Ohne Zweifel ist der VW Golf nicht nur ein sehr erfolgreiches, sondern auch ein gutes Auto. Andererseits steht wahrscheinlich auch kein anderes Modell mehr für eine gewisse optische Langeweile und die typische wolfsburgerische Biederkeit. Wer sich mit dem Format der nicht-elektrischen Kompaktklasse wohlfühlt und vom Golf-Konzept im Prinzip überzeugt ist, aber sich doch etwas vom Massenprodukt abheben will, der findet im Audi A3 ein Schwestermodell. Dieses verbindet die technischen Vorzüge des Bestsellers mit etwas mehr Esprit – natürlich zum entsprechenden (Auf-)Preis.
Audi A3 2.0 TFSI mit 204 PS im Test
Wir erhielten von Audi den A3 mit dem bewährten 2,0-Liter-Benzinmotor vor die Türe gestellt. Der Vierzylinder ist ein bekanntes Aggregat, das in verschiedenen Leistungsstufen im VW-Konzern zum Einsatz kommt, zum Beispiel auch im Golf GTI oder im Audi S3 – dort mit 265 bzw. 333 PS. In unserem A3 Sportback 2.0 TFSI leistet der Motor halbwegs vernünftige 150 kW/204 PS.
Fahrgefühl zwischen Tradition und Moderne
Nach vielen Testfahrten in Elektrofahrzeugen fühlt sich der Ingolstädter sechs Jahre nach Marktstart auf den ersten Metern zunächst ein wenig so an, wie ein Gruß aus der "guten alten Zeit". Und dies ist durchaus als Kompliment gemeint. Der Benziner etwa meldet sich nachdrücklich, wird dabei aber nie aufdringlich, zumindest, wenn man es nicht drauf anlegt. Er hängt gut am Gas und ermöglicht eine praktisch durchgehende Beschleunigung bis in den Bereich der Höchstgeschwindigkeit von 245 km/h.

Zum dynamischen Antrieb passt das sportlich abgestimmte Fahrwerk, das allerdings genügend Komfort-Reserven bereithält, und der bei dieser Motorisierung immer zur Serie zählende Allradantrieb.
Das ebenfalls im Konzern übliche Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen gehört zur Serienausstattung und heißt bei Audi S-Tronic. Es ermöglicht schnelle Gangwechsel, kann sich aber auch mal ruppig geben und ist in manchen Situationen, etwa beim Rückwärts-Einparken, nicht immer feinfühlig genug.
Fahrwerk und Allrad passen zum starken Antrieb
Zum dynamischen Antrieb passen das sportlich abgestimmte Fahrwerk, das allerdings genügend Komfort-Reserven bereithält, und der bei dieser Motorisierung immer zur Serie zählende Allradantrieb. Im Testwagen war zudem das unbedingt empfehlenswerte adaptive Fahrwerk (drive select) für 697 Euro (alle Preise netto) extra eingebaut. Dieses erweitert die Spreizung sowohl in die sportliche als auch in die komfortable Richtung deutlich.

Mit seiner 4,35 Meter langen Karosserie bietet der fünftürige A3 noch echtes Kompaktformat.
Hoher Verbrauch als Schwachpunkt
Das Paket aus Motor, Getriebe und Fahrwerk mit Allrad ergibt in Summe eine Menge Fahrspaß, die man allerdings mit hohen Verbräuchen bezahlen muss, was ja gerade ziemlich ins Geld geht. Trotz überwiegend zurückhaltender Fahrweise kamen wir im Test auf einen Durchschnittsverbrauch von knapp über 9 Litern. Wer es auf der Autobahn eilig hat und die Tachonadel durchgehend über 160 km/h anzeigen lässt, darf sich auch nicht über Verbräuche von 12 oder mehr Litern pro 100 Kilometer wundern.
Feinschliff und Innenraum heben den A3 vom Golf ab
Das gleiche Antriebspaket gibt es übrigens auch im Golf. Der Unterschied liegt im Detail. Der A3 wirkt noch eine Idee sorgfältiger abgestimmt, die Bremsen sind noch ein wenig besser dosierbar und die Progressivlenkung (210 Euro) unterstützt spürbar die Agilität. Und wenig überraschend ist der Innenraum deutlich feiner eingerichtet als beim Schwestermodell, dazu besonders penibel verarbeitet und mit übersichtlichem Instrumentarium ausgestattet.

Auf den vorderen Plätzen und hervorragenden Sitzen kann man es sich bequem und langstreckentauglich einrichten.
Von den mit viel Raum gesegneten Elektrofahrzeugen verwöhnt, erscheint der A3 im Vergleich dagegen fast schon eng. Der Kofferraum fasst 380 Liter und ist somit schnell gefüllt. Und während man sich auf den vorderen Plätzen und den hervorragenden Sitzen (Teil des Interieur-Sport-Pakets für 1.718 Euro) bequem und langstreckentauglich einrichtet, geht es hinten doch etwas knapper zu. Zwei Erwachsene finden aber, so vorn nicht gerade sehr große Menschen sitzen, immer noch genügend Platz; wenn nicht für eine große Urlaubs-, dann doch für eine längere Ausflugsfahrt.
Extras treiben den Preis des Audi A3 deutlich hoch
Man darf sich aber natürlich schon fragen, ob das alles seinen Preis wert ist. Das Basisfahrzeug allein schlägt mit 36.597 Euro zu Buche, der Testwagen war mit Extras im Wert von 11.765 Euro ausgerüstet. Einige Optionen wurden schon genannt, viele andere kamen hinzu. Da alle Elektroautos heute ein Navi serienmäßig an Bord haben, ist man zum Beispiel zunächst überrascht, dass Audi hierfür 1.008 Euro extra in Rechnung stellt. Auch in dieser Hinsicht ist der A3 noch eine Art Gruß aus der "guten alten Zeit".
Audi A3 Sportback 2.0 TFSI quattro – Technische Daten
Fünftürige, fünfsitzige Limousine der Kompaktklasse; Länge: 4,35 Meter, Breite: 1,82 Meter (mit Außenspiegeln: 1,98 Meter), Höhe: 1,44 Meter, Radstand: 2,64 Meter, Kofferraumvolumen: 380-1.200 Liter
2,0-Liter-Benzinmotor, 150 kW/204 PS, maximales Drehmoment: 320 Nm bei 1.500 – 4.400 U/min, Allradantrieb, Vmax: 245 km/h, 0-100 km/h: 6,3 s, 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (S-Tronic), Normverbrauch: 6,7-7,3 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 153-167 g/km, Emissionsklasse: E-F, Abgasnorm: Euro 6e-bis, Testverbrauch: 9,1 Liter/100 Kilometer
Preis: ab 36.597 Euro; Preis des Testwagens: 48.235 Euro
Audi A3 Sportback 2.0 TFSI quattro – Kurzcharakteristik
Warum: toller Antrieb, gelungene Fahrwerksabstimmung, innen mehr Chic als im Golf
Warum nicht: teuer, hoher Praxisverbrauch, im Fond eher eng









