Nicht jedes Elektroauto muss als Kilometerfresser auf die Autobahn. Der Suzuki e Vitara jedenfalls tut gut daran, sich nicht als Reiseauto zu inszenieren. Dafür lädt er zu langsam, dafür ist seine Reichweite zu überschaubar, seine Routenplanung zu wenig ausgefeilt. Wer morgens zur Arbeit, nachmittags zum Sportplatz und am Wochenende zum Einkaufen fährt, könnte mit dem ersten Batterieauto der japanischen Marke aber gut zurechtkommen.
Zwei Marken teilen sich die Technik aus Indien
Der Suzuki e Vitara läuft gemeinsam mit dem weitgehend baugleichen Toyota Urban Cruiser in Indien vom Band. Beide Modelle nutzen die gleiche Technik, die äußeren Unterschiede beschränken sich im Wesentlichen auf Details an Front und Heck sowie das Markenlogo. Mit 4,28 Metern Länge bleibt der Fünftürer stadttauglich, die rundum kräftige Kunststoffbeplankung passt zum robusten Auftritt und schützt im Parkhaus vor schweren Folgen bei kleinen Remplern.

Das Cockpit ist solide verarbeitet, aber nicht allzu edel ausstaffiert: Suzuki leistet sich viel Hartplastik, dazu kommen empfindliche Klavierlackflächen auf der Mittelkonsole.
Innen nutzt der e Vitara seine Elektroplattform gut aus. Der Radstand von 2,70 Metern sorgt für ordentliche Platzverhältnisse, vor allem hinten überrascht der üppige Knieraum. Besonders praktisch ist die in diesem Segment eher seltene verschiebbare Rückbank, die die Kompromissfindung zwischen Gepäckraumgröße und Platzangebot im Passagierraum flexibilisiert und den Suzuki zum talentierten Alltagspraktiker macht. Allerdings liegt die Ladekante etwas hoch. Und auf einen praktischen Frunk unter der Fronthaube verzichten die Japaner.
Viel Platz, aber Hartplastik und langsame Menüs
Das Cockpit ist solide verarbeitet, aber nicht allzu edel ausstaffiert: Suzuki leistet sich viel Hartplastik, dazu kommen empfindliche Klavierlackflächen auf der Mittelkonsole. Die Bedienung geht insgesamt leicht von der Hand, das Infotainmentsystem könnte aber etwas schneller arbeiten und wichtige Funktionen wie etwa die Sitzheizung oder die manuelle Batteriekonditionierung leichter auffindbar machen.

Der elektrische Crossover fährt zügig an, dosiert seine Leistung angenehm und wirkt in der Stadt sowie auf der Landstraße kräftig genug.
Allrad sorgt für zusätzliche Traktion
Eher selten bei kompakten Elektro-SUV ist der Allradantrieb, den Suzuki schon aus Traditionsgründen anbietet. Die sogenannte Allgrip-e-Technik kombiniert den vorderen E-Motor mit einem zusätzlichen 48-kW-Antrieb an der Hinterachse. Zusammen ergeben sich 135 kW/183 PS und 307 Nm Drehmoment. Der elektrische Crossover fährt zügig an, dosiert seine Leistung angenehm und wirkt in der Stadt sowie auf der Landstraße kräftig genug. Dank Hinterachsmotor gibt es zusätzliche Traktion, außerdem steht das Fahrprogramm „Trail“ für rutschigen oder losen Untergrund zur Wahl. Aus dem e Vitara wird dadurch kein Geländewagen, aber ein sicherer Begleiter für nasse Straßen, steile Einfahrten oder verschneite Nebenwege.
Komfort überzeugt, in Kurven wankt der Aufbau
Fahrwerksseitig gibt sich der Suzuki sehr gelassen, federt eher komfortabel als sportlich. Die Abstimmung gefällt sowohl innerorts als auch auf Landstraße und Autobahn, lediglich bei flotter Kurvenfahrt gerät der Aufbau etwas zu stark in Bewegung. Die Sitzposition vorn ist hoch, was dem Überblick zuträglich ist und insgesamt zum entspannten Charakter des Crossovers passt.

Die Türgriffe der Fondtüren haben die Designer recht unscheinbar an der C-Säule versteckt.
Die Schwäche von Suzukis erstem Stromer liegt beim Antrieb. Der Allradler nutzt für den 61 kWh großen Akku die robuste und langlebige Lithium-Eisenphosphat-Chemie und kommt nach Norm auf 396 Kilometer. Bei moderaten Frühsommertemperaturen sind im Mischbetrieb durchaus 350 Kilometer möglich, im Autobahnverkehr und bei Kälte dürfte der Aktionsradius aber noch einmal deutlich sinken. Die eigentliche Einschränkung in Sachen Langstreckentauglichkeit ist jedoch die DC-Ladeleistung von gerade einmal 67 kW. Der Norm-Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent dauert dadurch rund 45 Minuten. An der AC-Wallbox lädt der Suzuki mit 11 kW, was für die Nacht zu Hause oder den Arbeitstag am Firmenparkplatz genügt. Ein 22-kW-Lader fehlt.
67 kW Ladeleistung werden zum Engpass
Preislich startet der e Vitara bei 25.210 Euro (alle Preise netto), dann mit kleinerer Batterie und 344 Kilometern Reichweite. Die Allradversion hat immer die große Batterie an Bord und kostet mindestens 33.193 Euro. Die auch schon im Basismodell akzeptable Ausstattung wird dann unter anderem durch die für alle E-Autos empfehlenswerte Sitzheizung ergänzt. Das Gesamtpaket aus Kosten und Gebotenem macht den Suzuki interessant für Käufer, die einen kompakten Elektro-SUV mit guter Ausstattung, variablem Laderaum und Allradtechnik suchen, ohne gleich in hohe Preisregionen zu wechseln. Hinzu kommen ein bodenständiger Auftritt, ordentlicher Komfort und ein sympathisch-pragmatischer Grundcharakter.
Suzuki e Vitara Comfort Allgrip-e - Technische Daten
Fünftüriger Elektro-SUV mit Allradantrieb; Länge: 4,28 m, Breite: 1,80 m, Höhe: 1,63 m, Radstand: 2,70 m; Elektromotoren vorn und hinten, Systemleistung: 135 kW/183 PS, max. Drehmoment: 307 Nm; Automatik; 0–100 km/h: 7,4 s; Vmax: 150 km/h; Lithium-Eisenphosphat-Batterie: 61 kWh; AC-Ladeleistung: 11 kW; DC-Ladeleistung: 67 kW; Ladezeit 10–80 Prozent: ca. 45 min.; WLTP-Reichweite: 396 km; Verbrauch: 16,6 kWh/100 km; Preis: ab 33.193 Euro.
Suzuki e Vitara - Kurzcharakteristik
Warum: komfortables Fahrwerk, ordentliches Platzangebot, Allradantrieb
Warum nicht: fehlende Langstreckentauglichkeit









