Lada Vesta SW Cross Luxus im Test

Trendiger Kombi aus Russland

Lada Vesta SW Cross Luxus 2018 Foto: Thomas Kueppers 18 Bilder

Mit dem Lada Vesta gelingt der russischen Marke erstmals ein modern gestaltetes Auto. Wird Lada jetzt auch für Fuhrparks interessant?

Bislang war die Sache klar: Nur Förster und private Sparfüchse kauften Lada. Die robusten Autos aus Russland konnten vor allem durch gerade Bleche und einfache Technik überzeugen. Nichts, was in einem Unternehmensfuhrpark gut ankommt, von Mitarbeitermotivation ganz zu schweigen.

Mit dem Vesta geht Lada neue Wege. Weil die mitunter holprig sind, gibt es den Cross mit 20 Zentimetern Bodenfreiheit. Mit Kunststoffbeplankung rundum und das alles bei kompakten Maßen mit 4,42 Metern Länge: Beim ersten Blick auf die technischen Daten könnte man einen trendigen Kompakt-SUV vermuten. Dass es dann ein Kombi ist, noch dazu einer von Lada, überrascht erst

Schicke Hülle..

Dabei ist die Überraschung keineswegs nur negativer Natur, denn der Vesta kommt geradezu fesch daher. Wer bei Lada nur an den Geländewagen Niva (heute: Taiga) und seine geradlinigen Bleche denkt, vermutet hinter den vielen Sicken und runden Formen kein russisches Auto. Kein Wunder, denn der Designchef Steve Mattin war zuvor bei Mercedes und Volvo für einige Modelle verantwortlich. Auffällig unauffällig sind die Offroad-Attribute der Cross-Version an das Kombikleid gefügt, und ausnahmsweise fristen sie dabei kein völlig sinnfreies Dasein. Denn zwar bietet der Vesta auch als Cross keinen Allradantrieb, aber fiese Feldwege zu abgelegenen Hütten verlieren dank üppiger Bodenfreiheit ihren Schrecken.

Lada Vesta SW Cross Luxus 2018 Foto: Thomas Kueppers
Alle Bedienelemente sind logisch angeordnet, auf dem Lenkrad gibt es Tasten für Tempomat und Radiobedienung.

…und ordentlich gemachter Innenraum

Den verliert zum Glück auch der Innenraum. Schlug einem noch in der letzten Ausgabe der Limousine Granta ein beißender Geruch nach chemischen Hartplastik-Ausdünstungen entgegen, schafft der Vesta den Einstieg ohne Geruchsschock. Sicher, Hartplastik gibt es immer noch zur Genüge, doch ist es jetzt ganz hübsch angerichtet. Alle Bedienelemente sind logisch angeordnet, auf dem Lenkrad gibt es Tasten für Tempomat und Radiobedienung. Der mittlere Touchscreen macht es dem Fahrer schwer. Die Radiosender kann man sich zwar in einer Liste anzeigen lassen, bis zur Frequenz auch der Sendername auftaucht, dauert es aber ein bisschen. Digitalen Radioempfang gibt es weder gegen Geld noch gegen gute Worte, und überhaupt ist der Bildschirm weniger berührungsempfindlich als vielmehr relativ immun gegen Fingerzeige. Meistens hilft mehr Nachdruck, im Navimenü aber manchmal auch nur Geduld. Dafür entschädigen so sympathische Eigenheiten wie die Tastatur bei der Zieleingabe, die bei jedem Neustart von kyrillischer auf lateinische Schrift umgestellt werden will.

Langsames Infotainment

Auch das Navigationssystem hat Besonderheiten parat: Wer gerne früher ankommt, als das Navi berechnet, hat hier gute Chancen. Irrtümlicherweise geht das System nämlich von maximal Tempo 80 auf der Autobahn aus, und entsprechend lange Fahrzeiten berechnet es dann auch. Immerhin fand es während dem Test immer problemlos die richtige Route. Warum wir diesem alltäglichen System so viele Worte widmen?

Weil der Vesta ansonsten mit neuzeitlicher Technik geizt. Abstandstempomat, Tot-Winkel-Assistent oder gar automatisches Einparken sind in einsamen russischen Wintern wohl weniger gefragt. Schon eher hilft hier die Luxus-Ausstattung mit beheizbarer Windschutzscheibe, Klimaautomatik und Sitzheizung vorn wie hinten. Und um dem Argument der völligen Assistenzlosigkeit zu entgehen, bringt ein Rückfahrkamera mehr Rücksicht.

Lada Vesta SW Cross Luxus 2018 Foto: Thomas Kueppers
Soll etwas Größeres wie ein Fahrrad hinein, klappen die Rücksitzlehnen nach vorn. Ganz eben ist der dabei entstehende Boden nicht.

Viel Platz in der Hütte

Weniger Geiz zeigt Lada beim Raumangebot. Vorn gibt es reichlich Bewegungsfreiheit in alle Richtungen, hinten kann es höchstens auf dem mittleren Platz eng werden. In den Gepäckraum passt Einiges, Kleinkram kann unter dem doppelten und aufstellbaren Ladeboden verstaut werden. Soll etwas Größeres wie ein Fahrrad hinein, klappen die Rücksitzlehnen nach vorn. Ganz eben ist der dabei entstehende Boden nicht, für günstige Übernachtungen in der einsamen Steppe taugen dann also eher doch andere Autos.

Gelungene Fahrwerksabstimmung

Für den oftmals holprigen Weg dahin ist der Vesta Cross hingegen gut gerüstet. Seine Federung stakst bei langsamen Tempo über kurze Fahrbahnunebenheiten, bei mehr Geschwindigkeit wird sie dann geschmeidig. Dabei neigt sich der Lada selbst in flotten Kurven nicht allzu sehr auf die Seite und zur Not ist das gut abgestimmte ESP zur Stelle. Da haben die Ingenieure saubere Arbeit geleistet.

Während der Unterbau also stabil dem Straßenverlauf folgt, hat der Fahrer leichtes Spiel mit dem Lenkrad. Zu leichtes Spiel, denn die leichtgängige Lenkung gibt kaum Rückmeldung über die Straßenbeschaffenheit. Die Mittellage ist zudem wenig definiert, treffsichere Kurvenfahrten erfordern häufig Korrekturen. Aber so schlimm ist das gar nicht, denn der bisher als einzige Motorisierung erhältliche 1,6-Liter Benziner ist eher von der müden Sorte. Richtig schnell ist der Vesta mit 106 PS so selten unterwegs, und wenn es doch mal eilig ist, helfen nur fleißiges Schalten und hohe Drehzahlen.

Die wiederum treiben den Verbrauch nach oben. So bestärkt der Lada Vorurteile über die russische Trinkfestigkeit, unter sieben Liter schaffen es nur äußerst ruhige Naturen. Und auch sonst ist der Vesta kein Schnäppchen: Über 14.500 Euro netto verlangt der deutsche Importeur für die Luxus-Cross-Ausführung. Immerhin sind dann fünf Jahre Garantie dabei. Das gefällt auch im Fuhrpark.

Lada Vesta SW Cross Luxus 2018 Foto: Thomas Kueppers
Fiese Feldwege zu abgelegenen Hütten verlieren dank üppiger Bodenfreiheit ihren Schrecken.
Technische Daten
Lada SW Cross 1.6
Motor und Kraftübertragung
Zylinderzahl / Motorbauart 4-Zylinder Reihenmotor
Hubraum 1596 cm³
Leistung 106 PS (78 kW) bei 5800 U/min.
max. Drehmoment 148 Nm bei 4200 U/min.
Antriebsart Vorderrad
Getriebe 5-Gang manuell
Schadstoffeinstufung Euro 6b
CO2-Ausstoß 148 g/km
Kraftstoff Super
Preis
Nettopreis 14.529,- €
Abmessungen und Gewichte
Radstand 2635 mm
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4424 × 1785 × 1537 mm
Kofferraumvolumen 480 l
Leergewicht gemessen 1320 kg
Zuladung 410 kg
Zulässiges Gesamtgewicht 1730 kg
Karosserie
Typ Kombi
Testwagenbereifung
Reifen (vorne/hinten) 205/50 R 17 / 205/50 R 17
Verbrauch
Verbrauch 6.50 l/100 km
Betriebskosten
Basisdaten
Preis ohne Mehrwertsteuer 14.529,- € 14.529,- €
Betriebsnotwendiges Kapital 10.981,- € 11.387,- €
Teuerung Fahrzeugpreis 2.314,- € 1.347,- €
Feste Kosten (€/Jahr)
Kapitalverzinsung 922 957
Abschreibung 922 957
Kfz-Steuer 138 138
Typklasse HP/VK/TK 18/22/18 18/22/18
Haftpflichtversicherung 1.047 1.047
Kaskoversicherung 992 992
Unterstellung/Garage 564 564
Summe feste Kosten (€/Jahr) 5.608 6.520
Summe feste Kosten (ct/km) 28,0 16,3
Variable Kosten (ct/km)
Kraftstoff 9,0 9,0
Reifen 2,8 2,8
Wartung/Reparatur/Pflege 9,6 5,4
Summe variable Kosten 21,4 17,2
Gesamtkosten
Gesamtkosten (ct/km) 49,4 33,5
Quellenangabe Betriebskosten
Quellenangabe Dekra Dekra
Zeitpunkt der Datenberechnung 8/2018 8/2018
Versicherungshinweis Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung. Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung.
Neues Heft
FA 11 2018 Titel
11/2018 19. Oktober 2018 Inhalt zeigen
Who is Who Pkw
Who is Who Titel Who is Who Flottenmarkt

Das Nachschlagewerk für alle Flottenmanager.

Beliebte Artikel Citroen C3 2017 Citroen C3 im Fahrbericht Ruhige Kugel schieben Mercedes A 180 d 2018 Fahrbericht Mercedes A 180 d Digital Overkill
Terminübersicht
firmenauto Terminkalender Flottentermine

Finden Sie Veranstaltungen, Seminare, Messen und Trucksport-Events in Ihrer Region.