Seit fast 30 Jahren gibt der Mercedes Sprinter einer ganzen Fahrzeugklasse ihren Namen. Selbst kurz vor dem Generationswechsel zeigt der Tourer, warum der Transporter noch immer als Maßstab gilt – und welche Tugenden sein Nachfolger bewahren sollte.
Generation 4 kommt – diese Tugenden stehen auf dem Spiel
Der Sprinter ist der Inbegriff des Transporters, das Gesicht unter den 3,5-Tonnern. Benchmark, wie es neudeutsch heißt. Und das auch dieser Tage noch, in denen die dritte Generation zum Schlussspurt ansetzt. Ihr Nachfolger ist bereits angekündigt, soll noch bullig-boxiger ausfallen und auf einer neuen Plattform stehen. Die E-Antriebe dürften damit leistungsfähiger ausfallen, die Software moderner und vernetzter denn je. Eine gute Sache, eigentlich. Nach unserer vielleicht letzten Fahrt mit der dritten Generation aber drücken wir die Daumen, dass die "alten Tugenden" dabei nicht unter die Räder geraten. Die kann der Sprinter aktuell nämlich souverän vorweisen.

Raum in Hülle und Fülle: Im Fond kann man dank Hochdach aufrecht gehen, dazu gibt's Cupholder und Handyhalter mit USB-Anschlüssen. Die Fensterflächen sind riesig.
190 PS und 93-Liter-Tank: Dieser Diesel kann bleiben
Zum Beispiel im Antriebskapitel: Unser leer 2,7 Tonnen schwerer Tourer fährt mit dem 190 PS starken OM 654 Zweiliter-Diesel vor, gekoppelt an eine Neungang-Wandlerautomatik. Das garantiert standesgemäßen Durchzug, 450 Newtonmetern sei dank. Und steht gleichzeitig für Komfort, weil das Getriebe wundervoll sanft durch die Gänge schaltet, während der Heckantrieb die Lenkung von Antriebseinflüssen freihält. Aber auch die Passagiere – neun Sitze finden im Standardlängen-Sprinter Platz – wissen den Verbrenner zu schätzen. Zum einen, weil er dank der wirkungsvollen Dämmung kaum zu hören ist. Und zum anderen, weil mit dem 93-Liter-Tank in Kombi mit einem Langstreckenverbrauch von rund 10,5 Litern pro 100 Kilometer keine frühe Zwangspause nötig ist. Mit anderen Worten: Der läuft, der Diesel-Sprinter. Kein Änderungsbedarf!
Neun Sitze, zehn Düsen und elektrische Schiebetür
Ähnliches Bild, was die Ausstattung im Innenraum angeht: Die bequemen Sitze samt einzelner Armlehnen lassen sich auf ihren Schienen flexibel verschieben und herausnehmen, verfügen über Isofix-Aufnahmen für Kindersitze und Cupholder für große Flaschen. Dazu sind an den Seitenwänden Handyhalter mit USB-Schnittstellen montiert und obendrüber riesige Fenster fürs verträumte Rausschauen. Für das Wohlfühlklima sorgt die XXL-Aufdachanlage mit insgesamt zehn verstellbaren Düsen. Der Ein- und Ausstieg wird wiederum mit der elektrischen Schiebetür und der üppigen Stehhöhe unter dem Hochdach zum Kinderspiel.

Gelungener Abgang: Metalliclack, Alufelgen und LED-Leuchten schauen wertig aus. Auch das komfortable Fahrwerk verdient Lob.
"Personentransporter" – diese Bezeichnung klingt für den topausgestatteten Sprinter Tourer Select also fast schon wie blanker Hohn. Das Ding ist mehr XXL-Großraumlimousine. Für den Unternehmer, weil das alles auch seinen Preis hat – unser Testwagen schlägt mal eben mit gut 90.000 Euro zu Buche. Und für den Fahrer, weil der im besten Sinne einen echten Mercedes steuert und kein rumpeliges Nutzfahrzeug.
Warum analoge Instrumente hier noch überzeugen
Das Cockpit des Tourer würde der E-Klasse ebenso gut zu Gesicht stehen. Das Lederlenkrad fasst sich klasse an. Die elektrischen Sitze mit verlängerbaren Sitzflächen machen auch nach zehn Stunden noch Laune. Das Breitbild-Infotainment reagiert zuverlässig auf Sprachbefehle. Die gestochen scharfe Kartendarstellung wirkt noch erstaunlich modern. Und selbst die analogen Instrumente mit mittigem Display gefallen uns, weil sie nicht überfrachtet sind und auf einen Blick alle relevanten Infos auffahren.
Kurioserweise ist es dagegen ausgerechnet ein neuzeitliches Feature, das mit der vierten Generation gerne zu den Akten gelegt werden darf: die Touchbedienflächen auf dem Multifunktionslenkrad. Einfache Tasten tun es besser, dafür könnten dann gleich auch die im Sprinter deplatziert wirkenden Schaltpaddles verschwinden.








