Viel Platz für Kinder, Gepäck und Urlaubsutensilien, reichlich Komfort auf langen Strecken und möglichst geringe Betriebskosten: Die Anforderungen an ein großes Familienauto sind vielfältig, manchmal sogar widersprüchlich. Das zeigt sich besonders bei der Wahl des Antriebs. Wer sich für einen rund fünf Meter langen Siebensitzer entscheidet, kann zwischen zahlreichen technischen Konzepten wählen. Fünf Beispiele.
Kia EV9 - Der elektrische Riese
Der Kia EV9 verzichtet als einziger Kandidat in dieser Fünferrunde vollständig auf einen Verbrennungsmotor, setzt stattdessen auf reinen E-Antrieb. Das rund fünf Meter lange Elektro-SUV bietet in der Basisversion einen 160 kW/218 PS starken Heckantrieb und eine 76 kWh große Batterie für bis zu 443 Kilometer Fahrt, kostet dann ab 53.782 Euro (alle Preise netto). Die größere Batterie mit knapp 100 kWh Kapazität ermöglicht je nach Ausführung eine Normreichweite von bis zu 563 Kilometern.
Seine Stärken spielt der Koreaner vor allem beim Komfort aus. Der E-Antrieb arbeitet praktisch geräuschlos, liefert seine Kraft ohne Schaltvorgänge und ermöglicht ein besonders entspanntes Dahingleiten. Auch das Raumangebot profitiert von der Elektroarchitektur mit langem Radstand und weitgehend ebenem Innenraumboden – selbst in der dritten Sitzreihe lässt es sich als Erwachsener einigermaßen aushalten. Immer noch eine Besonderheit im E-Auto-Segment jenseits der Premiummarken ist zudem die 800-Volt-Technik, die auf Langstrecken kurze Ladezeiten möglich macht. Finanziell lohnt sich der elektrische Antrieb aber vor allem für Fahrer, die regelmäßig günstig zu Hause oder beim Arbeitgeber laden können. Ökologisch bietet der Kia trotz seiner großen Batterie langfristig Vorteile gegenüber vergleichbaren Verbrennern.
Kosten und Alternativen: Bei einem durchschnittlichen Haushaltsstrompreis von 37 Cent je Kilowattstunde kostet die Fahrt über 100 Kilometer im Kia EV9 nach Normverbrauch rund 6,05 Euro. An einer Schnellladesäule mit 50 Cent je Kilowattstunde sind es rund 9,66 Euro. Der EV9 ist eine reine E-Auto-Baureihe, Verbrenner sind nicht zu haben.
Hyundai Santa Fe – Der unkomplizierte Vollhybrid
Einen anderen Weg geht der Hyundai Santa Fe. Der ab rund 52.101 Euro als Siebensitzer erhältliche Vollhybrid kombiniert einen 1,6-Liter-Turbobenziner mit einem Elektromotor. Gemeinsam leisten sie 176 kW/239 PS. Die kleine Batterie wird ausschließlich während der Fahrt geladen, beispielsweise durch die Rückgewinnung von Bremsenergie. Der Vorteil liegt in der unkomplizierten Nutzung. Der Hyundai benötigt weder eine Wallbox noch eine Ladesäule, kann aber insbesondere im Stadtverkehr zeitweise rein elektrisch fahren.
Auf längeren Autobahnstrecken schrumpft dieser Vorteil allerdings, weil dort überwiegend der Verbrennungsmotor arbeitet. Mit einem Normverbrauch ab rund 6,8 Litern zählt der Koreaner zu den vergleichsweise sparsamen großen Benzin-SUV. Er bietet sich damit vor allem für Familien an, die viel im gemischten Verkehr unterwegs sind, aber keine Möglichkeit zum externen Laden haben. Seine CO2-Bilanz ist günstiger als die eines ähnlich schweren konventionellen Benziners mit höherem Verbrauch, mit einem reinen Elektroauto kann er bei den Emissionen im Betrieb aber nicht mithalten.
Kosten und Alternativen: Der Hyundai Santa Fe Hybrid kommt bei einem Benzinpreis von 1,81 Euro auf rund 12,27 Euro je 100 Kilometer. Im Antriebsprogramm findet sich außerdem ein Plug-in-Hybrid.
Mazda CX-80 – Zwei Antriebe in einem Auto
Mazdas Crossover versucht, die Vorteile von Elektroauto und Verbrenner zu verbinden. Der ab rund 48.739 Euro erhältliche Plug-in-Hybrid kombiniert einen 2,5-Liter-Benziner mit einem Elektromotor und Allradantrieb zu einer Systemleistung von 241 kW/327 PS. Seine 17,8 kWh große Batterie ermöglicht nach Norm rund 60 Kilometer rein elektrisches Fahren. Damit kann der Sechs- bis Siebensitzer den täglichen Weg zur Arbeit, zum Einkaufen oder zur Schule vielfach ohne laufenden Benzinmotor bewältigen. Auf längeren Fahrten übernimmt der Verbrenner. Wer die Batterie häufig auffüllt und seine Alltagsfahrten überwiegend elektrisch zurücklegt, kann die Benzinkosten deutlich reduzieren.
Wird dagegen fast ausschließlich mit leerem Akku gefahren, schleppt der Mazda die zusätzliche Antriebstechnik weitgehend ungenutzt mit. Für diesen Fall weist der Hersteller einen Normverbrauch von rund acht Litern auf 100 Kilometer aus. Auch die Umweltbilanz hängt entsprechend stark vom Fahrverhalten ab. Im elektrischen Betrieb entstehen lokal keine Abgase. Auf der Autobahn kann der große Benziner dagegen für vergleichsweise hohe CO2-Emissionen sorgen. Interessant ist der CX-80 für alle, die kurze Alltagswege mit gelegentlichen Langstrecken kombinieren und zuverlässig laden können, idealerweise zuhause.
Kosten: Der Mazda CX-80 kommt als Plug-in-Hybrid bei regelmäßiger Nutzung des Elektroantriebs rechnerisch auf etwa 11,76 Euro je 100 Kilometer. Mit entladener Batterie steigen die Kosten auf 14,29 Euro. Alternativ gibt es einen Diesel, auch als Allrader mit Mildhybrid.
Volvo XC90 – Der sanft elektrifizierte Benziner
Eher zurückhaltend fällt die Elektrifizierung beim Volvo XC90 B5 aus. Sein 184 kW/250 PS starker Benzinmotor wird durch ein 48-Volt-Mildhybridsystem unterstützt. Im Gegensatz zum Vollhybrid des Hyundai kann das große Premium-SUV damit nicht regulär rein elektrisch fahren. Der Elektromotor dient vor allem als Startergenerator, gewinnt beim Bremsen Energie zurück und unterstützt den Verbrenner in bestimmten Fahrsituationen, verbessert etwa das Ansprechverhalten bei kurzen Zwischenspurts. Verbrauchswunder sind von der Technik allerdings nicht zu erwarten – schon der Normverbrauch liegt bei knapp 9 Litern.
Der Vorteil gegenüber stärker elektrifizierten Konzepten liegt in der einfachen Nutzung: Der Volvo fährt wie ein herkömmlicher Benziner und verlangt keine Anpassung der Gewohnheiten. Der Mildhybrid eignet sich damit besonders für Käufer, die weder regelmäßig laden wollen noch die besonderen Sparpotenziale eines Vollhybrids benötigen. Unter Umweltgesichtspunkten bietet er gegenüber einem vergleichbaren Benziner ohne Elektrounterstützung aber kaum Vorteile.
Kosten und Alternativen: Der Mildhybrid-Benziner des Volvo XC90 braucht Energie im Gegenwert von rund 15 bis 17 Euro. Als weitere Antriebsoptionen gibt es einen Plug-in-Hybrid und das ähnlich geschnittene E-Modell EX90.
Audi Q7 – Der Diesel für die lange Strecke
Der neue Audi Q7 setzt auf eine bewährte Lösung für schwere Reisefahrzeuge: einen großvolumigen Dieselmotor. Der bis zu 220 kW/299 PS starke V6 mit Mildhybridtechnik bietet reichlich Drehmoment schon bei niedrigen Drehzahlen und sorgt damit für souveränen Vortrieb, auch bei voller Beladung oder mit Anhänger. Gerade bei hohem Autobahntempo und auf langen Strecken kommt dem Selbstzünder sein hoher Wirkungsgrad zugute.
Im Vergleich zum Benziner fällt der Verbrauch bei ähnlichen Einsatzbedingungen häufig niedriger aus. Zudem ermöglicht der große Tank hohe Reichweiten ohne Zwischenstopp. Das macht das SUV besonders für jene interessant, die regelmäßig lange Strecken zurücklegen oder mit Anhänger unterwegs sind. Dem vergleichsweise niedrigen Kraftstoffverbrauch stehen eine höhere Kfz-Steuer und je nach Ausführung und Nutzung höhere Wartungskosten gegenüber. Auch der Anschaffungspreis (ab 73.950 Euro) ist hoch. Zudem entstehen bei der Verbrennung weiterhin Treibhausgase sowie Stickoxide und Partikel, die mit aufwendiger Abgasreinigung reduziert werden müssen.
Kosten und Alternativen: Der Diesel im Audi Q7 verursacht Kosten von rund 13 bis 14 Euro auf 100 Kilometern. Eine andere Motoroption gibt es zurzeit nicht.
Eines haben alle fünf Kandidaten gemeinsam: Mit ihrer Größe und ihrem Gewicht sind sie keine ausgesprochen sparsamen Fahrzeuge. Wer sieben Sitzplätze tatsächlich benötigt, bekommt dafür viel Platz und Reisekomfort. Wer die dritte Sitzreihe dagegen nur selten nutzt, fährt mit einem kleineren und leichteren Auto unabhängig vom Antrieb meist günstiger und umweltschonender.











