Wer hierzulande einen klassischen Pick-up kaufen will, hat nicht mehr allzu viel Auswahl. Zahlreiche Hersteller haben sich in den vergangenen Jahren aus dem Segment verabschiedet, das vor allem bei Handwerkern, Landwirten und Freizeit-Abenteurern seine Anhänger hat. Mitsubishi wagt nun die Rückkehr: Ab Jahresende steht der L200 wieder bei deutschen Händlern, dann in bereits sechster Generation. Die Preise beginnen bei 33.605 Euro (alle Preise netto).
Warum der neue L200 in Europa spät dran ist
Technisch bleibt der Japaner seinen Wurzeln treu, bei Design und Ausstattung soll er den Anschluss an die inzwischen modernere Konkurrenz schaffen. Dabei ist der Neue streng genommen gar nicht mehr so neu. Die sechste Generation des Pritschenwagens wurde bereits 2023 in Thailand vorgestellt und wird seitdem auf verschiedenen Märkten unter dem Namen Triton verkauft. Erst mit einiger Verzögerung schafft sie nun den Sprung nach Europa.
Nur 1.000 Exemplare: Der Grund für die Begrenzung
Für Mitsubishi Deutschland schließt sich damit eine Lücke im Modellprogramm, die seit dem Verkaufsstopp des Vorgängers Ende 2022 bestanden hatte. Zu verdanken sei das nicht zuletzt der beharrlichen Kundennachfrage, hört man bei dem Importeur. Weil der schwere Pick-up aber künftige Abgasvorgaben nicht erfüllt, verkauft ihn Mitsubishi Deutschland unter einer Kleinserien-Regelung, für die weniger strenge Vorgaben gelten, andererseits aber auch Stückzahllimits. Die schöpfen die Japaner aber erst einmal gar nicht voll aus: Zum Start gibt es erst zunächst nur 1.000 Exemplare.

Den Antrieb übernimmt ein Vierzylinderdiesel.
Nach dem L200 könnte ein weiterer Klassiker folgen
Im Angebot der Marke stärkt die Rückkehr des L200 die Traditions-Abteilung. Nachdem Mitsubishi sein Portfolio zunächst mit umgelabelten Varianten von elektrifizierten Renault-Pkw aufgefüllt hatte, findet sich dort seit kurzem mit dem Mittelklasse-SUV Outlander wieder eine reine Eigenentwicklung. Nach dem L200 könnte in Zukunft auch der mit ihm weitläufig verwandte Offroad-Truck Pajero traditionsbewusste Kunden zurückholen. Eine offizielle Bestätigung steht allerdings noch aus.
Mitsubishi setzt beim Design wieder auf klare Kanten
Optisch zeigt sich beim L200 auf jeden Fall bereits die Rückkehr zu einer klassischeren, robusteren Formensprache. Der Neue hat mit seinem eher rundlichen Vorgänger wenig gemein. Die wuchtige Front ist hoch aufgerichtet, die Karosserie trägt deutlich ausgeprägte Kanten und die eckigen Radhäuser mit sichtbaren Schrauben betonen den robusten Charakter.
Ladefläche und Nutzlast: Was der L200 transportiert
Mit nun 5,32 Metern Länge gehört der Japaner weiterhin zu den größeren Autos auf deutschen Straßen. Gegenüber dem Vorgänger hat er in Länge und Radstand zugelegt, letzterer misst nun 3,13 Meter. Der Größenzuwachs kommt nicht nur den Insassen zugute, sondern auch der Nutzbarkeit. Hinter der serienmäßigen Doppelkabine erstreckt sich eine rund 1,56 Meter lange und 1,55 Meter breite Ladefläche, auf der je nach Variante 990 bis 1.050 Kilogramm geladen werden dürfen. Für sperrige Baumaterialien, Werkzeug oder Freizeitausrüstung steht damit reichlich Platz zur Verfügung. Das Leergewicht liegt zwischen 2.010 Kilogramm und 2.055 Kilogramm.

Allradantrieb ist Serie, zwei Varianten zur Wahl.
3,5 Tonnen Anhängelast – und bewährte Technik
Wer noch mehr transportieren muss, kann einen Anhänger mit bis zu 3,5 Tonnen Gewicht an den Haken nehmen. Mit 22,8 Zentimetern Bodenfreiheit ist der L200 zudem auf Ausflüge abseits befestigter Wege vorbereitet. Bei der Konstruktion hat Mitsubishi nicht experimentiert. Das tragende Element bildet weiterhin ein massiver Leiterrahmen, der für die neue Generation allerdings umfassend überarbeitet und verstärkt worden sein soll. An der Vorderachse arbeiten einzeln aufgehängte Räder, hinten setzt man auf eine an Blattfedern geführte Starrachse. Keine besonders raffinierte, aber eine im Pick-up-Segment bewährte Lösung: Sie ermöglicht hohe Lasten und gilt als robust. Im Gegenzug dürfte sie für ein eher rustikales Federungsverhalten sorgen.
Diesel statt Hybrid: Mitsubishi bleibt beim Klassiker
Auch beim Antrieb setzt Mitsubishi auf Bewährtes. Unter der Motorhaube arbeitet ein 2,4 Liter großer Vierzylinder-Diesel mit zwei Turboladern, der 150 kW/204 PS leistet. Das maximale Drehmoment von 470 Nm soll vor allem beim Ziehen schwerer Anhänger und im Gelände helfen. Elektrifizierung gibt es nicht, weder ein Mild- oder Vollhybrid noch eine batterieelektrische Ausführung sind für den deutschen Markt angekündigt. Angesichts wachsender elektrischer Konkurrenz bleibt Mitsubishi damit ganz dem traditionellen Pick-up-Konzept treu.
Zwei Allradsysteme – mit entscheidenden Unterschieden
Dafür können Kunden zwischen zwei unterschiedlich aufwendigen Allradsystemen wählen. Der L200 verfügt in der Basisvariante „Diamant“ über einen zuschaltbaren 4x4-Antrieb, so dass im normalen Straßenbetrieb die Hinterräder die Arbeit übernehmen. Bei Bedarf lässt sich die Vorderachse zuschalten. Das Topmodell „Diamant TOP“ erhält hingegen das „Super-Select-4WD-II“-System. Dank Mittendifferenzial darf hier der Allradantrieb auch auf griffigem Asphalt dauerhaft genutzt werden. Eine Geländeuntersetzung und eine Hinterachssperre sollen zusätzlich helfen, wenn die Traktion schwierig wird. Die Kraftübertragung übernimmt beim günstigeren Modell ein manuelles Sechsganggetriebe, bei der teureren Ausführung eine Sechsstufenautomatik mit klassisch großen Wählhebel.

Das Cockpit wird robust und wertig.
Moderne Anzeigen, klassische Bedienung
Im Cockpit versucht Mitsubishi, die Anforderungen eines Arbeitsfahrzeugs mit dem Komfort eines modernen Pkw zu verbinden. Neben digitalen Anzeigen und einem zentralen Infotainment-Bildschirm gibt es weiterhin klassische Schalter und Drehregler. Je nach Ausstattung sind unter anderem Smartphone-Anbindung und zusätzliche Komfortfunktionen erhältlich. Der Einrichtungsstil ist insgesamt wuchtig, die verwendeten Materialien eher robust als edel – insgesamt wirkt das Ambiente aber durchaus wertig und modern.
Wie viel Platz bietet die Doppelkabine?
Fünf Personen finden in der Doppelkabine Platz. In Reihe zwei sitzt man – typisch Pick-up sehr aufrecht – aber mit ordentlicher Bein- und großer Kopffreiheit. Fahrer und Beifahrer nehmen auf recht dick gepolsterten und gut einstellbaren Sitzen Platz, getrennt durch eine breite Mittelkonsole mit Handbremshebel, Doppel-Becherhalter und Fahrmodus-Wählrad.
10.924 Euro Preisunterschied: Was bietet der L200 TOP?
Beim Preis positioniert sich Mitsubishi zunächst durchaus günstig. Die Basisversion Diamant steht mit 33.613 Euro in der Liste. Wer die Automatik, das aufwendigere Allradsystem und mehr Komfort haben möchte, muss allerdings deutlich tiefer in die Tasche greifen: Der Diamant TOP kostet 44.538 Euro. Dafür gibt es unter anderem eine umfangreichere Sicherheitsausstattung, zusätzliche Komfortdetails sowie eine Rundumsichtkamera, die gerade beim Rangieren des langen Fahrzeugs hilfreich sein dürfte. Der Abstand von 10.924 Euro zwischen den beiden Versionen zeigt, wie unterschiedlich Mitsubishi die Zielgruppen ansprechen will – vom vornehmlich gewerblichen Nutzer bis zum freizeitorientierten Pick-up-Fan.
Vom Bestseller zum Rückkehrer: Die Geschichte des L200
Mit der Rückkehr des L200 knüpft Mitsubishi an eine lange Geschichte an. Der erste Pick-up der Baureihe kam 1978 auf den Weltmarkt, deutsche Käufer konnten ab 1993 zugreifen. Über mehrere Generationen hinweg zählte das Modell hierzulande zu den festen Größen seiner Klasse, bevor Mitsubishi es Ende 2022 aus dem Programm nahm und auch auf den ein Jahr später international gestarteten Nachfolger verzichtete. Der Rückzug fiel in eine Zeit, in der sich das gesamte Segment stark veränderte. Auch Nissan Navara, Mercedes X-Klasse, Renault Alaskan und Fiat Fullback verschwanden vom europäischen Markt.
Ford Ranger, Toyota Hilux und Co.: Die Konkurrenz wartet
Ganz ohne Konkurrenz bleibt der Rückkehrer allerdings nicht. Ford Ranger und VW Amarok bedienen vor allem das obere Ende des Segments, Toyota Hilux und Isuzu D-Max zählen ebenfalls zu den etablierten Wettbewerbern. Hinzu kommt der KGM Musso aus Südkorea, der auch mit reinem E-Antrieb zu haben ist. Zugleich versuchen chinesische Hersteller, mit Modellen wie dem BYD Shark, dem Maxus T60 Max, dem elektrischen eTerron 9 oder dem DFM Rich 9 neue Käufer anzusprechen.
Warum Mitsubishi beim L200 bewusst auf Elektro verzichtet
Mitsubishi hält dagegen bewusst am klassischen Rezept fest: Kräftiger Diesel, robuster Leiterrahmen, viel Zugkraft und ernst zu nehmende Geländetechnik sollen die Käufer überzeugen. Wer einen elektrifizierten Lifestyle-Pick-up sucht, sollte sich eher anderswo umsehen.








