Mit dem Leapmotor C10 REEV schlägt der Stellantis-Konzern gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Wer bei der Elektromobilität noch unter Reichweitenangst leidet, bekommt mit dem Range Extender (Reichweitenverlängerer) in Summe knapp 1.000 Kilometer. Gleichzeitig ist das China-SUV aufgrund des Antriebskonzepts, und damit der reduzierten Dienstwagenbesteuerung, nicht nur wegen seines Bruttolistenpreises eine interessante Alternative. Doch wie alltagstauglich ist dieses REEV-Konzept wirklich? Genau das hat ein dreiwöchiger Praxistest gezeigt. Übrigens: Leapmotor hat das Fahrzeug ganz aktuell umbenannt. Der C10 mit Range Extender läuft jetzt unter der Bezeichnung C10 Hybrid EV.
Antrieb: So funktioniert der Leapmotor C10 REEV (Range Extended Electric Vehicle)
REEV steht für „Range Extended Electric Vehicle“. Praktisch handelt es sich um einen Plug-in-Hybrid mit Range-Extender-Logik: Der C10 fährt immer elektrisch, kann den Akku aber nicht nur laden, sondern bei Bedarf während der Fahrt auch selbst Strom erzeugen. Dafür arbeitet ein 1,5-Liter-Vierzylinder mit 88 PS als Verbrenner-Generator. Der erzeugte Strom speist den 28,4-kWh-Akku, der laut WLTP eine reinelektrische Reichweite von 145 Kilometern ermöglicht. Eine gute Nachricht für Dienstwagenfahrer: Im Text ist von 0,5-Prozent-Besteuerung die Rede.
Ladeleistung im Test: 65 kW im Datenblatt – oft 40 bis 50 kW in der Praxis
Auf dem Papier lädt der Leapmotor C10 REEV an der Schnellladesäule (DC-Schnellladen) mit bis zu 65 kW. Das klingt zunächst ordentlich – doch der Praxiseindruck fällt nüchterner aus. Selbst bei guten Bedingungen kann der Ladestopp trotz der relativ kleinen Batterie länger dauern. Den im Datenblatt genannten Wert konnten wir nur einmal wenigstens annähernd erreichen. Im Schnitt lagen eher 40 bis 50 kW an. Das bedeutet: Wer mit fast leerer Batterie an den Schnelllader fährt, sollte mindestens eine halbe Stunde einplanen. Läuft es schlecht, kann über eine Stunde vergehen. Kurz gesagt: Beim Laden ist Geduld gefragt.
Reichweite: 145 km elektrisch – bis zu 974 km gesamt (WLTP) dank 50-Liter-Tank
Die 145 Kilometer WLTP rein elektrisch wachsen mit dem 50-Liter-Benzintank auf eine Gesamtreichweite von 974 Kilometern (WLTP). Liegenbleiben dürfte damit selbst auf langen Touren kaum jemand – Reichweitenangst ist also nicht das Problem. Sparsamkeit dagegen schon eher. Zwar nennt der Hersteller einen WLTP-Verbrauch von 6,4 l/100 km bei entladener Batterie, doch im Test ließ sich dieser Wert trotz zurückhaltender Fahrweise und voller Batterie nicht erreichen. Im Schnitt standen 7,5 l/100 km zu Buche – wenn auch bei Temperaturen teils deutlich unter 0 Grad Celsius.
Fahrgefühl: spritzig in der Stadt – entspannt auf Langstrecke
Im Fahrbetrieb gibt sich der Leapmotor C10 REEV insgesamt unaufgeregt. Rein elektrisch im Stadtverkehr wirkt er trotz Größe und Gewicht spritzig. Auf der Langstrecke, wenn der Verbrenner dauerhaft die Batterie nachlädt, ist es mit dem klassischen „E-Auto-Feeling“ allerdings vorbei. Bei höheren Geschwindigkeiten wirkt die Lenkung zudem etwas schwammig – sportlich fahren will dieses SUV nicht. Zum entspannten Cruisen passt der C10 REEV dagegen sehr gut.
Assistenzsysteme: viel Technik – aber oft zu kommunikativ
Zum Cruisen gehören Assistenzsysteme – und davon bringt der C10 reichlich mit: Spurführung, Kollisionsüberwachung, Erkennung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit und mehr. Leider arbeiten diese Systeme nicht immer zuverlässig und sind teilweise sehr „gesprächig“. Oder anders: Das ständige Piepsen kann nerven. Die Warntöne lassen sich zwar deaktivieren, aber nur umständlich: Man muss dafür tief in die Menüs eintauchen. Und das Ganze bei jedem Fahrtantritt erneut.
Bedienung & Infotainment: Menüführung braucht Übung – Navigation verlangt Nerven
Der C10 setzt auf zwei Displays: Vor dem Fahrer sitzt ein digitales 10,25-Zoll-Display mit den wichtigsten Informationen. In der Mitte dominiert ein hochauflösender 14,6-Zoll-Touchscreen, der Infotainment, Navigation und zahlreiche Fahrzeugfunktionen bündelt. Die Menüführung wirkt allerdings nicht immer intuitiv – hier braucht es Übung. Praktisch: Über das Multifunktionslenkrad lassen sich zumindest einige Funktionen steuern, ohne die Hände vom Lenkrad zu nehmen. Wer hingegen glaubt, vieles per Sprachbefehl erledigen zu können, stößt schnell an Grenzen.
Smartphone-Konnektivität: Kein Apple CarPlay, kein Android Auto
Auch die App bietet Zugriff auf verschiedene Funktionen. Aber: Wer auf Apple CarPlay oder Android Auto hofft, wird enttäuscht. Beides wird nicht unterstützt. Besonders schmerzlich fällt das bei der Navigation auf. Die Übersetzung ins Deutsche ist, vorsichtig formuliert, dringend überarbeitungswürdig. Hier bleibt die Hoffnung auf künftige Over-the-Air-Updates.
Klimatisierung im Winter: Zwischen finnischer Sauna und arktischer Kälte
Bei Außentemperaturen um minus zehn Grad Celsius verlangte der Leapmotor den Insassen einiges ab. Trotz gleicher Innenraum-Einstellung wechselte das Auto gefühlt zwischen Sauna und Kühlschrank. Gegen Ende des Tests ließ sich zwar eine Einstellung finden, die halbwegs passte – allerdings nur so lange, bis das Gebläse für beschlagene Scheiben gebraucht wurde.
Platzangebot: Viel Raum im Innenraum – auch für große Menschen
Beim Raumangebot punktet der C10. Vorne sitzt man bequem, auch wenn die Sitze auf langen Strecken mehr Seitenhalt bieten dürften – ebenso wie eine längere Sitzfläche. Auf der Rückbank gibt es nochmals mehr Platz. Sie lässt sich zudem nahezu flach umlegen, um das Kofferraumvolumen zu vergrößern.
Kofferraum: Für die Größe eher knapp – kein Frunk wegen Verbrenner
Beim Gepäckraum sieht es weniger üppig aus. Einen Frunk gibt es wegen des Verbrenner-Motors natürlich nicht. Und mit rund 400 Litern ist der Kofferraum für ein Fahrzeug dieser Größe eher unterdurchschnittlich. Mit umgeklappter Rückbank sind maximal 1.375 Liter möglich – kein Klassenbestwert, für viele Nutzer aber ausreichend.
Konkurrenz: Enyaq, Ioniq 5, EV6 – und als PHEV-Alternative der BYD Seal U DM-i
Je nach Vorlieben lohnt der Blick auf Alternativen wie Škoda Enyaq (585–1.710 l), Hyundai Ioniq 5 (520–1.580 l) oder Kia EV6 (450–1.250 l). Wer ein ähnliches Konzept „mit Verbrenner an Bord“ sucht, kann zudem den BYD Seal U DM-i (425–1.440 l) in Betracht ziehen. BYD bezeichnet ihn als „Plug-in-Hybrid mit Range-Extender-Logik“. Der entscheidende Unterschied: Beim BYD unterstützt der Verbrenner den Antrieb direkt – wenn auch erst bei höheren Geschwindigkeiten.
Fazit: Reichweite top – Alltag hängt an Laden, Geräusch und Bedienung
Mit dem Leapmotor C10 hat Stellantis ein Dienstwagen- oder Familienauto im Angebot, das preislich überzeugt – auch wenn es einige Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Beim Antrieb dürfte vielen Nutzern die reinelektrische Variante am Ende bessere Dienste leisten. Die REEV-Version ist auf der Autobahn nicht besonders leise, wenn die Batterie zur Neige geht – was im Test zweimal der Fall war. Und: Das Laden dauert selbst unter optimalen Bedingungen zu lange. Trotzdem ist der Range Extender eine Option für Fahrerinnen und Fahrer, die bei einem reinen Elektroantrieb noch deutliche Bedenken wegen der Reichweite haben.
Dienstwagen: Nicht nur Reichweite – auch die Besteuerung entscheidet
Wer keine Reichweitenangst hat, sollte einen Blick auf den C10 BEV AWD (Allrad) werfen. Er kommt laut WLTP 437 Kilometer weit und soll dank 800-Volt-Technologie von 30 auf 80 Prozent in 22 Minuten laden. Leapmotor gibt dafür einen WLTP-Energieverbrauch von 20,9 kWh/100 km an. Allerdings ist der Einstiegspreis mit 44.900 Euro netto rund 8.000 Euro höher als beim REEV. Dafür spielt die Dienstwagenregelung eine Rolle: Der REEV wird im Text als „quasi Plug-in-Hybrid“ mit 0,5 Prozent versteuert, beim BEV sind es 0,25 Prozent. Zu guter Letzt hat Leapmotor auch bei den reinelektrischen Modellen nachgelegt und bietet mittlerweile einen C10 BEV Pro mit 2-Rad-Antrieb und einer WLTP-Reichweite von Kilometern für 37.600 Euro netto an.
Fazit zum Praxistest
Antwort auf die eingangs aufgeworfene Frage („Wie schlägt sich der Antrieb im Alltag?“): Die Reichweite ist dank Range Extender kaum das Problem – entscheidend sind im Alltag vor allem Ladeleistung/Ladezeit, Geräuschkulisse bei leerer Batterie, Bedienlogik/Assistenz-Piepsen und (bei Dienstwagen) die Besteuerung.
Technische Daten Leapmotor C10 REEV
- Karosserie/Antrieb: Fünftüriges SUV, Heckantrieb
- Maße: Länge 4,74 m; Breite 1,90 m (Breite mit Außenspiegeln: k. A.); Höhe 1,68 m; Radstand 2,83 m
- Kofferraum: 400–1.375 l
- Antriebssystem: Range Extender mit Benzin- und E-Antrieb
- Elektromotor: 215 PS; 320 Nm
- Benzinmotor (Generator): 88 PS; 125 Nm
- Batterie: Lithium-Phosphat; 28,4 kWh
- Fahrwerte: 0–100 km/h: 8,5 s, Vmax: 170 km/h
- Verbrauch (kombiniert, WLTP): 20,5 kWh/100 km plus 0,4 l/100 km
- Benzinverbrauch bei entladener Batterie (WLTP): 6,4 l/100 km
- Testverbrauch: mit voller Batterie: 22 kWh/100 km; entladen: 7,5 l/100 km
- Reichweite (WLTP): 974 km
- Preis (netto): ab 36.400 Euro
Kurz-FAQ zum Leapmotor C10 REEV
Der C10 fährt elektrisch; ein Verbrenner arbeitet als Generator und erzeugt bei Bedarf Strom für den Akku.
Im Datenblatt stehen 65 kW, im Test lagen häufig 40–50 kW an – entsprechend dauert der Stopp teils deutlich länger.
Im Schnitt 7,5 l/100 km, teils bei Temperaturen deutlich unter 0 °C.
Für alle, die Reichweitenangst haben und trotzdem elektrisch fahren wollen – und für die die 0,5-Prozent-Dienstwagenbesteuerung relevant ist.
Škoda Enyaq, Hyundai Ioniq 5, Kia EV6 sowie als PHEV-Alternative BYD Seal U DM-i.






