Cadillac Vistiq im Test: US-Luxus elektrisch

Großer Luxus-SUV von Cadillac
Vistiq zeigt Stärke – und typische Schwächen

Der elektrische Cadillac Vistiq bietet üppigen Raum, enorme Leistung und klassischen US-Luxus. Im Alltag zeigen sich jedoch Grenzen bei Effizienz, Reichweite und Ladeperformance. Der Fahrbericht mit Bildergalerie.

Cadillac Vistiq 2026
Foto: Cadillac

US-Luxus-SUV mit klassischen Stärken

Kraft im Überfluss und Platz ohne Ende – der elektrische Cadillac Vistiq bietet die klassischen Vorzüge amerikanischer Luxusautos, leidet aber auch unter ihren typischen Nachteilen. Vor allem beim Verbrauch steht der Stromer in einer Traditionslinie mit den sorglos trinkenden US-Benzinern.

Üppige Abmessungen prägen Auftritt und Raumgefühl

Dass der Crossover aus dem Land des unbegrenzten Platzangebots kommt, sieht man dem Cadillac schon von weitem an. Mit 5,22 Metern Länge, deutlich über 2 Metern Breite und einer Dachkante irgendwo auf Scheitelhöhe des durchschnittlichen Mitteleuropäers wirkt er selbst neben normalen Oberklasse-SUVs ausufernd groß. Das ist unpraktisch beim Parken und Rangieren, hat aber zwei Vorteile: Übersehen kann einen so leicht keiner. Und Platzangst muss man innen niemals haben. Tatsächlich übersetzen sich die üppigen Abmessungen in ein fürstliches Raumangebot.

Drei Sitzreihen mit komfortablem Zugang

Zumindest in den ersten beiden Reihen kann man sich ordentlich breitmachen. In Reihe drei geht es naturgemäß etwas enger zu, wobei mit ein wenig Feinjustierung der übrigen Sitze es auch dort zwei Erwachsene zumindest auf Kurzstrecke aushalten können. Der Einstieg gelingt entweder durch die Lücke zwischen den Einzelsitzen der zweiten Reihe oder über ein elektrifiziertes Schienensystem durch die großen Fondtüren.

Cadillac Vistiq 2026
Cadillac

Die Eintrichtung ist hochwertig und massiv.

Innenraum: wertig, aber nicht durchdacht bedient

Die Inneneinrichtung erfüllt hohe Ansprüche. Alles wirkt massiv, die Mittelkonsole wuchtig, die verbliebenen Taster hochwertig. Der Großteil der Bedienung läuft jedoch über Touchscreens – inklusive Klimasteuerung, die so tief platziert ist, dass der Blick häufig von der Straße wandert.

Displays mit Schwächen im Detail

Der große, konkave Bildschirm wird teilweise vom Lenkrad verdeckt. Das Head-up-Display zeigt zwar alle relevanten Informationen, projiziert die Navigationspfeile jedoch so groß, dass sie die Sicht einschränken. Auch der Geschwindigkeitswarner fällt unangenehm auf.

Cadillac Vistiq 2026
Cadillac

Auf über fünf Metern länge bietet er Platz für bis zu sieben Insassen.

Leistung im Überfluss – geradeaus beeindruckend

Viel mehr als das Kleinklein und Links-rechts im Stadtverkehr liegt dem Cadillac aber sowieso das souveräne Gleiten über Land. Die bulligen 880 Nm der zwei E-Motoren lassen die rund drei Tonnen immer mindestens leichtfüßig wirken. Wer per Druck auf den "V"-Knopf am Lenkrad die volle Kraft freischaltet, entfesselt eine Urgewalt, die den Vistiq ungestüm nach vorne preschen lässt, als wäre er nicht einmal halb so schwer. In rund vier Sekunden donnert er auf Tempo 100 und fährt bis zu 210 km/h schnell.

Fahrwerk komfortabel, Dynamik begrenzt

Vornehmlich allerdings geradeaus, denn in der Kurve hält ihn auch das adaptive Luftfahrwerk (optional) nicht von spürbarem Wanken ab. Immerhin: Die kräftigen Bremsen hinter den 23-Zoll-Felgen fangen ihn immer sicher ein.

Effizienz bleibt Achillesferse

In einem anderen Fall helfen Techniktricks allerdings nicht: bei der Effizienz. Zwar ist ein Praxisverbrauch von im Mittel 25 bis 30 kWh je 100 Kilometern angesichts der hier gebotenen Masse an automobilem Luxus gar kein schlechter Wert, allerdings erschöpft er den 91 kWh großen Akku entsprechend flott. Wer halbwegs schnell auf der Autobahn unterwegs ist, muss spätestens alle 300 Kilometer an die Ladesäule, wo der Cadillac dann nur relativ zurückhaltend Strom zieht. 130 kW beträgt die maximale Ladeleistung – vor allem in der Premiumliga heute nicht mal mehr Durchschnitt. Das Gesamtbündel aus eingeschränkter Power an der Steckdose, Batteriekapazität und mäßiger Effizienz ist für die schnell gefahrene Langstrecke alles andere als ideal.

Cadillac Vistiq 2026
Cadillac

Das große SUV gibt es ausschließlich elektrisch.

Charakterstärker als viele Konkurrenten

Wettbewerber wie ein Hyundai Ioniq 9, ein Mercedes EQS SUV oder ein Volvo EX90 kommen vielleicht weiter und laden schneller, bieten aber auch nicht den massiven, selbstbewussten Luxus, den ein Cadillac nach innen wie außen verkörpert. Denn der spezielle Charakter der Marke hat sich im Elektrozeitalter nicht geändert: Auch ohne V8 bleibt der Vistiq ein klassisches US-SUV.

Cadillac Vistiq – Technische Daten

Fünftüriger, siebensitziger Crossover der Oberklasse, Länge: 5,22 Meter, Breite: 2,03 Meter (mit Außenspiegeln: 2,23 Meter), Höhe: 1,79 Meter, Radstand: k.A. Meter, Kofferraumvolumen: 297 bis 889 Liter, Anhängelast: 2.000 kg (mit sechs Passagieren).

Zwei Elektromotoren (Front/Heck), 475 kW/646 PS, Drehmoment: 880 Nm, Allradantrieb, 1-Gang-Automatik, 0-100 km/h: 4,1 s, Vmax: 210 km/h, Reichweite (WLTP): 460 km, Akku: 91 kWh, Ladeleistung: 22 kW/130 kW (AC/DC), DC-Laden 10-80 %: 40 Minuten, AC-Laden 10-100 %: ca. 4 Stunden, Normverbrauch: 22 kWh/100 km, Testverbrauch: 25 kWh/100 km; Preis: ab 83.731 Euro netto, Testwagenpreis: 95.516 Euro netto.

Kurzcharakteristik

Warum: wuchtiger Auftritt, klassische US-Luxus

Warum nicht: geringe Praxisreichweite, maue Ladeleistung

Was sonst: Hyundai Ioniq 9, Volvo EX90