Führerschein im Berufseinstieg: Warum Unternehmen früher planen müssen

Führerschein im Berufseinstieg
Warum Unternehmen früher planen müssen

Der Führerschein bleibt für junge Menschen wichtig, ist zum Berufseinstieg aber oft noch nicht vorhanden. Das kann Personalplanung erschweren – digitale Ausbildung und Reformen sollen helfen.

Junger Fahrschüler fährt unter Anleitung eines Fahrlehrers und bereitet sich auf den Pkw-Führerschein vor.
Foto: © Syda Productions via Canva.com

Fehlende Fahrerlaubnisse werden zum Personalproblem

Unternehmen beklagen, dass ihnen zu wenig Nachwuchskräfte mit Führerschein zur Verfügung stehen. Aktuelle Mobilitätsstudien zeigen, dass der Führerschein für die junge Generationen weiter einen hohen Stellenwert besitzt. Zugleich fällt die Entscheidung über Zeitpunkt und Finanzierung stärker in eine Lebensphase, in der Studium oder Berufseinstieg bereits laufen. Eine modernere Fahrausbildung und die auf den Weg gebrachte Führerscheinreform können diese Planung erleichtern.

42 Prozent haben noch keinen Pkw-Führerschein

Junge Menschen wenden sich keineswegs vom Führerschein ab. Die ADAC-Stiftung kommt in ihrer Mobilitätsstudie 2025 zu dem Ergebnis, dass 85 Prozent der 16- bis 27-Jährigen den Pkw-Führerschein besitzen oder planen. 58 Prozent haben ihn bereits, bei 27 Prozent steht er auf der Agenda. Für Unternehmen ist aber vor allem die andere Seite jener Zahl relevant: 42 Prozent dieser Altersgruppe haben noch keinen Pkw-Führerschein.

Stadt und Land trennen junge Fahrer

Damit entsteht eine praktische Sollbruchstelle zwischen Personalplanung und betrieblicher Mobilität. Viele Nachwuchskräfte befinden sich genau in dieser Lebensphase am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn. Die Mobilität-in-Deutschland-Studie 2023 beschreibt, dass junge Generationen heute häufiger und länger in Ausbildung sind, später eigene Haushalte gründen und gerade in urbanen Räumen weniger direkt vom eigenen Auto abhängen. In Städten lässt sich der Führerschein deshalb leichter aufschieben. In ländlichen Regionen bleibt er der frühe Schlüssel zu Unabhängigkeit, weil ÖPNV und Sharing-Angebote seltener tragfähige Alternativen bieten.

Recruiting sollte die Fahrerlaubnis früh klären

Für Fuhrparkverantwortliche bedeutet das, dass sie zwar weiter mit Führerscheinbesitzern rechnen können, die Fahrerlaubnis aber nicht als gesetzt in die Personalplanung einfließen kann. Wer Auszubildende oder junge Fachkräfte für mobile Tätigkeiten einplant, muss früh im Recruiting klären, ob eine Fahrerlaubnis vorliegt. In Worst-Case-Szenarien verhindert ein fehlender Prüfungstermin, ein gepatzter Versuch oder eine Fahrausbildung, die zu lange neben Berufsschule und Arbeit herläuft, darüber, ob der Mitarbeitende mobil ist oder nicht.

Beruflicher Zeitdruck verändert die Fahrausbildung

In der Fahrschulpraxis wird ein klarer Unterschied zwischen privater und beruflicher Motivation deutlich. Wer den Führerschein vor allem aus privatem Grund macht, kann Verzögerungen eher verkraften. Wer ihn für die Ausbildung oder eine Übernahme braucht, bewertet Verzögerungen anders. Diese Gruppe braucht Planbarkeit: in den Alltag integrierbare Theorie, eng getaktete Praxisstunden, Lernstandskontrolle und einen zügigen Weg zur Prüfungsreife. Nach internen Zahlen von 123fahrschule melden sich circa 30 Prozent aller Fahrschüler mit dem Hinweis an, dass sie den Führerschein aus beruflichen Gründen anstreben.

Durchfallquoten verteuern den Berufseinstieg

Die größten Reibungsverluste entstehen vor der Prüfung. Das Bundesministerium für Verkehr beziffert den durchschnittlichen Preis für den Pkw-Führerschein derzeit auf rund 3.400 Euro. Der TÜV-Verband meldete für 2025 in der Klasse B hohe Hürden: 44 Prozent scheiterten in der Theorieprüfung, 37 Prozent in der ersten praktischen Prüfung. Jede Wiederholung kostet Gebühren, Fahrstunden, Zeit und Motivation. Kosten, die auch das wartende Unternehmen mitträgt. Hier berührt die im Mai vom Bundeskabinett beschlossene Führerscheinreform betriebliche Realität.

Diese Änderungen sollen Ausbildung erleichtern

Das BMV will die Fahrausbildung moderner, sicherer und kostengünstiger aufstellen. In den Reformpunkten kommen Onlinetheorieunterricht, Bürokratieabbau, Preistransparenz, eine stärker am individuellen Ausbildungsstand orientierte Praxis und ein leichterer Zugang zum Fahrlehrerberuf zum Tragen.

Diese Punkte haben starke praktische Effekte für Unternehmen, die auf fahrbereite Mitarbeitende angewiesen sind. Aus Unternehmersicht ist vor allem die vollständige Öffnung des Theorieunterrichts für digitale Formate ein Gamechanger. Onlineunterricht spart Wege und hilft, Schichtpläne, Berufsschule oder Studium besser mit der Ausbildung zu verbinden.

Neu ist auch, dass mit der Reform der überwiegende Teil der Schaltkompetenz-Ausbildung am Fahrsimulator absolviert werden darf. Beim Schalten und beim Üben von Standardsituationen erlangen Fahrschüler planbar Fahrkompetenz, die sie schneller prüfungsreif macht.

Ohne Fahrlehrer bleibt die Reform wirkungslos

Parallel zu dieser positiven Entwicklung existiert bei der Fahrlehrerausbildung weiterer Handlungsbedarf. Geeignete Quereinsteiger, Eltern in Familienphasen oder Beschäftigte aus Handwerk und Logistik müssen freie Wege in den Beruf finden. Dieser Blick auf die andere Seite des Systems ist wichtig, denn ein schnellerer und günstigerer Führerschein braucht genügend qualifizierte Menschen, die ausbilden. Hier helfen Fördermöglichkeiten über Bildungsgutscheine oder andere Zugänge dabei, Menschen mit Berufserfahrung für die Ausbildung neuer Fahrerinnen und Fahrer zu gewinnen.

Lerndaten zeigen Defizite früher

Moderne Fahrschulunternehmen setzen in der eigenen Ausbildung auf digitale Theorieformate, Fahrsimulatoren und datenbasierte Lernsteuerung. Dabei kann Künstliche Intelligenz Defizite früher erkennen, Inhalte individualisieren und Fahrstunden besser koordinieren. Übertragen auf die Fahrausbildung heißt das: Je früher eine Fahrschule erkennt, wo ein Schüler steht, desto gezielter kann sie bis zur Prüfungsreife ausbilden. Das erhöht die Planbarkeit für alle Beteiligten.

Stellenprofile müssen Mobilität klar regeln

Aus all den oben benannten Gründen sollten Unternehmen mit Fuhrpark die Führerscheinfrage früher als bisher in ihre Personalplanung einbeziehen. Das beginnt bei neu formulierten Stellenprofilen und Ausbildungsplänen, reicht über die Nutzung von Poolfahrzeugen bis zur Frage, wann eine Fahrerlaubnis Voraussetzung für bestimmte Aufgaben ist.

Boris Polenske, Gründer und Vorstand der 123fahrschule SE, vor begrüntem Hintergrund.
123fahrschule SE

Boris Polenske, Gründer und Vorstand der 123fahrschule SE, erklärt, warum Unternehmen den Führerschein schon bei Recruiting und Ausbildungsplanung berücksichtigen sollten.

Über Boris Polenske:

Boris Polenske ist Gründer und Vorstand der 123fahrschule SE. Unter seiner Führung wurde die 123fahrschule zum größten Fahrschulunternehmen Deutschlands mit rund 60 Standorten und einem innovativen Ansatz zur Digitalisierung der Fahrschulausbildung. Sein Fokus liegt auf der Verbindung von Technologie und Nutzerfreundlichkeit, insbesondere in traditionell fragmentierten und technologisch rückständigen Märkten wie dem Fahrschulwesen. Mit über 20 Jahren Erfahrung in der digitalen Transformation hat er erfolgreich Unternehmen wie KlickTel gegründet und an die Börse gebracht sowie Plattformen wie Pkw.de und bewertet.de entwickelt.