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Foto: Fiat

Fiat Multipla

Gruselig, aber genial

Das Design des Fiat Multipla überschritt die Grenze der Kundenbelastbarkeit. Dabei war sein Raumkonzept richtig gut.

Wer erinnert sich? Eine Zeit lang war es in Mode, Schaumstoffwulste mit Stoffresten zu umnähen und das Ganze dann mit glupschigen Augen aus Plastik zu bekleben. Fertig war eine handgemachte Kreativschöpfung, die sich mit viel Fantasie als Krokodil, Kröte oder Frosch definieren ließ.

Ähnliche Assoziationen drängten sich auf bei der Erstbegegnung mit einem Fiat Multipla. 1999 kam dieses Gefährt nach Deutschland und sorgte für Entsetzen. Seine wulstartige Leiste mit eingebauten Fernlichtern unter der Frontscheibe war offenbar so daneben, dass sich das New Yorker "Museum of Modern Art" seiner Faszination nicht entziehen konnte. Kunst ist über jeden (offenbar wirklich jeden) Zweifel erhaben. Das Auto wurde ob seines Designs dort ausgestellt und an der Kritikerfront herrschte Ruhe.

Ob ein Auto hässlich ist oder schön, lässt sich ohnehin nur subjektiv erörtern. Und ganz subjektiv betrachtet, war der Multipla grauenvoll. Die riesigen Fensterflächen schienen überhaupt nicht zu den niedrigen Türkanten zu passen, die Rückleuchten waren herzförmig und die eigentlichen Frontleuchten glotzten regelrecht, weit zur Bugmitte hin platziert, auf ihren Betrachter. Schlimm. Objektiv gesehen war der Multipla eher genial. Sein krudes Kleid ermöglichte ein tolles Raumkonzept mit zwei Sitzreihen zu jeweils drei Plätzen.

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Oma darf mit: Ein Sechssitzer mit der Außenlänge von nicht mal 4,10 Metern gilt zu Recht als genial.

Ist das Kunst oder kann das weg?

Drei Vordersitze nebeneinander gab es zwar zuvor schon mal im Matra Bagheera, aber nur für Leute mit Magersucht. Im Multipla dagegen war das Ganze so gut konzipiert, dass Kunden dem Gestühl langstreckentauglichen Reisekomfort bescheinigten. Wem das Ganze zu abgedreht erschien, konnte auch eine klassische Variante mit fünf Sitzen ordern. Eine Multifunktionsbox mit Thermofunktion ersetzte dann den vorderen Mittelsitz. Stark überdies das Ladevolumen: bis zu 1.850 Liter.

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Rotlichtmilieu: Die Heckleuchten waren herzförmig, was die Debatte um das Design verschärfte.

Die Grundausstattung sah ein ABS vor und vier Airbags. Der Außenspiegel im Format einer Badezimmerschranktür ließ sich elektrisch bedienen, der Fahrersitz war höhenverstellbar. Motorseitig zeigte Fiat zum Marktstart klare Kante: Sprit, Erdgas oder Diesel. Als Benziner stand ein 1.6 mit 103 PS beim Händler. Die Gasversion hatte 90 PS, und wer einen Selbstzünder wollte, wurde mit dem 105 PS starken 1,9-Liter-Common-Rail-Motor bedient.

Dieses Angebot reichte zunächst auch völlig aus, das Publikum stand ohnehin nicht Schlange. Nur 7.600 Einheiten konnte Fiat in Deutschland in dem ersten Jahr absetzen. Viel besser wurde es in den Folgejahren nicht, trotz überarbeiteter Motoren. 2004 begann daher das große Aufräumen. Die Frage, ob das nun Kunst sei oder weg könne, entschied Fiat zugunsten von Letzterem und ersetzte den Multipla I durch einen frontseitig glattgebügelten Nachfolger. Weg war der Wulst. Und weg war der Mut, mal was richtig anderes zu wagen. Schade eigentlich.

Datum

19. Oktober 2017
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