Toyota Land Cruiser: Härtetest auf Island

Toyota Land Cruiser auf Island
Wie weit kommt der Land Cruiser wirklich?

Mit 35-Zoll-Reifen durchs Hochland: Islands Pisten verlangen dem Toyota Land Cruiser viel ab. Eine Etappe endet anders.

Toyota Land Cruiser FJ 2025
Foto: Toyota

Vor uns liegt Wasser. Viel Wasser. Wo genau die Piste auf der anderen Seite weiterführt, lässt sich nur erahnen. Unser Toyota Land Cruiser taucht langsam in die Fluten ein, die bald bis an die Türöffnungen reichen. Auf dem großen Bildschirm im Cockpit zeigen die Kameras irgendwann nur noch Wasser. Panische Fischaugen blicken uns allerdings nicht entgegen. Drinnen bleibt alles trocken. Und der Toyota arbeitet sich entspannt durch die Fluten. Bei der Passage „Thousand Rivers“ fühlen wir uns zeitweise mehr als Bootsbesatzung denn als Autofahrer.

Island fordert Mensch und Maschine

Island ist ein Land der Extreme. Feuer und Eis, endlose Weiten, schwarze Wüsten, bizarre Berge und ein Wetter, das innerhalb von Minuten ins krasse Gegenteil umschlagen kann. Ende September tragen die wenigen und oft kleinen Bäume bereits ihr leuchtendes Herbstkleid oder haben die Blätter schon abgeworfen. Die Temperaturen liegen zwar meist noch im zweistelligen Bereich, doch heftige Regenschauer und stürmischer Wind machen Aufenthalte im Freien schnell ungemütlich. So verlockend die einsame und faszinierende Landschaft auch ist: Nach einem kurzen Ausflug zu Fuß sind wir froh, wieder im Land Cruiser zu sitzen. Tür zu, Chaos und Kälte bleiben draußen.

75 Jahre Land Cruiser: Die Bewährungsprobe

Vielleicht hat Toyota die Jahreszeit nicht ganz zufällig gewählt, um uns auf diese Tour einzuladen. Schließlich feiert der Land Cruiser seinen 75. Geburtstag. Und wo ließe sich sein Versprechen von Robustheit und Verlässlichkeit eindrucksvoller demonstrieren als in einer Landschaft, in der sich der Mensch mitunter ziemlich verloren vorkommt?

Toyota Land Cruiser FJ 2025
Toyota

Island bietet viel fürs Auge.

Fast 400 Kilometer ohne Tankstelle

Unsere Reise beginnt am Flughafen Keflavík, ganz im Südwesten der Insel. Über Reykjavík geht es zunächst auf bestens ausgebauten Asphaltstraßen in Richtung Landesinneres. Unter anderem führt uns die Road 435 durch eine zunehmend wilde Berglandschaft, vorbei am lieblichen Þingvallavatn, dessen Ufer etliche kleine, einsam gelegene Ferienhäuser säumen. In Laugarvatn wird noch einmal der 80-Liter-Tank gefüllt. Allradantrieb und Spezialbereifung treiben den Durst des über 200 PS starken 2,8-Liter-Vierzylinder-Diesels in deutlich zweistellige Regionen. Und vor uns liegen fast 400 Kilometer ohne Zapfsäule in der Nähe.

Warum dieser Toyota besondere Reifen trägt

Unser Land Cruiser ist kein gewöhnliches Exemplar. Der 4,93 Meter lange Fünftürer steht auf großen 35-Zoll-All-Terrain-Reifen, das Fahrwerk wurde entsprechend höhergelegt. In Deutschland wäre diese Konfiguration nicht zulassungsfähig. Eine isländische Spezialfirma bietet den Umbau für rund 7.500 Euro an. Die Karosserie bleibt dabei unverändert. Was bei uns als spektakulärer Offroad-Umbau wahrgenommen würde, wirkt auf Island jedoch bescheiden. Hier begegnet man immer wieder Geländewagen mit gewaltigen Ballonreifen und extremen Karosserieverbreiterungen, die uns zum Allradzwerg degradieren.

Der Fahrwerksumbau hat seinen Preis

Auf Asphalt verlangt die Höherlegung allerdings gewisse Zugeständnisse. Der Toyota schaukelt etwas stärker, bleibt aber immer noch angenehm zu fahren. Im holperigen Hochland kehrt sich das Verhältnis ohnehin um. Hier kann der Land Cruiser dank Fahrwerksumbau seine Geländekompetenz ausspielen.

Toyota Land Cruiser FJ 2025
Toyota

Zu den eindrucksvollsten Gegenden unserer Tour gehören schwarze Sandwüsten.

Zwischen Tempo 100 und Schrittgeschwindigkeit

Die Pisten wechseln ständig ihren Charakter. Mal geht es mit Tempo 100 über Schotter oder feinen schwarzen Sand aus vulkanischem Gestein, das von Gletschern über Jahrtausende zermalmt wurde. Dann wieder zwingen tiefe Schlammlöcher, riesige Pfützen und felsige Abschnitte zu äußerster Vorsicht. Mitunter kriechen wir mit fünf km/h über Hindernisse, bei denen gewöhnliche SUV längst kapitulieren würden.

Was den Land Cruiser von SUV unterscheidet

Hier spielt der Toyota seine konstruktiven Stärken aus. Sein robuster Leiterrahmen nimmt hohe Belastungen und Verwindungen recht gelassen auf, der permanente Allradantrieb sorgt für Traktion, die großen Reifen und das höhergelegte Fahrwerk verschaffen den nötigen Spielraum. All das wirkt auf befestigten Straßen vielleicht etwas antiquiert. Hier draußen ergibt es plötzlich einen tieferen Sinn. Gewöhnliche Crossover, die viele Island-Urlauber aus finanziellen Gründen einem echten 4x4 vorziehen, dürfte man diesen Strapazen nicht aussetzen.

Geländetechnik, die kaum gebraucht wird

Der Land Cruiser steckt alles gelassen weg. Seine zahlreichen elektronischen Geländehelfer müssen wir dabei nicht bemühen. Differenzialsperren, Crawl Control oder spezielle Fahrprogramme bleiben ungenutzt. Uns genügt es, den Automatikhebel auf D zu stellen, den Weg vor uns zu lesen und entsprechend gefühlvoll mit Gas, Bremse und Lenkung zu agieren. Der zähe Japaner erledigt den Rest.

Toyota Land Cruiser FJ 2025
Toyota

An Wasserdurchfahrten mangelte es auf dieser Tour nicht.

Wenn selbst die Piste verschwindet

Dass wir dabei nicht verloren gehen, verdanken wir auch moderner Technik. Wo sich mitten im Nirgendwo auf weiten Strecken kaum noch eine Piste erkennen lässt, hilft uns die spezielle GPS-Navigation von Gaia. Sie zeigt unsere Position auf den vorgegebenen Offroadrouten sehr genau an. Selbst bei langen Wasserdurchfahrten, deren Ausfahrt am anderen Ufer nicht erkennbar ist, weist uns die Karte den Weg. Dank klassischer Offroadtugenden und digitaler Orientierungshilfe bleiben wir während der gesamten Fahrt entspannt.

Warum echte Schalter im Gelände überzeugen

Auch das Cockpit bietet diese Mischung aus Klassik und Moderne. Neben dem großen Touchscreen, digitalen Instrumenten und Konnektivität bietet der Land Cruiser eine erfreulich handfeste Bedienung. Es gibt einen griffigen Automatikhebel und jede Menge echte Schalter und Knöpfe. Für viele Funktionen muss man sich also nicht erst durch Bildschirmmenüs hangeln. Selbst die nach besonders schlammigen Passagen zugeschmierten Kameras lassen sich einfach wieder freisprühen, wahlweise über den rechten Lenkstockhebel oder ein Symbol auf dem 12,3-Zoll-Display.

Was ein Elektroauto-Fahrer über Toyota erzählt

Dass der Land Cruiser auf Island einen besonderen Stellenwert genießt, erfahren wir bereits am Ankunftstag von einem Taxifahrer, der uns vom Flughafen zur ersten Unterkunft bringt. Der ehemalige Hochseefischer fährt inzwischen einen elektrischen Xpeng G9 und ist von seinen chinesischen Autos begeistert. Zwei hat er 2024 gekauft, nach seinen Angaben trotz einer Fahrleistung von über 300.000 Kilometern bislang ohne nennenswerte Probleme. Angesichts der auch in Island aktuell sehr hohen Kraftstoffpreise schätzt er vor allem die niedrigen Energiekosten, denn nachts kann er zu Hause annähernd kostenlos laden.

Selbst auf Island stößt der Toyota an Grenzen

Früher fuhr er allerdings selbst Land Cruiser. Und noch immer schwärmt er von deren Zuverlässigkeit und Robustheit. Als die aktuelle Generation 2024 auf Island eingeführt wurde, sei die erste Fahrzeugcharge sofort ausverkauft gewesen, erzählt er. Ein Land Cruiser gilt hier eben etwas. Selbst bei jemandem, der längst elektrisch unterwegs ist. Allerdings hat auch unser Toyota seine Grenzen. Am Langjökull, dem zweitgrößten Gletscher Islands, soll es eigentlich mit ihm hinauf aufs ewige Eis gehen. Doch heftige Regenfälle haben die Oberfläche in eine spiegelglatte Rutschbahn verwandelt. An eine Auffahrt mit unseren Land Cruisern ist nicht zu denken. Schon der Versuch, ein Stück zu Fuß auf das Gletschereis zu gelangen, gerät zur Herausforderung. Bergauf kämpfen die Füße um Traktion, bergab wird es zur Schlitterpartie.

Ein Acht-Rad-Gigant zeigt, was noch möglich ist

Parallel beobachten wir, wie sich ein gewaltiger MAN-Vierachser mit acht mächtigen Rädern auf den Gletscher wagt, um Touristen zu den dort wartenden Schneemobilen zu bringen. Sein riesiger Turbodiesel pfeift und brummt, während die angetriebenen Räder sichtbar um Halt bemüht sind. Doch mit 8x8-Antrieb und Riesenrädern kommt man selbst einen eisigen Anstieg hinauf. Der Land Cruiser muss hingegen passen. Er kann viel, aber eben nicht alles.

Toyota Land Cruiser FJ 2025
Toyota

Es macht durchaus Spaß, den Land Cruiser mit Schwung durch ein Gewässer zu scheuchen.

Zurück in Reykjavík: Land Cruiser an jeder Ecke

Die Rückfahrt, die durch ständig wechselnde und stets spektakuläre Landschaften führt, endet in Reykjavík, wo die wilde Welt des Hochlands plötzlich weit entfernt scheint. Bei einem Spaziergang zwischen den Häusern entdecken wir noch zahlreiche Land Cruiser, manche mit spektakulären Fahrwerksumbauten und Schnorcheln.

Was seit 1951 unverändert geblieben ist

Seit 1951 baut Toyota den Land Cruiser. Rund 14 Millionen Exemplare sind seither entstanden. Die aktuelle Generation ist moderner, komfortabler und digitaler als ihre Vorgänger. Doch die Grundidee ist geblieben: ein robustes Fahrzeug für Wege, auf denen andere längst umkehren müssen.

Warum der Land Cruiser bis heute fasziniert

Wir leben in schnellen Zeiten voller Veränderungen und Unsicherheiten. Der Land Cruiser ist in dieser Welt eine bemerkenswerte Konstante. Ein Fels in der Brandung, manchmal sogar im ziemlich wörtlichen Sinne. Auf Island jedenfalls vermittelte er uns ein Gefühl, das man in modernen Autos nicht mehr allzu oft erlebt: dass man sich auf ihn verlassen kann, gerade dann, wenn es um einen herum ungemütlich wird.