertrieb die richtige Strategie. In der zweiten Phase kommen dann auch klassische Autohäuser dazu. Entsprechende Gespräche mit namhaften Händlern laufen bereits.

Wie sieht es mit dem Service und der Wartung der Fahrzeuge in Deutschland aus?

Hier setzen wir auf die Zusammenarbeit mit dem freien Werkstatt-Netzwerk Global Automotive Service. Die Anzahl der Servicestützpunkte wird bis Ende des ersten Halbjahres bereits bei rund 100 Stützpunkten liegen.

Wie sieht es bei Zeekr mit digitalen Schnittstellen aus?

Wir produzieren Software-Defined Vehicle. Dementsprechend setzen wir auf eine tiefgreifende Telematik mit offenen Schnittstellen für Drittanbieter. Aber auch Over-the-Air-Software-Updates, der Fernzugriff mittels Zeekr Connected oder die komplette Einbindung von Apple CarPlay und Android Auto verdeutlichen, dass wir eine hochgradig softwaregetriebene Premium-Marke sind.

Wie will sich Zeekr preislich positionieren?

Der Preis ist die Eintrittskarte bei den Dienstwagen. Dennoch fahren wir ganz bewusst keine aggressive Preisstrategie. Vielmehr setzen wir auf unseren Premium-Anspruch sowie ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei Flotten ist das Thema TCO. Wie will Zeekr an dieser Stelle punkten?

Ein besonders wichtiger Punkt ist hier der Restwert eines Fahrzeugs. Und tatsächlich haben wir uns hierzu bereits vor dem Europastart Gedanken gemacht. Um an dieser Stelle punkten zu können, berücksichtigen wir gleich mehrere Faktoren. So geben wir beispielsweise bis zu zehn Jahre Garantie. Darüber hinaus verbauen wir immer den Non-plus-ultra-Chip in unseren Fahrzeugen – neben allen anderen technischen Helfern. Auf diese Weise gewährleisten wir die Update-Fähigkeit der Fahrzeuge über deren Laufzeit.

Wie sind Ihre Absatzziele in Deutschland?

Wir haben ganz bewusst auf derartige Ziele verzichtet. Als Premium-Marke geht es für Zeekr zunächst einmal darum, Vertrauen aufzubauen. Daher heißt es ganz klar: Qualität vor Quantität.

Zur Person: Lothar Schupet

Lothar Schupet zählt zu den erfahrensten Vertriebs- und Markenstrategen der europäischen Automobilbranche. Bevor er Anfang 2025 die Rolle als CEO von Zeekr Europe übernahm, verantwortete er bereits als Chief Commercial Officer den Aufbau der europäischen Vertriebs- und Handelsstrukturen der chinesischen Premium-Elektromarke. Dabei lagen unter anderem Vertrieb, Netzwerkentwicklung, Finanzdienstleistungen, Logistik und Retail-Strategie in seinem Verantwortungsbereich. Vor seinem Wechsel zu Zeekr war Schupet viele Jahre bei BMW tätig. Dort leitete er zuletzt den weltweiten Vertrieb und das Marketing der BMW-Marke M sowie von BMW Individual und den M Performance Modellen. Insgesamt war er mehr als sechs Jahre in leitender Funktion bei BMW M aktiv. Darüber hinaus sammelte Schupet umfangreiche internationale Erfahrung in den Bereichen Markenführung, Transformation, Vertrieb und Premiumstrategie. Zwischenzeitlich war er zudem als Dozent an der EU Business School in München tätig. Bei Zeekr verantwortet der ehemalige BMW-Manager heute den Aufbau der Marke in Europa mit besonderem Fokus auf den Flotten- und Dienstwagenmarkt. Dabei setzt Schupet bewusst auf eine Premiumpositionierung statt auf aggressive Discount-Strategien.

In Kürze: die Key Facts

  • Interviewpartner: Lothar Schupet
  • Position: CEO Zeekr Europe
  • Ort: Auto Show Beijing 2026
  • Marke: Zeekr
  • Deutschlandstart: Dezember 2025
  • Fokus: Firmen- und Flottenkunden
  • Vertriebsmodell: zunächst Direktvertrieb, später Händlernetz
  • Servicepartner: Global Automotive Service (GAS)
  • Servicenetz: rund 100 Stützpunkte bis Mitte 2026 geplant
  • Technologie: Software-Defined Vehicle mit OTA-Updates und offenen Schnittstellen
  • Strategie: Premium-Anspruch statt aggressiver Preisstrategie
  • Wichtiger Flottenfaktor: Restwert durch langfristige Update-Fähigkeit