Honda Civic e:HEV im Test: Hybrid mit Haltung

Hybrid ohne Steckdose, aber mit Charakter
Warum der Honda Civic e:HEV überzeugt

Der Civic e:HEV ist kein Kompromiss, sondern ein Angebot: für alle, die elektrisch fahren wollen, ohne sich vom Verbrenner zu trennen – kultiviert, effizient und erstaunlich fahraktiv.

Seitenansicht eines weißen Honda Civic e:HEV während der Fahrt auf einer Küstenstraße am Meer.
Foto: Honda

Hybrid als Antwort auf ein ungelöstes Dilemma

Elektrisch fahren und dennoch die Vorzüge des Verbrenners genießen: Genau dieses Spannungsfeld besetzt der Hondas Allzweckwaffe Civic e:HEV so überzeugend wie kaum ein anderer Kompakter. Der japanische Hybrid bietet damit eine Antriebstechnik, die Kultiviertheit, uneingeschränkter Reichweite, geringes Gewicht, Effizienz und einem ordentlichen Schuss Fahrfreude mit sich bringt. Wer dem reinen E-Auto noch skeptisch gegenübersteht, sich der E-Mobilität aber nicht verschließen will, findet hier eine der derzeit schlüssigsten Brückenlösungen.

Kompakt genannt, Mittelklasse gemeint

Wobei "Kompakter" inzwischen relativ ist. Mit 4,56 Metern Länge rückt die elfte Civic-Generation, die für das Modelljahr 2026 dezent aufgefrischt wurde, schon deutlich in Richtung Mittelklasse. Typisch Honda bleibt der Viertürer jedoch flach: Mit nur 1,41 Metern Höhe wirkt er neben hochbeinigen SUV und Elektrofahrzeugen beinahe wie ein Auto aus einer anderen Zeit. Das allerdings im besten Sinne. Die coupéhaft abfallende Dachlinie, die langen Proportionen und das schnittige Heck verleihen ihm eine fast sportwagenartige Präsenz, ohne ins Effekthascherische zu kippen.

e:HEV: Hybrid ohne schwere Batterie

Dass der Civic so niedrig baut, verdankt er vor allem seinem Antriebskonzept. Statt einer schweren Hochvoltbatterie im Fahrzeugboden setzt Honda auf seinen selbst entwickelten e:HEV-Hybrid. Zwei Elektromotoren mit zusammen 135 kW/184 PS übernehmen im Alltag den Großteil der Vortriebsarbeit. Außerdem ist ein 2,0-Liter-Vierzylinder mit 105 kW/143 PS an Bord, der einen Generator antreibt, der wiederum den Fahrstrom für die Elektromotoren liefert. Erst bei höherem Tempo oder kräftiger Beschleunigung wird der Benziner über eine Kupplung direkt mit den Rädern verbunden. Klingt komplex, fühlt sich aber im Alltag erstaunlich unkompliziert und angenehm an.

nnenraum des Honda Civic e:HEV mit Lenkrad, digitalem Kombiinstrument und zentralem Infotainment-Display.
Honda

Zentraler Blickfang ist der Touchscreen-Monitor für das Navi, Entertainment und diverse Apps, der mit 9 Zoll kleiner ausfällt als anderswo.

Elektrisches Fahren ohne Reichweitenstress

Der Civic startet lautlos, rollt elektrisch an und überzeugt sofort mit spontanem Antritt und gleichmäßigem Schub. Gerade im Stadtverkehr und auf der Landstraße fährt er sich wie ein souveräner Stromer, nur eben ohne Reichweitenangst. Der Benziner läuft meist in niedrigen, effizienten Drehzahlen und bleibt akustisch dezent im Hintergrund. Erst jenseits von Autobahntempo 130 oder bei voller Leistungsabforderung wird er präsenter, ohne jedoch unangenehm aufzufallen. Im Gegenteil: Das gelegentlich kernige Schnurren des Benziner vermittelt noch klassische Fahrspaßakustik. Allerdings sind nur 180 km/h Spitze möglich.

Verbrauch: realistisch statt rekordverdächtig

Im Test pendelten sich die Verbräuche zwischen fünf und sechs Litern ein, auf der Autobahn bei 120 bis 130 km/h waren es rund 6,5 Liter, der Schnitt lag bei 6,1 Litern. Der e:HEV vollbringt also keine Sparwunder, angesichts der Größe, Leistung und Fahrkultur ist der Civic aber absolut konkurrenzfähig.

Fahrwerk mit seltener Balance

Auf der Straße überzeugt der Civic mit einer selten gewordenen Ausgewogenheit. Lenkung und Fahrwerk sind präzise, aber nie nervös, komfortabel, aber nicht schwammig. Der Wagen reagiert sauber auf Lenkbefehle, bleibt auch bei schneller Gangart stabil und filtert zugleich schlechte Straßen ordentlich weg. Elektronische Assistenzsysteme greifen dezent ein, ohne Hektik, unnötige Warnungen oder überraschende Bremsimpulse. Das Auto fährt so, wie man es von einem sorgfältig auf europäische Straßen abgestimmten Modell erwartet.

Innenraum: Funktion schlägt Show

Im Cockpit setzt Honda konsequent auf Funktion statt Bling-Bling und trifft damit einen Nerv. Der Civic verzichtet bewusst auf übergroße Touchflächen und Menükaskaden. Stattdessen gibt es klar gegliederte Anzeigen, echte Tasten und Drehregler für die Klimaanlage sowie logisch angeordnete Lenkradtasten. Das zentrale Display fällt mit knapp 9 Zoll vergleichsweise klein aus, überzeugt aber mit übersichtlicher Struktur und flüssiger Bedienung. Android Auto und Apple CarPlay laufen stabil, im Alltag genügt das vollkommen.

Heckansicht eines weißen Honda Civic e:HEV auf einer Küstenstraße mit Meer im Hintergrund.
Honda

Am Heck des Civic hat sich hingegen wenig verändert.

Verarbeitung mit spürbarem Reifegrad

Positiv fällt auch die Materialqualität auf. Honda hat im Civic spürbar nachgelegt: Weiche Kunststoffe im oberen Armaturenbrett, sauber bezogene Türtafeln, griffige Schalter und eine angenehm matte Oberflächenanmutung prägen den Innenraum. Nichts klappert, nichts wirkt billig. Selbst nach ruppigen Landstraßenpassagen bleibt das Cockpit frei von Knarzgeräuschen. Gerade im Vergleich zu manchem Newcomer aus China wirkt der Civic hier erfreulich ausgereift. Auch ergonomisch gibt es wenig Anlass zur Kritik. Die Sitze bieten guten Seitenhalt und Langstreckenkomfort, das Lenkrad liegt angenehm in der Hand.

Dezente Details statt Designlärm

Ein gestalterisches Highlight ist das feine Metallgitter, das sich über die gesamte Armaturenbrettbreite zieht und die Lüftungsdüsen elegant integriert. Es verleiht dem Innenraum eine klare, technische Note, ohne kühl zu wirken. In der Topversion Advance kommen elektrisch verstellbare Sitze, Bose-Soundsystem und ein Panorama-Glasschiebedach hinzu. Alles ist sauber integriert und ohne überflüssigen Zierrat. Der Civic fühlt sich innen teurer an, als es sein Preis vermuten lässt.

Raumangebot mit stilbedingten Grenzen

Beim Raumangebot kann der Civic seine stattlichen Außenmaße nicht ganz ausspielen. Die flach abfallende Dachlinie schränkt vor allem im Fond die Kopffreiheit etwas ein. Der Kofferraum ist ordentlich dimensioniert, die große Heckklappe erleichtert das Beladen, doch sperrige Gegenstände stoßen schnell an die schräge Heckscheibe. Rund 1.200 Liter bei umgeklappter Rückbank sind solide, aber nicht klassenführend. Auch die Übersicht nach hinten leidet etwas unter dem dynamischen Design.

Preislich fair, sachlich ausgestattet

Die Preise starten bei 31.849 Euro (alle Preise netto). Damit hat Honda den Civic im Vergleich zum Modelljahr 2025 um 1.345 Euro günstiger gemacht. Bereits die Basisversion Elegance ist gut bestückt: Navigation, Zwei-Zonen-Klimaanlage, Rückfahrkamera, Lederlenkrad und gleich elf Airbags sind serienmäßig. Für 2026 gibt es zusätzlich einen schwarzen Dachhimmel, matt verchromte Lüftungsdüsen, einen automatisch abblendenden Innenspiegel und eine induktive Ladeschale. Darüber rangiert die Version Sport (ab 32.689 Euro) mit beheizbarem Lenkrad und größerem Kombiinstrument. Die von uns gefahrene Topversion Advance (34.790 Euro) ergänzt adaptives Fernlicht, Bose-Soundsystem, elektrische Sitze und ein Panorama-Glasschiebedach.

Honda Civic e:HEV – Technische Daten

Viertüriges, fünfsitziges Schrägheck; Länge: 4,56 Meter, Breite: 1,80 Meter (Breite mit Außenspiegeln: 2,08 Meter), Höhe: 1,41 Meter, Radstand: 2,73 Meter, Kofferraumvolumen: 410 – 1.220 LiterHybrid-Antrieb mit 2,0-Liter-Vierzylinder und zwei E-Motoren; 135 kW/184 PS, maximales Drehmoment: 315 Nm, Frontantrieb, stufenlose Automatik, 0-100 km/h: 7,8 s, Vmax: 180 km/h, Normverbrauch: 4,7 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 108 g/km, Abgasnorm: Euro 6e-bis, Testverbrauch: 6,1 Liter

Preis: ab 31.849 Euro

Honda Civic e:HEV – Kurzcharakteristik

Warum: weil er selten ist und ein außergewöhnliches und gut arbeitendes Antriebssystem bietet

Warum nicht: weil er zwar elektrisch, aber nicht emissionsfrei fährt

Was sonst: Toyota Corolla, Opel Astra, VW Golf