Der Diesel unter Druck – aber noch relevant
Der Diesel steht unter Druck – doch abgeschrieben ist er bisher nicht. Gerade in der gehobenen Mittelklasse der SUV bleibt der Selbstzünder für Vielfahrer und Fuhrparks eine rationale Wahl: hohe Reichweite, niedriger Verbrauch und souveräne Langstreckentauglichkeit. Wie gut moderne Diesel-SUV dieses Profil heute noch erfüllen, zeigt ein aktueller Vergleichstest der Schwesterzeitschrift auto, motor und sport.
Premium-Mittelklasse-SUV im Diesel-Vergleich
Im Testfeld stehen vier zentrale Vertreter des Segments: der Audi Q5 TDI quattro mit 150 kW (ab 48.025 Euro), der BMW X3 20d xDrive mit M Sportpaket (ab 52.353 Euro), der Mercedes GLC 220 d 4Matic (ab 52.990 Euro) sowie der VW Tayron 2.0 TDI 4Motion in der R-Line-Ausführung (ab 45.252 Euro). Vor allem bei Premium-Mittelklasse-SUV bleibt der Diesel damit eine überlegenswerte Option, auch wenn es kaum noch ohne elektrischen Beistand geht: Audi Q5, BMW X3 und Mercedes GLC kombinieren ihre Zweiliter-Diesel mit Mildhybrid-Technik. Eine Ausnahme bildet der VW Tayron, der im Test mit klassischem 193-PS-TDI, Doppelkupplungsgetriebe und Allradantrieb antritt.

Audi Q5 2.0 TDI
Audi Q5 2.0 TDI: viel Technik, wenig Verbrauchsvorteil
Der Audi Q5 treibt den Hybrid-Aufwand besonders weit. Neben 48-Volt-Bordnetz und Riemenstartergenerator kommt ein zusätzlicher Triebstrang-Generator (TSG) zum Einsatz. Der 18-kW-Elektromotor sitzt am Getriebeausgang und kann über die Hinterachse sowohl rekuperieren als auch beim Rangieren elektrisch antreiben. Die Kehrseite: ein Leergewicht von 2.066 Kilogramm.
Testverbrauch enttäuscht trotz Hybridtechnik
Effizienzgewinne bleiben dennoch überschaubar. Mit 6,6 Litern Diesel auf 100 Kilometer liegt der Q5 im Test leicht über BMW X3 und VW Tayron (je 6,5 l) sowie deutlicher über dem Mercedes GLC (6,2 l). Damit verfehlt das komplexe Hybridkonzept seinen eigentlichen Zweck zumindest teilweise.
Ruckeliges Rangieren trübt den Komfort
Problematischer als der Verbrauch sind die fahrdynamischen Nebenwirkungen des TSG. Beim Anfahren und Rangieren agiert das System häufig ruckartig, insbesondere auf unebenem Untergrund oder bei kleinen Hindernissen. Die Übergänge wirken wenig harmonisch und erinnern unangenehm an frühe automatisierte Kupplungen – das darf in dieser Klasse nicht passieren.
Stärken bei Bremsen, Komfort und Traktion
Unbestritten sind hingegen die klassischen Audi-Tugenden. Die Bremsleistung ist exzellent: Aus 100 km/h steht der Q5 in rund 34 Metern – Bestwert im Testfeld. Zudem überzeugt der SUV als komfortabler Langstreckenwagen, vor allem mit optionalem Luftfahrwerk und sehr guten Sitzen. Der quattro-Antrieb sorgt für hohe Traktion und neutrales Fahrverhalten, auch bei zügiger Gangart.
Lenkung und Bedienung bleiben Schwachpunkte
Weniger überzeugend fällt die synthetische, rückmeldungsarme Lenkung aus, die den Fahrspaß spürbar schmälert. Auch bei Bedienbarkeit und wahrgenommener Interieur-Qualität bringt der Modellwechsel keine Fortschritte. Kritikpunkte bleiben das Touchfeld in der Tür sowie die unübersichtliche Darstellung des Kombiinstruments.

BMW X3 20d xDrive
BMW X3 20d xDrive: Stark wie ein Supersportler
Eine Parallele verbindet den BMW X3 20d xDrive mit seinem Ingolstädter Rivalen: die grafisch überfrachtete Darstellung von Anzeigen und Menüs. Warum BMW wie Audi keine konventionellere, besser ablesbare Alternative anbieten, bleibt unverständlich – Mercedes GLC und VW Tayron zeigen, dass es deutlich nutzerfreundlicher geht.
B47-Diesel: Drehmoment auf Lamborghini-Niveau
Kernkompetenz jedes BMW bleibt der Motor – und der X3 bildet hier keine Ausnahme. Der bekannte B47-Diesel wird von einem 48-Volt-System mit 8-kW-Unterstützung flankiert. Der Vierzylinder leistet 197 PS und stellt 400 Nm Drehmoment bereit. Zum Vergleich: Ein Lamborghini Countach Anniversary von 1988 kam trotz V12 und 455 PS auf lediglich 418 Nm.
Durchzug schlägt Konkurrenz spürbar
Entsprechend souverän tritt der BMW auf. Der Sprint auf 100 km/h gelingt in 7,6 Sekunden, der Durchzug von 60 auf 100 km/h in nur 4,3 Sekunden. Damit distanziert der X3 seine Wettbewerber um rund eine halbe Sekunde – ein Unterschied, der sich im Alltag deutlich bemerkbar macht. Auf Landstraße und Autobahn wirkt der BMW spürbar lebendiger, ohne dabei akustisch aufzufallen.
Komfort leidet unter straffer M-Abstimmung
Weniger überzeugend präsentiert sich der X3 auf schlechten Straßen. Vor allem mit dem 3.277 Euro teuren M Sportpaket fällt die Abstimmung unnötig straff aus. Querfugen und Unebenheiten dringen polterig durch, was den Langstreckenkomfort schmälert. Zwar erzielt der BMW damit Bestzeiten im Slalom und bei Spurwechseln, doch ein softeres Set-up wäre alltagstauglicher.
Gute Technik, aber kein Platzierungssprung
Unterm Strich liefert der X3 starke Bremsen, die umfangreichste Sicherheitsausstattung im Feld und dank iDrive eine nach wie vor vorbildliche Bedienlogik. Das genügt jedoch nicht, um sich entscheidend von der Premium-Konkurrenz abzusetzen – und auch nicht, um den Audi im Gesamtranking noch von Platz drei zu verdrängen.

Mercedes GLC 220 d
Mercedes GLC 220 d: Bestseller mit Standortvorteil
Im Vergleich setzt sich der Mercedes GLC 220 d 4Matic auch aufgrund seiner Herkunft ab. Während Audi Q5 und BMW X3 in Mexiko beziehungsweise den USA gefertigt werden und dafür in der Umweltwertung Punkte lassen, kommt der GLC aus Bremen. Kürzere Transportwege wirken sich positiv aus – ebenso wie der anhaltende Markterfolg der Baureihe, die seit dem Generationswechsel vom GLK im Jahr 2015 zu den Dauerbrennern von Mercedes zählt.
Effizienter Diesel mit Hybrid-Support
Besonders gefragt ist der GLC 220 d der aktuellen Generation X 254. Der Zweiliter-Diesel leistet 197 PS und wird von einer 17-kW-Hybridunterstützung flankiert. Im Test überzeugt der Antrieb mit bemerkenswerter Effizienz: 6,2 Liter Diesel auf 100 Kilometer im Durchschnitt, auf der Eco-Runde sogar nur 5,1 Liter. Im Alltag sind damit Verbräuche zwischen gut fünf und unter sechs Litern realistisch.
Reichweite über 1.000 Kilometer
Mit seinem 62-Liter-Tank erreicht der GLC Reichweiten von deutlich über 1.000 Kilometern. Das macht den Mercedes zu einem echten Langstreckenfahrzeug – nicht nur effizient, sondern auch komfortabel und zügig unterwegs.
Airmatic und Hinterachslenkung steigern Komfort
Zur guten Gesamtperformance trägt auch die Antriebskombination aus kultiviertem Diesel, weich schaltender Neungang-Automatik und 4Matic-Allrad bei. Der Testwagen ist zudem mit dem 3.320 Euro teuren Technik-Paket ausgestattet, das Airmatic-Federung und Hinterachslenkung umfasst. Ergebnis sind hoher Federungskomfort, ein kleiner Wendekreis und große Stabilität bei Tempo.
Souverän statt sportlich
Zwar wirkt der GLC bei schnellen Richtungswechseln etwas gelassener als seine Wettbewerber, bleibt dabei aber jederzeit stabil. Die harmonische, präzise Lenkung unterstreicht das typisch „mercedesige“ Fahrgefühl: sicher, komfortabel und wertig.
Attraktive Preisstruktur im Vergleich
Trotz umfangreicher Ausstattung ist der GLC nicht das teuerste Fahrzeug im Test. Der Preis liegt leicht unter dem BMW X3 und deutlich unter dem stark ausgestatteten Audi Q5. Zudem bietet Mercedes mit dem GLC 200 d (163 PS, ab 49.340 Euro) einen günstigeren Diesel an – eine Option, die in diesem Premium-Umfeld nur noch der VW Tayron ebenfalls bereithält.

VW Tayron
VW Tayron: Der große T-Wagen
Der VW Tayron ist ein Tiguan-Ableger und basiert auf dem MQB. Bereits der Einstiegsdiesel mit 150 PS ist für das große SUV erhältlich – und kostet in der Topausstattung R-Line rund 4.900 Euro weniger als der getestete 193-PS-Diesel. Kann man ja mal drüber nachdenken.
Trotz üppiger Extras das günstigste Angebot
Nicht gespart haben die Wolfsburger jedenfalls bei der Ausstattung des Testwagens auf diesen Seiten. Mit all seinen Extras kommt er auf 60.424 Euro. Nicht wenig für einen SUV, der letztlich auf der Golf-Plattform beruht, aber gleichzeitig das günstigste Angebot in diesem Vergleichstest ist.
Reifenwahl und Bremsleistung als Pluspunkt
Zu den aufpreispflichtigen Extras unseres oryxweißen Testwagens zählen unter anderem die mit 255/40er-Pneus bereiften 20-Zöller. Die Continental SportContact 6 erweisen sich im Test als gute Wahl. Sie zeigen beim Bremsen eine tolle Performance und fallen beim Fahren auf trockenem Asphalt mit weichem Abrollen und neutralem Handling auf.
Fahrwerk überzeugt mit Komfort und Kontrolle
Ohnehin ist das die beste Seite des Tayron: Er fährt einfach schön und stimmig. Das Fahrwerk zeigt sich komfortabel abgestimmt, doch nie zu nachgiebig oder gar schaukelig. Die adaptiven Zweiventil-Dämpfer verrichten einen großartigen Job.
Platzangebot auf Van-Niveau
Nun sind wir bereits so weit gekommen und haben eine weitere Stärke des Tayron noch gar nicht erwähnt: sein wirklich gigantisches Raumangebot. Hinter der zweiten Sitzreihe stehen 885 Liter Ladevolumen bereit, maximal fasst der Kofferraum knapp über zwei Kubikmeter.
Souveräner Diesel bringt den Sieg
Der 193 PS starke Dieselmotor passt hervorragend zu diesem bequemen und raumfülligen Reisewagen. Er arbeitet geschmeidig und sparsam (Testverbrauch 6,5 l/100 km) und trägt so dazu bei, dass der Tayron am Ende ganz vorn landet. Schon eine feine Sache, so ein Diesel.
Fazit Mittelklasse-SUV: Audi Q5, BMW X3, Mercedes GLC und VW Tayron
Das harmonischste und stimmigste Fahrzeug in diesem Vergleich ist der VW Tayron. Nur knapp dahinter kommt der Mercedes GLC ins Ziel. Nicht ganz so gut schneiden dagegen Audi Q5 und BMW X3 ab, die sich ausgeprägtere Schwächen erlauben und weniger eifrig Punkte sammeln.
Gesamtwertung im Überblick

Die Gesamtwertung auf einen Blick.
Punktewertung der vier Testkandidaten
Die detaillierte Punktewertung zeigt transparent, wie sich Audi Q5, BMW X3, Mercedes GLC und VW Tayron im Vergleich schlagen.
Technische Daten im direkten Vergleich
Alle relevanten technischen Daten von Motorisierung bis Abmessungen im Überblick.
Unterhaltskosten und Wirtschaftlichkeit
Verbrauch, Wartung, Versicherung und Wertverlust der vier Diesel-SUV im Kostenvergleich.









