Opel Mokka GSE: 281 PS, aber wenig Reichweite

Elektrischer Fahrspaß mit kurzer Reichweite
Opel Mokka GSE: 281 PS, aber nur gut 300 km

Der Opel Mokka GSE bringt 281 PS, Sperrdifferenzial und ein stark abgestimmtes Fahrwerk mit. Doch geringe Reichweite, langsames Laden und der hohe Preis bremsen die Begeisterung ein bisschen. Alle Infos im Fahrbericht mit großer Bildergalerie.

Opel Mokka GSE in schräger Frontansicht auf einer Rennstrecke.
Foto: Opel

Der elektrische Opel Mokka GSE versprüht den Charme von hochmotorisierten Knallbüchsen aus der Hochphase des Verbrennungsmotors. In einem wichtigen Punkt wird er dieser Tradition allerdings nicht ganz gerecht.

Wofür das Kürzel GS/E bei Opel einst stand

Ältere werden sich erinnern: In den 1970er-Jahren stand das Kürzel GS/E bei Opel für automobilen Breitensport. Die drei Buchstaben zierten aufgemotzte Varianten normaler Alltagsautos, die sich mit ein paar Extra-PS, tiefer gelegter Karosserien und typische Insignien wie Rallyestreifen von Nachbars Familienwagen absetzten. Beliebt waren sie nicht zuletzt, weil sie deutlich günstiger waren als die ähnlich potenten Wettbewerber von Porsche oder Mercedes.

Warum der Auftritt sportlicher als der Innenraum wirkt

Opel hat das GSE-Konzept nun ins Elektrozeitalter überführt. Erstes rein batteriebetriebenes Modell der neuen Submarke ist nach einigen Plug-in-Hybriden nun der Mini-Crossover Mokka. Und was soll man sagen: Optisch ist das Comeback durchaus gelungen, ohne dabei allzu dick aufzutragen. Die schon beim Standardmodell dynamisch geschnittene Karosserie hockt dank des Sportfahrwerks geduckter über der Straße, 20-Zoll-Felgen mit gelb lackierten Sätteln schmeicheln den Proportionen und ein paar unprätentiös verteilte Plaketten und Anbauteile zeigen unterschwellig, dass es sich hier um einen besonderen Mokka-Shot handelt. Das kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass beim Aufbrezeln des Spitzenmodells noch einiges an Luft nach oben bleibt: So ist der Bremssattel an den Hinterrädern schnöder Grauguss, im Innenraum finden sich bis auf die Sportsitze kaum Hinweise auf die Ausnahmestellung des GSE im Modellprogramm und mit einem speziell komponierten synthetischen Motorsound kann der Mokka auch nicht dienen. Und das, obwohl es ihn in der technisch weitläufig verwandten Motorsport-Variante „GSE Rally“ bereits gibt.

Opel Mokka GSE in Frontansicht während der Fahrt auf einer Rennstrecke.
Opel

Ein Sperrdifferenzial an der Vorderachse verbessert die Traktion.

Das Sperrdifferenzial bringt die Leistung auf die Straße

Technisch besonders macht den Straßensportler in erster Linie sein 207 kW/281 PS starker E-Motor an der Vorderachse. In Zeiten, in denen E-Autos locker auf vierstellige Pferdchen-Zahlen kommen, sieht das erst einmal nach nicht viel aus. Aber immerhin 345 Nm Drehmoment bewegen den kleinen, kurzen und leichten Opel schon ziemlich nachdrücklich nach vorn. Und das elektrotypisch sofort und ansatzlos. Damit es auch ohne große Reibungsverluste um die Kurve geht, verteilt ein mechanisches Sperrdifferenzial die Kräfte traktionsoptimierend zwischen beiden Rädern. Das klappt hervorragend, zieht den Crossover willig in die Kehre hinein und schiebt ihn mit früh möglichem Gaseinsatz wieder heraus. Beim Kurvenfahren hilft dann die gegenüber dem Serienmodell direkter abgestimmte Lenkung. Auch auf gerader Strecke schlägt sich der Opel gut: Nach knapp sechs Sekunden zeigt der Tacho drei Stellen, maximal sind 200 km/h möglich – zumindest für ein E-Auto ist das nicht wenig.

Das Sportfahrwerk vermeidet die gefürchtete Härte

Sehr gut gelungen ist Opel das Fahrwerk. Trotz gesunder Härte und tief gelegtem Schwerpunkt bietet der kleine Crossover ausreichend Restkomfort, um auch auf schlechten Stadtstraßen nicht zur anstrengenden Rumpelkammer zu werden. Das ist angesichts des kurzen Radstands besonders bemerkenswert.

Cockpit des Opel Mokka GSE mit Digitaldisplay, Lenkrad und Mittelkonsole.
Opel

Das Cockpit entspricht weitgehend dem des Standardmodells.

Um das dynamische Potenzial des GSE-Mokka auszureizen, sollte man allerdings den Sportmodus anwählen. Dann hängt der Opel aggressiver am Gas und unterlässt vor allem das Rekuperieren. In der Normal-Einstellung stört der spürbare Übergang von Motor- zu Mechanikbremse ansonsten etwas das Pedalgefühl. Der Preis dafür ist ein höherer Energieverbrauch, der sich durchaus auch jenseits der 20 kWh bewegen kann.

Nach gut 300 Kilometern wird die nächste Säule nötig

Wer betont effizient fährt, kann den Mokka mit Werten um die 17 kWh pro 100 Kilometer fahren. Richtig weit kommt man mit dem Kleinen aber auch dann nicht. Selbst bei mäßigen Temperaturen ist nach wenig mehr als 300 Kilometern Schluss. Das schränkt die Alltagstauglichkeit spürbar ein, auch weil das Schnellladen mit maximal 100 kW längere Wartezeiten am Kabel nötig macht.

Opel Mokka GSE in Heckansicht während der Fahrt bei Sonnenuntergang.
Opel

Der Sportanzug ist angenehm dezent ausgefallen.

Mehr als 8.400 Euro Aufpreis für die GSE-Version

Als Erst- und Standardauto kann der Opel angesichts seines eingeschränkten Wirkungskreises also nicht voll überzeugen. Hinzu kommt, dass der Mokka auch in den Verbrenner-Varianten nicht zu den praktischsten Autos seiner Klasse zählt. Er bietet vergleichsweise wenig Platz im Fond und hat nur einen kleinen Kofferraum. Angesichts dessen ist der GSE-Basispreis von 39.748 Euro netto ziemlich hoch – und liegt noch mal mehr als 8.403 Euro netto über dem des schon nicht billigen Standard-E-Modells mit 115 kW/156 PS. Wer das Geld aufbringt – ob aus neuer Begeisterung oder einer Form von Sentimentalität – wird aber zumindest in Sachen Fahrspaß nicht enttäuscht.

Opel Mokka GSE - Technische Daten

Fünftüriges, fünfsitziges Mini-SUV; Länge: 4,15 Meter, Breite: 1,78 (eingeklappte Außenspiegel), Höhe: 1,50 Meter, Radstand: 2,56 Meter

E-Motor mit 207 kW/281 PS, maximales Drehmoment: 345 Nm, Batteriegröße: 54 kW/h, Ladeleistung: 11 kW (AC)/100 kW (DC), Einstufen-Automatik, 0-100 km/h: 5,9 s, Vmax: 200 km/h, Normverbrauch (WLTP): 18,5 kWh/100 Kilometer, Testverbrauch: 20 kWh/100 Kilometer

Preis ab 39.748 Euro netto

Warum: hohe Agilität, sportliche Fahrleistungen, gut abgestimmtes Fahrwerk

Warum nicht: teuer, wenig Platz im Fond und Kofferraum, geringe Reichweite

Was sonst: Abarth 600e, Alfa Romeo Junior Veloce, Alpine A290