Hohe Schadenquote

Versicherer sperren sich

Unfall Glas Foto: AdobeStock

Flottenbetreiber müssen Unfallschäden reduzieren, sonst droht die Rote Karte des Versicherers. Besonders schwer haben es Unternehmen aus Branchen, die traditionell als Problemfälle gelten.

Pflegedienste, Taxis und Lieferdienste haben bei den Assekuranzen einen ganz schweren Stand. Ihre Fahrer verursachen überdurchschnittlich viele Unfälle. Die Versicherer müssten teils Beträge aufbringen, die dreimal so hoch wie die Leasingrate seien, sagt Harald Seliger, Leiter Kraftfahrt Betrieb bei der R + V. Und das, obwohl Kleinwagen oder Kleintransporter meist nur haftpflichtversichert sind. Denn für die extrem viel gefahrenen Kurierdienstfahrzeuge lohnt sich die Vollkasko kaum: Sie ist schlicht zu teuer. "Vielfach kostet die Vollkasko wegen der vielen Schäden schnell 3.000 Euro und mehr", sagt Seliger.

Die Prämie hängt nämlich von der Schadenquote ab. Die wiederum wird von der Anzahl und den Kosten der Unfälle bestimmt. Dazu teilt der Versicherer die Aufwendungen für Schäden durch die Nettoprämie ohne Versicherungssteuer und multipliziert das Ergebnis mit 100. "Ab einer Schadenquote von 65 Prozent wird es kritisch", sagt Thorsten Kuhr vom Versicherungsmakler Bernhardt Assekuranz. Die Problembranchen haben aber oft ­Quoten von deutlich über 100 Prozent. Auch Unternehmen, die rund um die Uhr Servicetechniker einsetzen und für rasche Reparaturen verantwortlich sind, schneiden schlecht ab.

Als Folge finden sie kaum noch Versicherer. Und gegenzusteuern fällt schwer. Herkömmliches Riskmanagement scheitert meist an den Arbeitsbedingungen. "Wer bis tief in die Nacht fährt und ständig in der zweiten Spur parkt, hat ein deutlich höheres Unfallrisiko", sagt Experte Seliger. Hinzu komme der Termindruck. Daher würden solche Unternehmen Schäden meist einkalkulieren. Fahrerschulungen oder sogar Kündigungen wegen riskanter Fahrweise kämen derzeit aufgrund des Arbeitskräftemangels nicht infrage.

"Manche Branchen, vor allem im Bausektor, können sich sogar eine teure Ver­sicherungsprämie leisten. Wo’s nicht so gut läuft, können die Versicherungskosten aber an die Substanz gehen." Solchen Firmen rät Seliger, aus der Flottenversicherung mit ihren Rahmenverträgen auszusteigen. Klassische Einzelpolicen dagegen bekommt man leichter, und sie sind für unfallträchtige Branchen oft günstiger. Dabei werden die einzelnen Fahrzeuge klassisch ins Schadenfreiheitsrabattsystem eingestuft und verlieren nach jedem Schaden einen Teil ihres Rabatts.

Manchmal helfen aber auch einfache technische oder psychologische Tricks. Rückfahrkameras etwa kosten wenig und beugen Einparkschäden vor. Und vielleicht sollte sich der Chef oder Fuhrparkleiter besonders auffällige Schadenverursacher in einem ernsthaften Gespräch zur Brust nehmen. Bei vielen Kleinschäden wiederum kann es sich lohnen, einen Bonus für schadenfreie Fahrt auszuloben. Und Glasschäden zu melden, kostet in der Summe häufig mehr, als sie in einer preiswerten freien Werkstatt auf eigene Kosten reparieren zu lassen. Wer sich nicht sicher ist, welche Maßnahmen am ehesten greifen, sollte sich an einen Versicherungsmakler wenden.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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