Vehicle-to-Load: Strom aus dem Elektroauto

Vehicle-to-Load (V2L) verständlich erklärt
So wird das E-Auto zur Steckdose

Vehicle-to-Load macht das Elektroauto zur mobilen Steckdose: Wie V2L funktioniert, welche Geräte sich anschließen lassen und warum die Technik für Fuhrparks und Dienstwagenfahrer interessant wird.

Infotainment-Display eines Elektroautos zeigt Camping-Modus mit V2L-Funktion
Foto: SP-X/Mario Hommen

Der Begriff klingt etwas kryptisch, doch die Idee dahinter ist erstaunlich schlicht: Vehicle-to-Load, kurz V2L, macht Elektroauto auch zu mobilen Steckdosen. Es handelt sich um eine eigenständige Unterfunktion des bidirektionalen Ladens, die mit wachsender Batteriekapazität und leistungsfähiger Hochvolttechnik zunehmend an Bedeutung gewonnen hat und die sich künftig als eine typische Standardfunktion neuer Autos etablieren dürfte.

Vom Stromverbraucher zur Energiequelle

Elektroautos waren lange Zeit reine Stromverbraucher. Energie floss aus dem Netz in die Batterie, nicht umgekehrt. Erst mit sich weiterentwickelnder Leistungselektronik und größeren Akkus ebnete sich die Möglichkeit, den in E-Autos gespeicherten Strom wieder zurück ins Netz oder an externe Geräte fließen zu lassen. Weitere Spielarten bidirektionalen Ladens sind etwa die Stromabgabe ins Haus (V2H) oder ins Stromnetz (V2G). V2L ist die einfachste und zugleich alltagstauglichste Variante: Hier versorgt das Auto direkt elektrische Geräte.

Zwei Personen nutzen ein Elektroauto zur Stromversorgung bei einer Reifenpanne
SP-X/Mario Hommen

Lust auf ein kleines Autorennen? Über die V2L-Steckdose lässt sich auch eine Carrerabahn anschließen.

So funktioniert die V2L-Technik im Elektroauto

Technisch basiert diese Funktion auf dem obligatorischen Wechselrichter (Inverter) des Fahrzeugs. Dessen eigentliche Aufgabe ist es, den Gleichstrom aus der Batterie in Wechselstrom für den Elektromotor umzuwandeln. Bei V2L wird dieses Prinzip umgedreht: Der Inverter wandelt den Gleichstrom aus der Batterie in Wechselstrom im haushaltsüblichen Format 230 Volt und 50 Hertz. Damit lassen sich ganz normale Verbraucher betreiben, ohne spezielle Infrastruktur oder Installation.

Zwei Wege zur mobilen Steckdose

Autohersteller bieten im Wesentlichen zwei Wege, diese Funktion bereitzustellen. Einige Modelle integrieren direkt eine 230-Volt-Steckdose im Innenraum des Kofferraums. Zu den ersten Modellen mit einer solchen Lösung gehören etwa der Hyundai Ioniq 5 oder der Kia EV6. Hier genügt es, ein Gerät einzustecken. Das Auto übernimmt dabei die Funktion eines mobilen Stromgenerators.

Andere Hersteller setzen auf externe Adapter, die in die Ladebuchse gesteckt werden, in die normalerweise das Ladekabel der Wallbox oder der Ladesäule kommt. In diesem Fall muss die V2L-Funktion im Fahrzeugmenü aktiviert werden. Ein aktuelles Beispiel ist etwa der neue Mazda 6e, bei dem die Energie über einen entsprechenden Anschluss nach außen geführt wird. Der Vorteil: Diese Lösung ist flexibel und benötigt keine zusätzliche Steckdose im Fahrzeug.

Hand öffnet Ladeanschluss eines Elektroautos mit integriertem V2L-Anschluss
SP-X/Mario Hommen

In die Buchse für den Typ-2-Stecker wird beim Mazda6e ein Steckdosen-Adapter reingesteckt. Eine festinstallierte Steckdose hat der 6e nicht.

V2L liefert Strom für Geräte und Werkzeuge

Die bereitgestellte Leistung liegt je nach Modell typischerweise zwischen 2 und 3,6 Kilowatt. Das reicht für viele Anwendungen: Laptops, Kaffeemaschinen und Kühlboxen, aber auch Elektrowerkzeuge und sogar größere Haushaltsgeräte wie Gefrierschränke lassen sich hier mit Strom versorgen. Beim Camping wird das Auto so zur autarken Stromquelle, auf Baustellen ohne Netzanschluss ersetzt es den Generator.

V2L als Notstromlösung im Alltag

Auch im Notfall kann V2L helfen. Bei einem Stromausfall lassen sich etwa WLAN-Router, Beleuchtung oder sogar ein Kühlschrank betreiben, sofern man ein Kabel vom Fahrzeug in die Wohnung oder ins Haus verlegt bekommt. Die große Traktionsbatterie wird so zum Notfallstromspeicher für kritische Situationen.

Historisch ist V2L eine vergleichsweise junge Entwicklung, die aber in eindrucksvoller Weise zeigt, dass das Auto längst noch nicht zu Ende entwickelt wurde und speziell in E-Autos noch viel Potenzial für künftige und mitunter sogar äußerst praktische Funktionen schlummert. Dabei hat das E-Auto selbst in den vergangenen zwei Dekaden enorme Entwicklungssprünge gemacht. Erst die Kombination aus Hochvoltbatterien mit Kapazitäten von oft über 60 kWh und leistungsfähiger Elektronik hat die V2L-Nutzung im Alltag sinnvoll gemacht. Zwar ließen sich auch frühere Elektroautos prinzipiell als Stromquelle nutzen, doch fehlten ihnen meist Reichweite, Leistung und eine integrierte, komfortable Umsetzung.

Warum V2L für Fuhrparks relevanter wird

Mit der zunehmenden Verbreitung von E-Autos wächst auch die Relevanz von Zusatzfunktionen des bidirektionalen Ladens. V2L zeigt, dass Elektromobilität mehr sein kann als klimafreundliches Fahren: Sie erweitert das Auto um eine neue Rolle im Energiealltag. Hier stehen wir noch am Anfang einer Entwicklung, der viele Experten enorme Potenziale hinsichtlich der Verkehrs- und Energiewende unterstellen.