Mit der Limousine 6e hat Mazda im vergangenen Jahr den Neustart in die Elektromobilität gewagt. Richtig losgehen soll es aber erst jetzt: Der ab sofort bestellbare CX-6e basiert auf dem gleichen Technikbaukasten, startet aber im ungleich populäreren SUV-Segment. Gegen die starke Konkurrenz in diesem Feld will er nicht zuletzt mit seinem gelungenen Design punkten. Der Preis für die einzig verfügbare Antriebsvariante startet bei 42.017 Euro (alle Preise netto).
Beim Design zeigt Mazda Mut
Optisch holt Mazda beim CX-6e das gestalterische Maximum aus dem Formenfundus des Mittelklasse-Crossover-Segments heraus. Die coupéhafte Dachlinie hat man zwar schon bei der Konkurrenz gesehen, die superscharf geschnittenen Blechfalze an der Front und originelle Details wie die Luftdurchlässe an der C-Säule hingegen kennt man in dieser Klasse sonst nicht. Wie bei den Japanern üblich, lässt sich der dynamische Auftritt auch durch mutige Farboptionen veredeln – bis hin zu einem Lilametallic, das am Auto deutlich besser aussieht, als man beim Lesen vermuten dürfte. Auf Wunsch gibt es einen ähnlichen Ton auch für die Polster des Innenraums, der mit sehr guter Verarbeitung und Materialauswahl einen insgesamt sehr hochwertigen Eindruck macht.

Dominierendes Element im Cockpit ist ein großer Querbildschirm.
Im Cockpit verschwinden die klassischen Tasten
Prägendes Element im Cockpit ist ein großer Touchscreen im Querformat, der sich bis weit ins Beifahrer-Armaturenbrett zieht. Auf klassische Tasten verzichtet der Mazda im Gegenzug komplett - mit den üblichen Problemen, was die ablenkungsfreie Bedienung während der Fahrt angeht. Ein Zentralinstrument hinter dem Lenkrad gibt es nicht, Tempo und andere wichtige Informationen werden per Head-up-Display direkt ins Sichtfeld projiziert. Dazu kommen als Bedienhilfe ein schneller und verständiger Sprachassistent sowie eine Gestensteuerung, die etwa die Schnellprogrammierung des Navigationssystems erlaubt.
Viel Platz trotz coupéhafter Dachlinie
Das Raumangebot für die Passagiere in dem 4,85 Meter langen Crossover ist wie zu erwarten großzügig. Selbst die Kopffreiheit hinten passt trotz der flachen Dachlinie auch für Großgewachsene. Diese freuen sich außerdem darüber, dass die Fond-Sitzbank relativ hoch ausfällt, so dass sie die Beine nicht allzu sehr anwinkeln müssen. Praktisch auch, dass der Boden komplett eben und dadurch der Mittelsitz gut nutzbar ist. Der Kofferraum ist mit nominell 468 Litern relativ groß, was er aber vor allem durch Tiefe erreicht. Die nutzbare Höhe ist aufgrund der Coupé-Heckklappe eingeschränkt. Statt Fächern im Unterboden nimmt eine einhängbare Zubehörschale Kleinkram auf. Außerdem gibt es ein großes Frunk-Fach, das dank Gasdruckfedern an der Fronthaube auch vernünftig nutzbar ist.

Die Dachlinie verläuft coupéhaft.
484 Kilometer Reichweite, 200 kW Ladeleistung
Die technische Basis des CX-6e stammt wie schon bei der Limousine 6e aus einer Kooperation mit dem chinesischen Hersteller Changan. Als Energiespeicher kommt ein 78 kWh großer Lithium-Ionen-Akku mit LFP-Chemie zum Einsatz, die als besonders robust gilt, aber eine geringere Energiedichte bietet als die in Europa gängigeren Batterien auf Nickelbasis. Trotzdem kommt der Crossover laut Norm ordentliche 484 Kilometer weit. Die Ladeleistung liegt bei bis zu 200 kW – ein guter Wert für 400-Volt-Akkus, aber nicht ganz auf dem Niveau von 800-Volt-Fahrzeugen. Die Technik hätte dem Mazda durchaus gut zu Gesicht gestanden; ob sie wirklich fehlt, kann aber erst die Praxiserfahrung am Schnelllader zeigen. Die übliche Zwischenladung auf Langstrecken (10 bis 80 Prozent) ist zumindest laut Hersteller aber auch ohne das höhere Spannungsniveau in kurzen 24 Minuten absolviert.
Heckantrieb bringt Würze ins Fahrverhalten
Den Antrieb übernimmt ein 190 kW/258 PS starker Motor an der Hinterachse, der dem Mazda einen etwas lebhafteren Charakter verpasst, als man ihn bei vielen Wettbewerbern mit Frontantrieb spürt. Das Fahrwerk gibt sich dazu passend komfortabel mit einem leichten Spritzer Agilität. Allradantrieb ist bei den Japanern nicht zu bekommen, immerhin darf der Crossover auch ohne diesen bis zu 1.500 Kilogramm an die Anhängekupplung nehmen. Mit 185 km/h liegt die Spitzengeschwindigkeit im oberen E-Auto-Bereich, Tempo 100 liegt nach rund 8 Sekunden an.

Die Frontmaske wird von LED-Licht umrahmt.
Was Mazda für knapp 50.000 Euro bietet
42.017 Euro verlangt Mazda für seinen Elektro-Crossover. Damit ist er deutlich billiger als Premiummodelle wie BMW iX3 und Mercedes GLC, mit denen er zumindest bei Auftritt und Ambiente mithalten kann. Gleichzeitig liegt er einige tausend Euro über vielen Konkurrenten aus der Volumenecke, zu denen VW ID.4, Hyundai Ioniq 5 oder Skoda Enyaq Coupé zählen. Ausgleichen kann er das zu einem guten Teil mit üppiger Ausstattung. Mazda bietet ihn nämlich lediglich in zwei Varianten an: als sehr gut bestückten „Takumi“ und für 2.521 Euro mehr als ziemlich kompletten „Takumi Plus“. Letzterer bietet zusätzlich digitale Innen- und Außenspiegel und 21-Zöller. Fast alles andere ist Serie – von der Zweizonen-Klimaanlage über das Panorama-Glasdach und die Premium-Audioanlage bis zur Wärmepumpe. Ebenfalls immer dabei: eine sechsjährige Fahrzeug-Garantie (150.000 Kilometer).
Reicht das Paket für Mazdas Verkaufsziel?
Rund 7.000 Einheiten des CX-6e will Deutschland-Geschäftsführer Bernhard Kaplan im ersten vollen Verkaufsjahr an die Kunden bringen. Mehr als vom 6e und dem mittlerweile ausgelaufenen Premieren-Stromer MX-30. Das sollte klappen: Optisch spielt der Mazda CX-6e ganz oben mit, muss in diesem Kapitel auch den Vergleich mit deutschen Premiumherstellern nicht scheuen. Technisch liegt er bei Reichweite und Ladegeschwindigkeit allerdings selbst im Vergleich mit Volumenmarken nur im Mittelfeld. Da das letztlich auch für den Preis gilt, bietet der Japaner mit chinesischen Genen trotzdem ein überzeugendes Gesamtpaket.
Mazda CX-6e – Technische Daten
Elektro-Crossover mit Heckantrieb; Länge: 4,85 m, Breite: 1,94 m, Höhe: 1,62 m, Radstand: 2,90 m; Kofferraumvolumen 468 Liter – 1.434 Liter, zusätzlicher Frunk: 80 Liter, Anhängelast: 1.500 kg.
Antrieb: 190 kW/258 PS, maximales Drehmoment 290 Nm, Eingang-Getriebe, Lithium-Ionen-Batterie (LFP) mit 78 kWh, max. DC-Ladeleistung 200 kW, Ladezeit 10–80 Prozent ca. 24 Minuten, max. Reichweite 484 Kilometer (WLTP), Verbrauch: 19,4 – 18,9 kWh/100 Kilometer, Leergewicht 2.205 kg, 0–100 km/h: 7,9–8,1 s, Vmax: 185 km/h; Preis: ab 42.008 Euro.
Warum: Spitzenklasse beim Design
Warum nicht: Mittelmaß bei Reichweite und Ladeleistung
Was sonst: Xpeng G6, BYD Sealion 7, Hyundai Ioniq 5, Skoda Enyaq, BMW iX3, Mercedes GLC
Wann kommt er: ab sofort










