Ford Pro will Ausfallzeiten halbieren

Ford Pro reduziert Standzeiten
Neue Software für kleine Transporterflotten

Mit Dealer Uptime Services überwachen Ford-Händler vernetzte Transporter proaktiv. Das neue Softwareangebot soll Werkstattaufenthalte verkürzen und die Fahrzeugverfügbarkeit erhöhen.

Dealer Uptime Services: Ford Pro Uptime Event in Freiburg beim Autohaus Ernst + König
Foto: Carsten Nallinger

Ford Pro setzt derzeit gleich an zwei Stellen an: Während der Hersteller sein Angebot an elektrifizierten Nutzfahrzeugen weiter ausbaut, soll die neue Software „Dealer Uptime Services“ dafür sorgen, dass die Fahrzeuge möglichst ohne ungeplante Werkstattaufenthalte im Einsatz bleiben. Nach Unternehmensangaben lassen sich die Ausfallzeiten dadurch um bis zu 50 Prozent reduzieren. Für Wilhelm Buchmüller, Direktor Ford Pro DACH, wiederum ist es die wichtigste Einführung von Ford Pro seit Jahren – allerdings nicht etwa die im Fahrzeugbereich. Statt eines neuen Modells rückt der Hersteller mit den Dealer Uptime Services nämlich vor allem eine Softwarelösung in den Mittelpunkt, die die Verfügbarkeit vernetzter Nutzfahrzeuge erhöhen soll. Das System wurde beim Ford-Pro-Uptime-Event im Autohaus Ernst + König in Freiburg vorgestellt und soll in den kommenden Wochen bundesweit bei den Ford-Partnern eingeführt werden. Zielgruppe sind vor allem kleine und mittlere Gewerbeflotten, die bislang meist kein eigenes Flottenmanagement betreiben.

Händler überwachen den Fahrzeugzustand proaktiv

Kern der neuen Lösung ist eine Auswertung der Fahrzeugdaten durch den Ford-Händler. Nach Zustimmung des Kunden erhält die Werkstatt Einblick in Wartungsintervalle, Warnmeldungen, Ölzustand oder verfügbare Software-Updates. Anstatt auf einen Werkstatttermin nach einer Panne zu warten, können Serviceberater frühzeitig reagieren, Ersatzteile bestellen und Wartungen planen, bevor ein Fahrzeug ausfällt. Nach Angaben von Ford lassen sich dadurch die Ausfallzeiten um bis zu 50 Prozent reduzieren. Grundlage dafür sind unternehmenseigene Berechnungen.

Pilotprojekt mit 2.800 Fahrzeugen

Mehr als ein Jahr wurde Dealer Uptime Services gemeinsam mit 16 Ford-Partnern in Deutschland und Österreich getestet. Dabei betreuten die Händler mehr als 2.800 Fahrzeuge von über 250 Gewerbekunden. Einer dieser Pilotbetriebe ist das Autohaus Ernst + König in Freiburg. Serviceleiter Valdrin Gashi berichtete, dass sein Team die eingehenden Fahrzeugmeldungen inzwischen mehrmals täglich prüft und anschließend priorisiert. So könnten Werkstatttermine besser vorbereitet und Fahrzeuge häufig instand gesetzt werden, bevor größere Schäden entstehen. Der Händler entscheidet selbst, ob und zu welchem Preis er den Service seinen Kunden anbietet. Die Idee dahinter ist allerdings, das Ganze als Kundenbindungsinstrument zu nutzen.

Mobile Werkstatt löst viele Probleme direkt vor Ort

Ford Pro verbindet die neue Software mit weiteren Serviceangeboten. Dazu gehört der mobile Werkstattservice, den der Hersteller nach eigenen Angaben seit 2022 deutschlandweit anbietet. Inzwischen sind 93 mobile Service-Vans im Einsatz. Bis Ende des Jahres soll die Flotte auf 100 Fahrzeuge wachsen. Nach Angaben von Ford können die mobilen Werkstätten rund 80 Prozent aller planbaren Wartungsarbeiten direkt beim Kunden erledigen – darunter Inspektionen, Software-Updates oder den Austausch von Verschleißteilen.

Spezial-Ersatzfahrzeuge für den Ernstfall

Lässt sich ein Werkstattaufenthalt dennoch nicht vermeiden, greift Ford Pro auf sein Programm Ford Pro Mobility zurück. Anders als klassische Ersatzwagen stellt Ford dabei bei Bedarf auch umgerüstete Nutzfahrzeuge bereit – etwa Kühltransporter oder Kipper. Mit als Partner an Bord ist hier Stegmaier Nutzfahrzeuge mit Hauptsitz in Crailsheim. Nach Unternehmensangaben wurden über das Netzwerk mit inzwischen mehr als 100 Standorten zuletzt fast 11.000 Mietverträge abgeschlossen – rund 3,5-mal so viele wie im Vorjahr.

Metzgerei spart Zeit – und teure Ausfälle

Wie das System in der Praxis funktioniert, zeigte Ford anhand der Metzgerei Reichenbach im Schwarzwald. Das Familienunternehmen betreibt rund 30 Lieferfahrzeuge, darunter sieben Ford Transit Custom mit Kühlaufbau. Unternehmer Ulrich Reichenbach bezifferte die Kosten eines ungeplanten Fahrzeugausfalls auf mindestens 1.200 Euro pro Tag. Dank der kontinuierlichen Fahrzeugüberwachung müsse sich sein Unternehmen heute deutlich weniger um Wartungstermine kümmern und könne sich stärker auf das Kerngeschäft konzentrieren.

Nutzfahrzeug-Programm mit Transit Custom AWD ausgebaut

Parallel zum Ausbau seiner digitalen Dienstleistungen entwickelt Ford Pro auch sein Fahrzeugprogramm weiter. Nach Angaben von Buchmüller verfügt inzwischen jede Baureihe über mindestens eine elektrifizierte Variante. Dazu gehören unter anderem der Ranger Plug-in-Hybrid sowie der zu Jahresbeginn eingeführte Transit Custom AWD, der mit einem Batterie-Update künftig rund zehn Prozent mehr elektrische Reichweite bieten soll.

E-Transit Courier und Ranger Super Duty kommen

Neu im Programm ist außerdem der E-Transit Courier, dessen Auslieferung im Spätsommer beziehungsweise Herbst beginnen soll. Das vollelektrische Stadtlieferfahrzeug richtet sich vor allem an kommunale Betriebe, Handwerksunternehmen und KEP-Dienstleister. Ford rechnet bei dem Modell mit rund 40 Prozent geringeren Wartungskosten gegenüber einem vergleichbaren Diesel. Am anderen Ende des Einsatzspektrums positioniert Ford den neuen Ranger Super Duty. Der Pick-up verfügt über einen 3,0-Liter-V6-Dieselmotor mit 209 PS und 600 Newtonmetern Drehmoment. Die maximale Nutzlast liegt bei rund zwei Tonnen, die Anhängelast bei bis zu 4,5 Tonnen. Damit richtet sich das Modell insbesondere an Kunden mit hohen Anforderungen im Bau-, Kommunal- und Versorgungsbereich. +

Fahrzeuge allein reichen nicht mehr

Nach Einschätzung von Ford Pro entscheiden heute jedoch nicht mehr allein die Fahrzeuge über den wirtschaftlichen Erfolg einer Flotte. „Autos sind nicht das Kerngeschäft unserer Kunden“, sagte Wilhelm Buchmüller in Freiburg. Deshalb entwickle sich Ford Pro zunehmend vom Fahrzeughersteller zum Anbieter eines vernetzten Service-Ökosystems, das Fahrzeuge, Software und Dienstleistungen miteinander verbindet. Dealer Uptime Services, der Mobile Service und Ford Pro Mobility bilden dabei die drei zentralen Bausteine, um die Einsatzzeit der Fahrzeuge möglichst hoch zu halten.

Einordnung für Transport- und Logistikunternehmen

Mit Dealer Uptime Services reagiert Ford auf ein Problem, das insbesondere kleinere Handwerks-, Service- und KEP-Flotten kennen: Oft fehlt die Zeit oder das Personal, um den technischen Zustand jedes Fahrzeugs kontinuierlich zu überwachen. Der Ansatz, diese Aufgabe teilweise an den Händler zu übertragen, unterscheidet sich von klassischen Telematiklösungen, bei denen die Daten ausschließlich im Unternehmen ausgewertet werden. Ob sich die versprochene Halbierung der Ausfallzeiten im Alltag bestätigt, dürfte jedoch stark von der Reaktionsgeschwindigkeit des jeweiligen Ford-Partners und der Qualität seiner Werkstattprozesse abhängen.

In Kürze: die Key Facts

  • Unternehmen: Ford Pro
  • Neue Lösung: Dealer Uptime Services
  • Zielgruppe: kleine und mittlere Gewerbeflotten
  • Nutzen: proaktive Wartungsplanung anhand vernetzter Fahrzeugdaten
  • Versprochene Wirkung: bis zu 50 % weniger Ausfallzeiten (Ford-Angabe)
  • Pilotprojekt: 16 Ford-Partner in Deutschland und Österreich
  • Pilotflotten: über 250 Unternehmen mit mehr als 2.800 Fahrzeugen
  • Mobiler Service: 93 Service-Vans, rund 80 % der planbaren Arbeiten vor Ort möglich
  • Ford Pro Mobility: mehr als 100 Standorte mit Spezial-Ersatzfahrzeugen
  • Mietverträge 2026: fast 11.000
  • Vernetzte Ford-Pro-Fahrzeuge in DACH: rund 260.000
  • Datenübertragung: Fahrzeugdaten alle fünf Sekunden
  • Marktanteil leichte Nutzfahrzeuge (Jan.–Mai 2026): 21,6 %
  • Marktanteil N1-Segment: 37,6 %